So bewegend ist die Arbeit der Stiftung "Kinder in Not"

Lesedauer: 8 Min

Peter Grundler
Peter Grundler (Foto: Tanja Bosch)
Schwäbische Zeitung

Die Stiftung „Kinder in Not“ feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Seit zehn Jahren kümmert sich die Stiftung um die Belange von Kindern und Jugendlichen in der Region. Es geht darum, in schwierigen Situationen schnell und unkompliziert Hilfe leisten zu können. Was sich in den vergangenen zehn Jahren alles getan hat und wie die Zukunft aussieht? Redakteurin Tanja Bosch hat mit Peter Grundler, Gründungsmitglied und Geschäftsführer der Stiftung, gesprochen.

Herr Grundler, wenn Sie heute auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicken, was fühlen Sie?

Ich bin dankbar für alles, was wir erreicht haben. Die Stiftung ist sehr sinnvoll und hat sich immer weiterentwickelt. Wir haben eigene Projekte ins Leben gerufen, die gut angenommen werden, und wir haben viele Partner, die wir unterstützen und die uns unterstützen. Was unsere Stiftung ausmacht, ist das große Engagement, das dahintersteckt. Wir hatten keine große gestiftete Summe, als wir angefangen haben, das kam alles von den Menschen aus der Region.

Wie haben Sie das geschafft?

Wir haben unser Anliegen in die Fläche getragen, das hat funktioniert. Die Menschen haben diese Idee so unterstützt und weitergetragen. Und plötzlich feierte jemand Geburtstag und wollte statt Geschenke, dass die Stiftung unterstützt wird. Diese Solidarität ist wirklich einmalig und toll.

Warum dachten Sie vor zehn Jahren, dass diese Stiftung für die Region nötig ist?

Es gab damals drei Fälle, die Auslöser waren: Es gab einen schweren Verkehrsunfall auf der B 30, wo drei Kinder ums Leben gekommen sind. Wir haben die Angehörigen begleitet. Dann gab es eine Situation mit einer jungen Frau, die ein Frühchen zur Welt brachte, das in Ulm im Krankenhaus bleiben musste. Die Frau sollte dann täglich mit dem Zug nach Ulm fahren, um eine Verbindung zu ihrem Kind aufzubauen, mit Hartz IV ist die tägliche Hin- und Rückfahrt aber nicht bezahlbar. Und dann gab es eine schwangere Frau, die von ihrer Krebserkrankung erfuhr. Sie hatte die Wahl zwischen ihrem Kind und einer Chemotherapie. Sie entschied sich für das Kind und starb kurze Zeit nach der Geburt. In solchen Fällen gilt es schnell Hilfe zu leisten. Sei es mit materieller und finanzieller Unterstützung oder auch mit professioneller Begleitung. Pater Tönnis und ich sind eines Tages zusammengesessen und haben überlegt, wie man diesen Menschen in Not schnell und unbürokratisch helfen kann. Wir haben dann entschieden, die Stiftung zu gründen.

Was ist das Besondere an der Stiftung?

Wir bestehen aus einem Kuratorium und einem Beirat. In unserem Beirat sind Menschen mit den unterschiedlichsten Fachkompetenzen. Das ist unsere Stärke, und ich würde sagen, auch ein Alleinstellungsmerkmal. Die Stiftung lebt von den Menschen im Beirat. Sie können viele Hilfen in vielen verschiedenen Bereichen vermitteln. Wir sind zudem super vernetzt und greifen auf bestehende Strukturen zurück.

Wie finden die Betroffenen den Weg zu Ihnen?

Zu 90 Prozent wenden sich Hilfevermittler an uns, also Beratungsstellen, Schulen, Kindergärten. In den seltensten Fällen kommen die, die die Hilfe benötigen, selbst zu uns. Wir sind angewiesen auf die Menschen, die in ihren Institutionen mehr tun als nur ihre Arbeit. Das ist sehr bemerkenswert. Wir brauchen genau solche Menschen, die hinsehen und nicht wegschauen.

Haben Sie Zahlen, wie viele Kinder und Jugendliche die Hilfe der Stiftung in Anspruch genommen haben?

In den zehn Jahren waren es rund 880 Kinder und Jugendliche, die Hilfe in Anspruch genommen haben. Pro Jahr sind das rund 50 bis 60 Kinder und Jugendliche. Rund die Hälfte ist zwischen sieben und zwölf Jahre alt. Die häufigsten Gründe, warum Menschen Hilfe benötigen, sind wirtschaftliche Notlagen, auch wenn das unsere Politik manchmal nicht so wahrhaben will. Wir haben eine Schere, die weit auseinandergeht. Für manche Menschen ist es schwierig, wenn eine Notsituation eintritt, ihre Grundversorgung sicherzustellen. Das ist eine bedrohliche Lage, die ernstzunehmen ist. Und das passiert öfter, als manche vielleicht denken, vor allem bei Alleinerziehenden.

Wie sieht die Hilfe konkret aus?

Das ist ganz individuell. Die Hilfe kann materiell oder finanziell sein. Wir können helfen bei staatlichen Stellen anzuklopfen, aber wir ersetzen nicht deren Leistung. Oftmals können wir auch an andere Stellen weitervermitteln, wir stehen mit Rat und Tat zur Seite und lassen niemanden allein.

Wie viel Geld haben Sie zur Verfügung, um Menschen zu helfen?

Mittlerweile hat es sich so eingependelt, dass wir im Jahr rund 20 000 Euro an Spenden bekommen. Zur Hälfte fließt das Geld in unsere Projekte wie beispielsweise Geschwisterzeit und U25, die andere Hälfe geht in die Individualhilfen. Damit sind wir auch bisher immer gut hingekommen.

Was ist dieses Jahr noch geplant?

Im Rahmen der Aktion „Mach dich stark“ für benachteiligte Kinder ist unter anderem geplant, neben den bestehenden Projekten künftig auch verstärkt das Projekt „Kinderchancen“ in unserem Einzugsbereich voranzubringen. Dabei geht es darum, Kinder in ihren Talenten zu fördern. Jedes Kind hat ein Talent, sei es singen, musizieren oder Fußball spielen. Oft können diese Talente im eigenen Elternhaus nicht gefördert werden, da wollen wir dann unterstützen. Dafür brauchen wir aber eine gute Vernetzung und Menschen, die uns aufmerksam machen. Das Projekt in die Fläche zu tragen, ist unser nächstes Ziel.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen