So hilft ein Biberacher Pfarrer den Kindern in Nigeria

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Die Kinder aus Ugwaku haben auch Dank der Spenden aus Biberach eine Chance auf gute Bildung.
Die Kinder aus Ugwaku haben auch Dank der Spenden aus Biberach eine Chance auf gute Bildung. (Foto: privat)

Dank Pfarrer Paul Odoeme aus Biberach und der Kinderhilfe Ugwaku haben viele Kinder die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.

Denn das war in Ugwaku, einem kleinen Dorf in Nigeria, noch vor einigen Jahre keine Selbstverständlichkeit. Mittlerweile – und dank vieler Spenden auch aus Biberach – gibt es in Ugwaku eine Grundschule, eine weiterführende Schule, ein Schlafhaus, ein Sportzentrum und künftig soll es auch eine Berufsschule geben.

Das ist zumindest die Vision des katholischen Pfarrers Paul Odoeme aus Biberach.

Bei der SZ-Spendenaktion „Helfen bringt Freude“ ist der Verein, die Kinderhilfe Ugwaku, deshalb auch wieder dabei. Im Mittelpunkt steht erneut die Bekämpfung von Fluchtursachen.

iDe Menschen haben nur eine Chance in ihrer Heimat, wenn sie etwas für die Zukunft lernen. 

Pfarrer Paul Odoeme

Im vergangenen Jahr gingen 3000 Euro an das Hilfsprojekt in Afrika. „Über die vielen Spenden freuen wir uns sehr“, sagt Pfarrer Odoeme. „Damit können wir das Sportzentrum demnächst fertigstellen.“

Wenn Paul Odoeme über Ugwaku spricht, dann leuchten seine Augen. „Mein Ziel ist es, den Menschen dort eine Perspektive zu bieten“, sagt Odoeme. „Die Menschen haben nur eine Chance in ihrer Heimat, wenn sie etwas für die Zukunft lernen.“

Damit meint er die schulische Bildung, aber auch die Möglichkeit, etwas Handwerkliches zu erlernen. „Damit können wir Fluchtursachen bekämpfen, ich bin mir sicher“, so der Pfarrer.

Mehrmals pro Jahr vor Ort

Seit zwölf Jahren gibt es die Kinderhilfe Ugwaku. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern setzt sich Paul Odoeme für das Dorf Ugwaku ein. Mehrmals im Jahr ist er vor Ort, sieht sich den Fortschritt an und genießt es, in seiner Heimat Nigeria zu sein.

In diesem Jahr war erstmals ein junger Mann aus seiner Gemeinde Dreifaltigkeit in Ugwaku und hat vier Monate dort verbracht. Marian Baumgart hat seine Zeit in Nigeria genossen, trotz kleinem Kulturschock.

„Es war eine einzigartige Erfahrung für mich“, sagt der 24-jährige Biberacher. „Die Menschen waren so gastfreundlich, ich habe viele nette Bekanntschaften gemacht.“

Marian Baumgart hat vier Monate in Ugwaku mitgearbeitet.
Marian Baumgart hat vier Monate in Ugwaku mitgearbeitet. (Foto: privat)

An der weiterführenden Schule hat Marian Baumgart sogar ein bisschen Deutsch unterrichtet. „Für Ugwaku und die Region sind die kirchlichen Schulen ein Segen“, sagt der Biberacher. „An den staatlichen Schulen sei eine solche Ausstattung wie es sie dank der Spenden in Ugwaku gibt, nicht vorhanden.“

isher gab es nicht die Möglichkeit auf einem Basketballplatz zu spielen, das ist etwas Besonderes für sie. 

Marian Baumgart

Fernab des städtischen Trubels könnten sich die mehr als 300 Kinder dort aufs Lernen konzentrieren. „Es gibt dort sehr gute Schüler, aber auch viele lernschwache Kinder, denen die Motivation der anderen guttut“, sagt Marian Baumgart. Damit sich die Kinder nach dem Unterricht auch austoben können, wird aktuelle das Sportzentrum fertiggestellt.

Auch dort hat der Biberacher mitgeholfen. Es gibt einen Basketballplatz, ein Fußballfeld und eine Leichtathletikbahn. Was noch fehlt, ist eine Tribüne für die Zuschauer. „Die Kinder sind sehr sportmotiviert“, sagt Baumgart. „Bisher gab es nicht die Möglichkeit auf einem Basketballplatz zu spielen, das ist etwas Besonderes für sie.“

Kaum Elektrizität und Wasser

„Ich freue mich sehr, dass jemand aus meiner Biberacher Gemeinde vor Ort war“, sagt Pfarrer Odoeme. Im Seniorenkreis hatte Marian Baumgart bereits von seinem viermonatigen Aufenthalt in Ugwaku berichtet: „Er hat die Dinge mit ganz anderen Augen gesehen, das war für mich ganz spannend. Vieles, was für mich Selbstverständlich ist, war für ihn eine ganz neue Erfahrung.“

Es schlafen beispielsweise 50 Kinder zusammen in einem Raum, Elektrizität gibt es in Ugwaku auch nur zwischen 6 und 11 Uhr und fließendes Wasser ist absolute Mangelware: „Daran muss man sich auch erstmal gewöhnen“, sagt der junge Biberacher.

Spannend war das vor allem für ihn, weil er an der Uni Hohenheim den Studiengang „Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie“ gewählt hat: „Es gibt keine Photovoltaik-Anlagen, nur einen großen Dieselmotor, der für den Strom sorgt“, so der 24-Jährige.

„Themen wir Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Artenschutz sind dort noch nicht angekommen, deshalb müssen wir in Deutschland und auch in Biberach mit einem guten Beispiel für andere Länder vorangehen.“

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