St.-Martins-Chorknaben feiern halbes Jahrhundert

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Die St.-Martins-Chorknaben sind 1962 vom damaligen Biberacher Kaplan Paul Pfaff gegründet worden, um ihnen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Die heute etwa 90 Sänger zwischen sechs und 25 Jahren stehen in der Tradition der „Pueri Cantores“, und neben der Musik steht bis heute das gemeinschaftliche Miteinander im Mittelpunkt der Aktivitäten. Zum 50-jährigen Bestehen des Chores haben nun die Feierlichkeiten mit einem Festakt in der Kreissparkasse begonnen.

Stilvoll eröffneten die Chorknaben den Abend mit einem italienischen Lied. Der Vorsitzende von Stiftung und Freundeskreis der St.-Martins-Chorknaben, Edmund Wiest, betonte die Eigenständigkeit der Organisation unter ihrem seit 20 Jahren amtierenden Chorleiter Johannes Striegel. Engagement, Disziplin und Teamgeist seien die gruppentragenden Eigenschaften.

Nach dem Kanon „Gaudeamus hodie“ charakterisierte Landrat Dr. Heiko Schmid den Chor als „kirchenmusikalisches Aushängeschild“, das ein großes kulturelles Erbe in seinem Bereich weiterträgt. Er zitierte Goethe: „Gesang ist die erste Stufe der Bildung.“

Oberbürgermeister Thomas Fettback sieht dieses „Markenzeichen Biberachs“ als Botschafter von Stadt und Region und zeigte sich überzeugt, daß der Chor mindestens 100 Jahre alt werden wird.

Einen spannenden und detailreichen Festvortrag hielt Andrea Riotte: „500 Jahre Chorgesang in Biberach – die Alumnen“. Die Biberacher Historikerin erzählte, dass spätestens ab 1400 beim täglich gesungenen Amt immer Alumnen – also Ehemalige – dabei waren. Riotte sprach ausführlich über die Entwicklungen im 16. und 17. Jahrhundert, ging auf die sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Alumnen ein, von denen nicht wenige akademische Bildung erwarben. Sie erzählte, dass der Biberacher Musikdirektor Justin Heinrich Knecht und der Maler Johann Baptist Pflug ebenfalls Ehemalige des Chores waren. Das evangelische Alumnat wurde bereits in der Nazizeit aufgelöst. Das katholische blieb bis 1961 erhalten; im Folgejahr wurden dann die St. Martins-Chorknaben ohne jede konfessionelle Trennung gegründet.

Der Chor intonierte dann „Schön ist es auf Gottes Welt“, das bereits auf dem ersten Schützenfest 1804 gesungen worden war.

Eine schöne Idee war dann eine kleine nostalgische Erzählrunde von vier Ehemaligen, darunter einem Gründungsmitglied von 1962 und dem mit 26 Jahren bislang „Längstdienenden“, sowie einem noch aktiven Sänger. Jo Riedel moderierte die Erzählrunde und entlockte den Ehemaligen viele Details von seinerzeit, so auch über den 2006 verstorbenen Chorgründer. Und alle fünf schwärmten begeistert von den Konzertreisen mit dem Höhepunkt Rom.

Mit dem Gospel „Heaven is a wunderful place“ beendeten die Sänger einen ungemein anregenden Abend. (vo)

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