Stadtpläne erblühen zu Kunstwerken

Lesedauer: 5 Min
Der KSK-Vorstandsvorsitzende Martin Bücher, Kunsthistorikerin Andrea Dreher, Kuratorin Barbara Renftle und der Künstler Luis Din
Der KSK-Vorstandsvorsitzende Martin Bücher, Kunsthistorikerin Andrea Dreher, Kuratorin Barbara Renftle und der Künstler Luis Dinger vor dem Bild „Galaxy“. (Foto: Günter Vogel)
Schwäbische Zeitung
Günter Vogel

Die Stiftung BC – pro arte zeigt ab sofort in ihrem Programm Junge Kunst in der Galerie“ Werke des Ravensburger Künstlers Luis Dilger.

„Luis Dilger ist mit seiner digitalen Kunst direkt am Puls der Zeit“, urteilt Martin Bücher, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, der die Gäste bei der Vernissage begrüßte. Dilger ist bereits der elfte junge Künstler, dem eine Ausstellung in der Reihe gewidmet ist.

Die Ravensburger Kunsthistorikerin Andrea Dreher führte in das Werk Dilgers ein, sprach ausführlich über seine Entwicklung vom Studierenden zum souveränen Künstler. Dreher: „Ich konnte hautnah miterleben, wie aus einem begabten Oberschwaben ein gefragter Global Player und ein internationaler Startup-Star wurde.“ „Am Anfang jeder Arbeit steht das schwarze Nichts, dann entsteht die Form, daraus entwickelt sich die Struktur, diese wird durch das Licht sichtbar und wird in einem letzten Arbeitsschritt durch das gewählte Material charakterisiert. Design und Kunst befruchten sich gegenseitig.“ 2016 erhielt Dilger mehrere Auszeichnungen, so den „Iconic Award 2016“. Ein englische Zeitschrift betitelte ihn als „one of the hottest startups.“ Dreher: „Das schöpferische Genie in ihm ist hellwach, wir können gespannt sein, was noch kommen wird, denn einen „Status quo“ wird es bei diesem Künstler noch lange nicht geben.“

Erst vor zwei Jahren hatte Luis Dilger an der Ravensburger Schule für Gestaltung sein Diplom als Kommunikationsdesigner gemacht, im selben Monat wird der 25-Jährige in Frankfurt für sein Projekt „City Layouts“ mit dem „German Design Award“ ausgezeichnet. Dilger hat ein Verfahren entwickelt, Stadtpläne plastisch darzustellen.

Dazu die Jury: „Der Reiz einer Stadt liegt oft verborgen in ihrer Grundstruktur. Diese einzigartigen dreidimensionalen Stadtpläne zeigen Topografie, Architektur und das Straßennetz einer Stadt in einer völlig neuen Ästhetik“.

Angefangen habe es als private Spielerei, so Luis Dilger. Der gebürtige Weingartener hat entdeckt, wie die Daten von „Open Street Map“ für die dreidimensionale Ansicht von Landschaften und Städten umgesetzt werden können. 20 bis 30 Stunden benötigt er, um einen Stadtplan umzusetzen. Grundsätzlich gehe es darum, markante Strukturen einer Stadt darzustellen. Hamburg, Berlin, Frankfurt und München hat er auf diese Weise dargestellt, aber auch New York, San Francisco, Rom. Ravensburg sei da weit weniger imposant, „aber ich konnte meine Heimatstadt nicht außen vor lassen.“ Auch Biberach ist in der Ausstellung zu sehen. Dieses Bild hatte unübersehbar die meisten Betrachter.

Aber Dilgers Kunst beschränkt sich keineswegs auf die künstlerische bildhafte Optimierung von Stadtplänen. In der Ausstellung sind gegenstandslose Bilder von ganz eigener, schier unwirklicher Schönheit zu sehen, mit fließenden Formen, mit farbigen Strukturen wie Glasfasern, mit veredelten Naturformen wie eine Nautilusmuschel von 2014 in märchenhaft ästhetischen Schichtungen, eine seiner ersten freien Arbeiten, die sofort Begeisterung auslöste.

Die Harfenistin Magdalena Engelmann, eine Cousine des Künstlers, unterhielt zwischen den Vorträgen mit perlenden Tonreihen spezifischen Harfenklangs. Die Zartheit ihrer Musik passt wunderbar zu den fließenden, schwellenden und schwebenden Formen in den Werken ihres Cousins.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen