Stadtkapelle fesselt mit Tanzmusik

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 Die Stadtkapelle sorgte bei ihrem Herbstkonzert für gute Unterhaltung.
Die Stadtkapelle sorgte bei ihrem Herbstkonzert für gute Unterhaltung. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Beim Herbstkonzert hat die Stadtkapelle Biberach unter Andreas Winter mit tänzerischen Melodien von Dvorak bis Riverdance begeistert. Es begann mit zwei der „Slawischen Tänze“ von Antonin Dvorak. Diese 16 Tanzkompositionen gehören zu den bekanntesten Werken des tschechischen Komponisten. Ein großes Tutti des ersten Tanzes erzeugt beim Zuhörer sofort beschwingte Gefühle.

Man hört charakteristische Rhythmen böhmischer und mährischer Volksmusik, diese sind dennoch eigenständige kompositorische Schöpfungen. Anders als etwa Brahms ging er nicht von der Musik originaler Volkstanzlieder aus, sondern übernahm nur den Rhythmus als ihr markantestes Element, schuf seine Tänze ansonsten aus eigenem, neuem musikalischen Material. Nach dem schnellen Furiant hört man eine etwas behäbige Polka.

Felix Mendelssohn-Bartholdy ist einer der bedeutendsten Musiker der Romantik. Sein dreisätziges Konzertstück op 114 für zwei Klarinetten und Orchester spielten Martin Remke und Michael Nover mit einer wunderbaren lyrischen Melodie im Mittelteil, der ein fröhliches Allegro grazioso folgte. Die beiden Solisten ließen ihre Instrumente virtuos auf das schönste „tanzen“.

Der Schweizer Franco Cesarini hat bulgarische Volkslieder mit ganz eigener Klangsprache aus Quellen der Sinti- und Romamusik vertont. „Bulgarian Dances“ ist eine freie Rhapsodie in vier Sätzen aus mehreren folkloristischen Melodiefolgen. Charakteristische Dissonanzen wie auch die komplexen unregelmäßigen Rhythmen machen diese Lieder einzigartig. Cesarini blieb zwar dem ursprünglichen Geist der Lieder treu, passte sie aber der großen Klangfarbenpalette moderner Blasorchester an.

Vom Amerikaner Clifton Williams dann der „Symphonic dance Nr. 3 Fiesta“. Dieser Tanz bringt die Musik der vielen mexikanischen Feste im texanischen San Antonio zum Klingen, die Williams als „Fest der lateinamerikanischen Feierlichkeiten“ mit Straßenkapellen, Stierkämpfen und bunten Kostümen als das „bunte Erbe eines stolzen Volkes“ bezeichnet.

Die einleitende Bläserfanfare schafft eine Atmosphäre gespannter Vorfreude, ein bassbetonter schwerer dreiertaktiger Mittelteil folgt. Die Blechbläser verkünden die Ankunft des Matadors in der Stierkampfarena und das fulminante Finale beschwört einen freudigen Höhepunkt der Feierlichkeiten herauf.

Und dann hört man allerfeinsten Musicalsound. In „A Chorus Line“ fängt fetzige Musik von Marvin Hamlisch den Geist und die Spannung eines Broadway-Chorus-Auditions ein. Das Musical beschreibt das Casting für die Besetzung eines geplanten Tanzmusicals. Zu den großen musikalischen Nummern gehören „Was ich aus Liebe getan habe“, „Ich kann das“, „Beim Ballett“, „Ich hoffe, ich bekomme es“. Gesang, Tanz und eine dramatische Handlung erzeugen Vergnügen und Spannung.

Das Musical „Tanz der Vampire“ beschreibt mit wunderschönen Melodien gleichsam als große Oper die Geschichte um den Professor, seinen Gehilfen, die schöne Wirtstochter und den Grafen Dracula. Neben der gruselig-spannende Handlung ist das künstlerische Highlight allemal die bombastische Rock-Musik von Jim Steinman. Als krönender Programmabschluss dann „Riverdance“. Die Musik von Bill Whelan besteht weitgehend aus keltischen Melodien und Harmonien sowie dem irischen Stepptanz. All das fetzte das bestens aufgelegte Orchester dem Publikum in die ob des akustischem Vergnügens weit geöffneten Ohren.

Die Zuhörer erklatschten sich eine Zugabe und die war der Song Mr. Bojangles, geschrieben 1968 von Jerry Jeff Walker. Zahlreiche Interpreten haben seither individuelle Fassungen eingespielt. Der berühmteste war Sammy Davis Jr., der das Lied fast zwei Jahrzehnte zu einem Teil seiner Bühnenshows gemacht hatte.

Bläserisches Schmuckstück

Die Musiker und ihr Dirigent Andreas Winter machten mit charaktervollen Bläsersätzen und mit ausgewogen gestaffelter Dynamik die Musik zu einem wunderbaren nachmittäglichen Hörerlebnis. Die Holzbläser ließen betörend schön ihr harmonisches Lied hören. Das Blech fasziniert mit musikalischer Wucht und Finesse. Die Stadtkapelle ist und bleibt ein bläserisches Schmuckstück im musikalischen Geschehen in Biberach.

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