So wohl fühlt sich Baden-Württembergs schönste Kuh in Biberach

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Eleganter Knochenbau, feiner Fuß und eine gerade Körperhaltung – mit diesen Eigenschaften hat sich Forteas einen ganz besonderen Titel geholt: Sie ist „Grand Champion Braunvieh 2018“, die schönste Kuh in Baden-Württemberg. Doch wie lebt eigentlich so eine prämierte Kuh? Wir haben Forteas in ihrem Stall bei Biberach besucht.
Schwäbische Zeitung

Sie ist die schönste Kuh in Baden-Württemberg: Forteas. Die 750 Kilogramm schwere Dame mit weißer bis grauer Haut lebt auf dem Hof von Braunviehzüchter Aaron Albinger in Winterreute. Den Titel „Grand Champion Braunvieh 2018“ bekommt man aber nicht einfach nur so verliehen, für Mensch und Tier bedeutet ein Wettbewerb wie dieser wochenlange Vorbereitung.

Etwas größer als normal, ein gerader Rücken, ein feiner Fuß, ein eleganter Knochenbau, ein leicht geneigtes Becken und gleich lange Zitzen – unter anderem mit diesen Eigenschaften überzeugte Forteas kürzlich die Jury bei der Landesschau der Rinderzüchter in Ilshofen (Kreis Schwäbisch Hall). Insgesamt traten 200 Kühe um den Titel „Schönste Kuh Baden-Württembergs“ an. Bei der Schau achtete insbesondere ein Jurymitglied darauf, wie sich die Tiere bewegen. „Im Gegensatz zu Pferden sind Kühe nicht an ein Schaulaufen gewöhnt“, erläutert Aaron Albinger. Deshalb hat der 30-Jährige schon ein paar Wochen vor dem Termin mit Forteas die richtigen Schritte einstudiert. Das Training braucht seine Zeit: „Kühe haben ihren ganz eigenen Kopf. Wenn ihnen das Üben lästig wird, machen sie gar nichts mehr.“

Wichtiges Hobby im Leben

In der Woche vor der Schau ging es dann ans Eingemachte. Die Kuh waschen und scheren sowie das Euter glatt rasieren – der Landwirt macht all dies gerne. Für ihn hat sich die Teilnahme an den Wettbewerben zu einem wichtigen Hobby in seinem Leben entwickelt. „Es ist eine schöne Abwechslung zur alltäglich Hofarbeit“, erzählt der Familienvater. Im Alter von 13 Jahren habe er erstmals an einer Schau teilgenommen. Bis heute hat ihn die Faszination nicht losgelassen. Das Schönmachen der Kühe ist dabei das eine, die Geselligkeit das andere: „Wir Züchter helfen uns bei den Vorbereitungen gegenseitig. Da gibt es natürlich auch mal das ein oder andere Feierabendbier.“ Am Abend vor dem Wettbewerb kommen alle Züchter, im Schnitt eine Gruppe von 25 Personen, für eine Feier zusammen: „Das Feeling während der Wettbewerbswoche ist etwas ganz besonderes.“

Auch für Forteas war der Wettbewerb ein Ausbruch aus dem Alltag. Denn welche Kuh bekommt schon den Euter eingeölt und die Klauen schwarz angesprüht? Auch etwas mehr Futter als gewöhnlich landete am Vorabend der Schau im Trog von Forteas, schließlich sollte sie bei der Präsentation wohlgenährt aussehen. Für die Jury passte bei Forteas alles, die Kuh trug am Ende die Sieges-Schärpe in den Landesfarben von Baden-Württemberg um den Hals. Aaron Albinger ist mit insgesamt sieben Kühen zur Tierschau angereist. „Natürlich freut man sich, wenn man dann auch gewinnt“, sagt er. Letztmals habe der Hof im Jahr 2006 diesen Preis abgeräumt: „Einzelne Klassen haben wir immer wieder gewonnen. Aber die schönste Kuh Baden-Württembergs zu haben ist etwas ganz anderes.“ Der Titel bedeute unter Züchtern Prestige – mehr aber auch nicht: „Im Zuchtviehhandel bringt das kaum mehr Geld.“

Alle packen auf dem Hof mit an

Trotz dieses Titels führt Forteas weiterhin ein ganz normales Leben als Milchkuh. Schlafen, kauen, melken, kauen, schlafen – ihr Tag sieht genauso aus wie das ihrer 260 anderer Mitbewohnerinnen. Darüber hinaus verfügt der Betrieb über weitere 200 Stück Jungvieh, die teilweise in Ochsenhausen untergebracht sind.

Aaron Albinger bewirtschaftet den Bioland-Hof gemeinsam mit seinem Vater Gerhard Albinger, seiner Frau Marina, zwei Hilfskräften und einem Auszubildenden. „Unsere Haupteinnahmequelle ist der Milchverkauf“, sagt er. „Beim Bio-Milchpreis sind die Schwankungen nicht so enorm wie in der konventionellen Landwirtschaft. Wir sind zufrieden.“ Daneben betreiben sie eine Biogasanlage, sozusagen als zweites Standbein.

Bleibt noch eine Frage zu klären: Was bedeutet eigentlich der Name „Forteas“? „Die Namensgebung folgt bei uns einem festen Muster“, sagt der 30-Jährige. Die Namen des Nachwuches setzen sich aus den Anfangsbuchstaben der Eltern zusammen. France heißt die Mutter, Easton der Vater – so ist der Name „Forteas“ entstanden.

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