So will die Hochschule Biberach klimaneutral werden

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 Sie sind verantwortlich für das Klimaschutzkonzept an der Hochschule Biberach: Gotthold Balensiefen (v. l.), Jörg Entreß, Rolan
Sie sind verantwortlich für das Klimaschutzkonzept an der Hochschule Biberach: Gotthold Balensiefen (v. l.), Jörg Entreß, Roland Koenigsdorff und Thomas Schwäble. (Foto: HBC)
Schwäbische Zeitung

Die Hochschule Biberach (HBC) hat als erste Hochschule in Baden-Württemberg ein Klimaschutzkonzept für ihre beiden Campus-Standorte erstellen lassen. Das Konzept berücksichtigt die vier Bereiche Gebäude und Energie, Mobilität, Freiflächen und Biodiversität sowie Abfall. Erstellt wurde es in Zusammenarbeit mit externen Partnern; beteiligt waren das Beratungsunternehmen Drees & Sommer, Stuttgart, mit den Unternehmensbereichen Advances Building Technologies und Infra Consult sowie das Büro für Landschaftsarchitektur, Umweltplanung und Stadtentwicklung, Planstatt Senner, Überlingen.

Klimaschutz und Klimaneutralität sind Schalgworte, die einem momentan täglich in den Nachrichten begegnen. Auch die HBC hat sich entschlossen, in diesen Bereichen zu handeln. Ziel ist ein klimaneutraler Campus bis 2040.

Dabei sieht sich die Hochschule in der Pflicht, einen Beitrag zum Klimaschutz als globale Herausforderung zur Sicherung der Lebensgrundlagen zu leisten. „Aufbauend auf den Zielen von EU, Bund und Land wollen wir mit dem Konzept sicherstellen, dass die gesamte Hochschule im zeitlichen Korridor ab 2030 weitgehend klimaneutral wird“, sagt Thomas Schwäble, Kanzler der Hochschule Biberach.

Damit erfülle die HBC ihre Verantwortung nach dem Klimaschutzgesetz und nehme ihre Vorbildfunktion wahr, durch Innovationen zur Klimaneutralität zu kommen. „Als Transfer-Hochschule ist uns dabei die Übertragbarkeit der Maßnahmen auf andere Einrichtungen wichtig“, so Schwäble.

Die Projektleitung für das Klimaschutzkonzept hat Professor Gotthold A. Balensiefen übernommen, Beauftragter für Ethik und Nachhaltige Entwicklung an der Hochschule Biberach.

Balensiefen lehrt Umweltrecht in der Fakultät Bauingenieurwesen und Projektmanagement; unterstützt wurde er bei dem Projekt von seinen Professorenkollegen Jörg Entreß und Roland Koenigsdorff aus den Studiengängen Energie-Ingenieurwesen sowie Gebäude- und Energiesysteme.

Die Herausforderung des Klimaschutzes hat die HBC im Zuge der Erstzertifizierung als EMAS-Hochschule bereits 2015 angenommen. EMAS steht als Abkürzung für „Eco-Management and Audit Scheme“ und zählt als Umweltmanagement-Zertifizierung der EU weltweit zu den bedeutendsten Umweltmanagementsystemen.

Damit gehört die HBC zu den nur sechs EMAS-zertifizierten Hochschulen des Landes. Mit dem integrierten Klimaschutzkonzept werden nun erstmals verschiedene Handlungsfelder genau analysiert und Maßnahmen aufgezeigt, die in den nächsten Jahren konkretisiert und umgesetzt werden.

Sanierung hat großes Potenzial

Sicherlich das größte Potenzial liegt im Bereich Gebäude und Energie. Dafür sei es wichtig, dass die übergeordnete Behörde mitziehe, so Balensiefen, denn die Hochschule sei Nutzer, aber nicht Eigentümer der Immobilien.

Tatsächlich unterstützt das zuständige Amt Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Ulm die Initiative der Hochschule Biberach. Dessen Amtsleiter Wilmuth Lindenthal sagt: „Als zuständiger Partner für den baulichen und liegenschaftlichen Aufgabenbereich sehen wir gerade im Gebäudebestand Optimierungspotenzial in der energetischen Sanierung der äußeren Hülle.“

Das gemeinsame, langfristige Ziel sei die Ertüchtigung und der wirtschaftliche Betrieb der Gebäude. „Ein Ziel, das wir nur gemeinsam erreichen können“, sagt Lindethal. Mit dem in der HBC vorhandenen Wissen sollen darüber hinaus innovative Energieversorgungskonzepte umgesetzt werden.

Bedeutsam ist zudem eine nachhaltige Mobilität der Hochschulangehörigen – ein Thema, das auch in anderen Projekten der Hochschule bearbeitet wird, etwa mit der Idee eines emissionsfreien Campus, die im Dezember 2019 durch das Land Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde.

Konkret stellt sich zum Beispiel die Frage, wie die Studierenden, aber auch andere Hochschulangehörige Tag für Tag an die Campus-Standorte Innenstadt und Aspach ohne mit fossilen Energieträgern betriebene Autos kommen.

Als ersten Baustein setzt die HBC auf eine eigene Elektro-Roller-Flotte, weitere Maßnahmen sollen in einem übergeordneten Mobilitätsmanagement, das Stadt und Region einbezieht, folgen.

Eine Besonderheit des integrierten Klimaschutzkonzepts der HBC liegt in der Berücksichtigung der Freiflächen und der Biodiversität. Auch wenn die Möglichkeiten der CO2-Einsparung durch Grünanlagen zunächst gering erscheinen, so habe man doch den großen Vorteil, dass „kein negativer Fußabdruck kompensiert werden muss“, erläutert der Landschaftsarchitekt Tim Kaysers (Planstatt Senner). Ganz im Gegenteil: „Grüne Freiflächen leisten einen direkten, positiven Beitrag“.

So würden beispielsweise durch Pflanzen Wasser, Luft und Boden gereinigt. Begrünungen würden ebenfalls bei der Klimaanpassung helfen, Fassaden und Dächer würden dadurch geschützt, gekühlt oder gedämmt, Bäume gäben kühlen Schatten und speicherten Regenwasser. „Da der Klimawandel bereits stattfindet, ist dies sehr wichtig“, so der Landschaftsarchitekt.

Noch wichtiger ist seiner Meinung nach aber, dass grüne Freiflächen einen Beitrag für mehr Biodiversität leisten. Denn sie bieten Nahrungsquellen und Wohnplätze für Tiere und stabilisieren die Umwelt. Aktuell gebe es an den Campus-Standorten zu viele versiegelte Bereiche – „für mehr Grün, für mehr Aufenthaltsqualität und für mehr Biodiversität besteht also ein großes Potenzial“, so der Landschaftsarchitekt.

Papierlose Hochschule

Nicht zuletzt müssen Abfälle konsequent so weit wie möglich vermieden, getrennt oder wiederverwertet werden können. Laut Balensiefen ist die HBC auf dem Weg zur papierlosen Hochschule vorangekommen. Die Vermeidung von Verpackungsabfällen und Einweggetränkebehältern wird ein weiterer Schwerpunkt sein.

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