Sophie von la Roche – Vorbild und Vorreiterin

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 Stefanie Hartmannsgruber (v. l.), Ursula Maerker, Kerstin Bönsch und Bettina Beck vor den Bildern der Schriftstellerinnen Soph
Stefanie Hartmannsgruber (v. l.), Ursula Maerker, Kerstin Bönsch und Bettina Beck vor den Bildern der Schriftstellerinnen Sophie La Roche (v. l.), Annette von Droste-Hülshoff, Bettine von Arnim. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Mit Schriftstellerinnen sowie der Entwicklung der Frauenrechtehaben sich Wieland-Archiv und Stadtarchiv beim Kulturparcours im „Roten Bau“ beschäftigt. Zentrale Figur dabei war die Schriftstellerin Sophie von La Roche.

Kerstin Bönsch, Geschäftsführerin der Wieland-Stiftung, sprach über die Frauenliteratur. Sie eröffnete mit einem aktuellen Fall, der Entlassung von Barbara Laugwitz als Geschäftsführerin des Rowohlt-Verlags, zitierte einige bittere Kommentare dazu: Elfriede Jelinek: „Schon wieder eine Frau rausgekippt wie Abfall...“ oder Nina George: „ Macho Literaturbetrieb.“

Nur 14 mal ging der Literatur-Nobelpreis an Frauen

Sie stellte einige Zahlen gegenüber „Über Bücher von Frauen wird nur zu zehn Prozent berichtet, in Buchmessezeiten lediglich zu 24 Prozent. Und in der Vergangenheit? Ab dem 17. Jahrhundert zählt man 77 weibliche, aber 446 männliche Autoren. Schließlich die „Zeit-Bibliothek der 100 Bücher“: In der 13. Auflage (1980 - 2009) wurden 99 Titel internationaler Autoren, aber nur ein Titel einer Frau (Anna Seghers) gelistet. Und schließlich: 100 Männer und nur 14 Frauen erhielten ab 1901 einen Literatur-Nobelpreis; als erste 1909 die Schwedin Selma Lagerlöf.

Die Rezensentin gab dann einen Rückblick auf bedeutende Autorinnen, begann – natürlich – mit Sophie von La Roche, mit der „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“. Sophie von La Roche sei die „erste professionelle Schriftstellerin“, so Bönsch. Bettine von Arnim, Sophies Enkelin veröffentlichte „Goethes Briefwechsel mit einem Kind“ erst als ihr Mann gestorben war. Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte hatte 1798 spezielle Sorgen: „Ist die Schriftstellerin verehelicht, so erhält sie durch ihren schriftstellerischen Ruhm eine von ihrem Gatten unabhängige Selbstständigkeit, die das eheliche Verhältnis notwendig entkräftet und zu lösen droht.“

Kerstin Bönsch schildert dann einige Stationen, die Frauen mühevoll nehmen mussten, bis sie zumindest in unserem Kulturkreis die heute selbstverständliche Gleichberechtigung erreichen konnten: 1893 machten die ersten Frauen in Preußen Abitur, 1896 wurden Frauen per Gesetz zur Arbeit im Haushalt verpflichtet! 1900 lässt das Großherzogtum Baden erstmalig Einschreibungen von Frauen an Universitäten zu. 1918 erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht. 1949 wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau in das neue Grundgesetz aufgenommen, und erst 1959 wurde der „Gehorsamsparagraph“ für nichtig erklärt.

Für das Foyer des Wieland-Archivs hatte Kerstin Bönsch 20 interessante Lektüreempfehlungen von Schriftstellerinnen vorbereitet, die jeweils eine Kurzfassung des empfohlenen Werkes zum Mitnehmen anbieten. Natürlich Sophie von La Roche mit dem „Fräulein von Sternheim“ und ihre Enkelin Bettine von Arnim mit „Das Buch gehört dem König.“ Dazu große Namen wie Annette von Droste-Hülshoff, Selma Lagerlöf, Nelly Sachs, Jane Austen, Virginia Woolf, Gertrude Stein, Anna Seghers, die Krimiautorin Agatha Christie, die kürzlich verstorbene Maria Breig.

Stefanie Hartmannsgruber vom Stadtarchiv hatte für die Besucher eine Themenführung zu „berühmten Frauen in Biberach“, vorbereitet. Sie begann mit den Hexenverfolgungen nach 1660 in Biberach. Sophie von La Roche nahm dann auch hier einen großen Raum ein. Das Biberacher Gesangstrio, Geschwister Rommer, war schon 2013 Thema der Heimatstunde gewesen. Hartmannsgruber sprach am Schluss über die Ärztin Dr. Erika Frank, die von 1960 bis 1998 in Biberach eine Arztpraxis hatte.

Und die Besucher konnten sich am Schreiben mit Feder und Tinte wie damals versuchen. Stadtarchivarin Ursula Maerker hatte eine Zitatenliste vorbereitet, die man übernehmen konnte: Etwa „Ehmals hab ich an nichts gedacht, was in der Welt vorgeht; jetzt greift mir alles ans Herz“ (Bettine von Arnim), oder „Wo man am meiste fühlt, weiß man nicht viel zu sage.“ (Annette von Droste- Hülshoff), und „Kenntnisse des Geistes, Güte des Herzens – die Erfahrung hat mir bis an den Rand meines Grabes bewiesen, daß ihr allein unsere wahre irdische Glückseligkeit ausmacht“ (Sophie von La Roche).

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