So helfen Biberacher in abgelegenen Dörfern in Nepal

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Der Verein „Himalayan Project“ aus Biberach hat dank vielen Spenden in Nepal bisher insgesamt fünf Schulen und eine überwiegend funktionierende Wasserversorgung mit Wassertank errichtet. Noch vor einem Jahr hatte das Dorf Sisha Khani Lurpung kein Trinkwasser. Mit der Spende aus der SZ-Weihnachtsaktion sollen nun der beschädigte Wasserbehälter saniert und die Leitungen erneuert werden.

Kurz vor der Indischen Tiefebene auf rund 1500 Metern Höhe befindet sich das Dorf Sisha Khani Lurpung im Distrikt Kavre. Ein Dorf, das im Gegensatz zur modernen Hauptstadt Kathmandu, die nur 45 Kilometer entfernt liegt, unterentwickelt und durch eine rudimentäre Infrastruktur gekennzeichnet ist. Kein Wasser, kein Strom, keine Straßen: Das war der Stand, als Michael Höschele erstmals das Gebiet mit seinen Kollegen besuchte. „Außer wenigen kleinen Wasserquellen gab es nur das Wasser, das vom Himmel kam“, beschreibt Höschele die schwierigen Umstände.

Kindern Perspektive ermöglichen

Das Ehepaar Michael und Shanti Höschele aus Biberach engagiert sich seit Ende der 90er-Jahre für die Menschen in der nepalesischen Region Lurpung. 2005 haben sie das „Himalayan Project“ ins Leben gerufen, um die Kinder und Jugendlichen bei ihrer Bildung zu unterstützen. Ein marodes Gebäude, Fensterrahmen ohne Glas, abgenutzte Tische und Bänke, keine Sanitäranlagen: Bilder, die eher an eine verwahrloste als an eine aktiv besuchte Schule erinnern. Um den Kindern zwischen sicheren und warmen Wänden eine Perspektive zu ermöglichen, war das erste Projekt des Vereins der Bau einer weiterführenden Schule für die Klassen fünf bis sieben, zusätzlich zur bestehenden kleinen Grundschule. 2014 wurde die weiterführende Schule um weitere Klassen erweitert, sodass die Kinder jetzt bis zur zehnten Klasse zur Schule gehen können, ohne sich auf einen weiten Weg in die Stadt begeben zu müssen.

Angefangen mit der Sanierung dieser Schule, hat das Projekt bisher fünf Schulen gebaut oder erneuert. „Eigentlich ging es anfänglich um die Dorfschule, die die Kinder bis in die sechste Klasse besuchten“, so Höschele. Doch nach dem schlimmen Erdbeben von 2015 konnten sie dank der Spenden aus Biberach vier weitere Schulen bauen oder erneuern. Auch ein Lehrerhaus konnte mithilfe der „Ingenieure ohne Grenzen“ aus Nürnberg und Höscheles Verein errichtet werden. „Viele junge Lehrer wechselten innerhalb des Jahres, weil ihnen die Umstände im Dorf zu schlecht waren. Mit dem Lehrerhaus können wir sie überzeugen länger im Dorf zu leben und die Kinder zu unterrichten“, sagt der Vorsitzende des „Himalayan Project“.

Erneuerung des Wasserbehälters

Die SZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ unterstützt den Verein nun bei seinem Vorhaben, den beschädigten Wasserbehälter zu erneuern und wichtige Leitungen auszutauschen. „Die 14 Kilometer lange Leitung, die wir gelegt hatten, ist bereits beschädigt, hat Risse und Löcher, die Bewohner anderer Dörfer gestochen haben, um ihre Felder zu bewässern.“ Damit die rund 80 Familien in Sisha Khani Lurpung mindestens ein paar Stunden fließendes Wasser haben können, muss eine direkte Leitung in das Dorf gelegt werden. Dann könnten sie auch zeitweise die Felder bewässern. „In diesen Höhen gibt es keine ausreichenden Wasserquellen, das Regenwasser reicht keinesfalls für die Versorgung und die Bewässerung der Felder aus“, sagt Michael Höschele. Das nepalesische Volk, überwiegend Bergbauern, versorgen ihre Familien etwa zu 80 Prozent aus der landwirtschaftlichen Arbeit. Sie leben im Schatten des Tourismus in abgelegenen Dörfern. Dank der gegenseitigen Unterstützung der Dorfbewohner und der Spenden können sie viele Bauarbeiten erledigen, ohne größere Firmen anheuern zu müssen.

Und auch in Nepal selbst wird das Engagement des Biberacher Vereins gewürdigt. So erhielten Shanti und Michael Höschele in diesem Jahr von der nepalesischen Regierung eine Auszeichnung für ihr soziales Engagement.

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