Staunen – knobeln – erforschen

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Auch bei einer Stadtrallye ging es ums Rechnen.
Auch bei einer Stadtrallye ging es ums Rechnen. (Foto: BSBZ)
Schwäbische Zeitung

Konzentrierte Stille herrscht im Hörsaal der Biberacher Hochschule (HBC) an einem Samstagvormittag. Wo sonst Studierende pauken, stecken etwa 20 Schüler aus der sechsten und siebten Klasse ihre Köpfe zusammen und knobeln, probieren und erkunden, wie eine Bodenfläche mit vorgegebenen Schablonen flächendeckend ausgelegt werden kann.

Damit entdecken sie spielerisch die mathematische Theorie der Parkettierung. Vier Wochen später, dieses Mal unter freiem Himmel: Die Schüler zeichnen ohne Zirkel und Lineal Kreise, Rechtecke und andere geometrische Formen und vertiefen sich so in der mathematischen Geometrie. Beide Beispiele beschreiben Szenen aus der Mathe AG, zu der sich seit einem Jahr regelmäßig Schüler treffen, um über mathematische Phänomene zu staunen, sie kennenzulernen und zu erforschen. „Spannend“ und „cool“ antworten die 11- bis 13-Jährigen auf die Frage, wie sie das Angebot finden.

Doch nicht nur die Schüler lernten bei den Treffen eine Menge – auch die beteiligten Lehrer der verschiedenen Schulen. „Der Austausch mit den Kollegen über die Mathematik und über die didaktische Vermittlung hat mir neue Impulse gegeben“, berichtet Susanne Braig vom Wieland-Gymnasium Biberach. Yvonne Keppler, Gymnasium Ochsenhausen, ergänzt: „Und es hat immer viel Spaß gemacht, da die Schüler mit so viel Begeisterung dabei waren.“

Entstanden ist die Mathe-AG aus einem Austausch zwischen Mathematikdozenten der Hochschule Biberach und Mathematiklehrern der weiterführenden Schulen im Landkreis Biberach. „Während es für musik- und sportbegeisterte Schüler eine Vielzahl an Angeboten gibt, fehlen für mathematikbegeisterte Schüler entsprechende Möglichkeiten, ihre Leidenschaft weiterzuentwickeln“, berichtet Bernd Burghardt, Mathematikprofessor der HBC. Dabei waren sich er und seine Kollegen an den Schulen sicher, dass ein Interesse seitens der Schüler für ein derartiges außerschulisches Angebot besteht: „Die Idee der Mathe AG war geboren“, so Burghardt. Spielerisch und schulübergreifend sollte nun der mathematische Wissensdurst der Schüler gestillt werden. Lehrer der beteiligten Schulen – Wieland-Gymnasium, Pestalozzi-Gymnasium, Dollinger Realschule, Bischof-Sproll-Bildungszentrum, Gymnasium Ochsenhausen und Hochschule Biberach – bereiteten neben ihrer beruflichen Tätigkeit fortan zehn Termine über das Schuljahr hinweg zu verschiedenen mathematischen Phänomenen vor: Schnellrechentricks, platonische Körper oder geometrische Figuren. Bewusst wurden Themen für die AG gesucht, die über den normalen Schulstoff hinausgehen, aber dennoch altersgerecht erschlossen werden können.

Die Mathe AG ist der erste Baustein der Mathematik-Kooperation „MathUp“, die in Zukunft weiter wachsen soll. Ein zweiter Baustein bildet ab dem kommenden Schuljahr das Mathe-Team in Zusammenarbeit mit dem Schülerforschungszentrum Bad Saulgau, geeignet für Schüler ab der 8. Klasse. „Teilnehmer sind für beide Angebote willkommen “, wirbt Bernd Burghardt. Informationen erhalten Interessierte über die Ansprechpartner an den Schulen, unterstützt wird die Kooperation inzwischen auch vom kommunalen Bildungsplan der Stadt Biberach.

Den Abschluss der diesjährigen Mathe AG bildete eine Stadtrallye durch Biberach. Mit mathematischen Augen erforschten die Jungen und Mädchen die Biberacher Innenstadt: Wie viele Liter Wasser fließen jeden Tag durch den Brunnen auf dem Marktplatz? Wie hoch sind die Parkeinnahmen der Stadt Biberach in der Ulmer-Tor-Straße an einem normalen Samstag? Wie viele Pflastersteine sind auf dem Marktplatz verlegt? Gerechnet wurde in kleinen Teams – beim Eisessen tauschten sich dann alle über die Lösungsansätze aus.

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