Sie arbeiten, wenn andere feiern

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DRK-Geschäftsführer und Schützendirektor Michael Mutschler (Mitte) freut sich mit seinem Team auf ein sicheres Schützenfest 201
DRK-Geschäftsführer und Schützendirektor Michael Mutschler (Mitte) freut sich mit seinem Team auf ein sicheres Schützenfest 2018: (von links) Andreas Braungart (stv. Rettungsdienstleiter), Edgar Quade (Leiter Integrierte Leitstelle) sowie Claudia Steinhilber und Thomas Schilling von der DRK-Bereitschaft. (Foto: Thomas Warnack/DRK)
Schwäbische Zeitung

Zehn Tage lang feiern die Biberacher ihr Schützenfest – zehn Tage, die auch für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Ausnahmezustand bedeuten. Beim Fest arbeiten die ehrenamtlichen Helfer der DRK-Bereitschaft Biberach und der Rettungsdienst Hand in Hand, damit Festbesucher sich sicher fühlen und jederzeit Hilfe bekommen können.

Das DRK setzt beim Schützenfest erstmals seine neue mobile Sanitätswache ein. Sie wird auf dem Marktplatz beim Rathaus stehen. Die Wache ist ein mobiler Container mit medizinischer Ausstattung sowie EDV- und Kommunikationstechnik. Ähnlich wie in einem Rettungswagen haben die Helfer dort das in Reichweite, was sie für die Erstversorgung von Patienten benötigen. „Nach kleineren Testläufen soll die mobile Wache sich jetzt bei einer Großveranstaltung bewähren“, sagt Michael Mutschler, Geschäftsführer für den Bereich Rettungsdienst beim DRK-Kreisverband.

Ihre Dienstpläne fürs Schützenfest müssen die Rotkreuzler nicht jedes Jahr neu entwickeln, sondern bauen auf ihr über Jahrzehnte gesammeltes Wissen und Erfahrungen. „Natürlich optimieren wir jedes Jahr weiter“, sagt Thomas Schilling, der als Bereitschaftsleiter im DRK-Ortsverein Biberach alle Ehrenamtlichen koordiniert. „Wir sammeln immer direkt nach dem Fest die Anregungen unserer Leute und notieren uns Verbesserungspotenziale.“ Die vorbereitenden Sitzungen fürs nächste Fest starten im November.

90 Helfer im Einsatz

Mit rund 90 Helfern besetzt Schilling insgesamt 505 Positionen und Dienste. Auch das Schützentheater will abgedeckt sein. Innerhalb der zehn Tage kommen so um die 2200 Stunden ehrenamtliche Arbeit zusammen. Einige DRK-ler aus dem Landkreis unterstützen die Biberacher. „Wir brauchen zusätzliche Fachkräfte und wir müssen Ruhezeiten einhalten. Aber auch dieses Jahr haben wir wieder alle Dienste gut besetzt bekommen“, sagt Schilling. In den vergangenen Tagen haben die Ehrenamtlichen auf dem Gigelberg emsig geschafft. In der alten Stadtbierhalle wird während der Schützentage eine weitere Wache eingerichtet. Vor allem Kleinigkeiten sind es, die die Helfer dort beschäftigen, sagt Schilling auf: „Je nach Witterung Hitzeprobleme, Insektenstiche – und viele Blasen an den Füßen. Wer ein Pflästerle braucht, darf gern zu uns kommen.“

Immer wieder sind die Ehrenamtlichen bei größeren gesundheitlichen Problemen gefordert, aber auch bei Leichtsinn: Manche schlagen beim Boxautomaten zu fest zu und verletzen sich. „Das geht bis zur gebrochenen Hand“, so Schilling. Für ihn und seine Teams sind die Schützentage eine besondere Zeit: „Wir feiern zwar selbst weniger, aber wir haben Spaß, weil uns das Helfen Spaß macht.“ Deswegen bringt der Ortsverein auch seine Jugend mit: „Unser jüngster Helfer auf dem Gigelberg ist diesmal erst sieben Jahre alt. Helfen ist nämlich kinderleicht. Und es gibt nichts Schöneres, als wenn ein Kind ein Pflästerle braucht und es von einem anderen Kind kriegt.“ Bonbons für Kinder, die gerade ihre Eltern verloren haben, sind immer vorrätig und die DRK-Helfer bringen die Familien auch stets wieder zusammen. Sogar einen Wickeltisch hat das DRK auf dem Gigelberg und in der mobilen Sanitätswache im Angebot.

Vorbereitet ist man auch in der Integrierten Leitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehr im Rot-Kreuz-Weg. Dort laufen das ganze Jahr über die Notrufe ein – an Schützen noch ein paar mehr. Die Leitstelle arbeitet eng zusammen mit den Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr sowie dem städtischen Ordnungsamt.

Der Rettungsdienst des DRK bewältigt während der Schützentage das normale tägliche Einsatzaufkommen, also Verkehrsunfälle, Herzinfarkte oder Arbeitsunfälle, „plus Schützen on top“, sagt Edgar Quade, der die Leitstelle leitet. Dieses Jahr wird ergänzend ein zusätzlicher Krankentransportwagen vorgehalten. Er soll weniger dramatische Fälle transportieren, damit die Fahrzeuge des Rettungsdiensts ihre Kapazitäten für die „echten“ Notfälle frei haben und schneller da sein können.

Einsatzkonzepte weiterentwickelt

Bei größeren Einsatzlagen richtet sich in der Leitstelle auch der Einsatz- und Führungsstab des Landkreises ein. Übersichten und Lagepläne pflastern dort die Wände. Es gibt eigens eingerichtete Kommunikationskanäle, unter anderem über permanente Funkverbindungen sowie separate Telefonleitungen. Aktuelle Einsatzunterlagen und Alarmierungspläne liegen bereit – alles ist vorbereitet für einen Fall, der möglichst nicht eintreten soll. „Die Einsatzkonzepte fürs Schützenfest haben wir in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt“, sagt Michael Mutschler, der in der Schützendirektion gemeinsam mit Guido Mebold für die Sicherheit beim Biberacher Schützenfest verantwortlich ist. Grundlage hierfür sind unter anderem die Sicherheitskonzeptionen, die gemeinsam erstellt wurden von den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, dem Ordnungsamt der Stadt Biberach und der Schützendirektion.

Die Arbeit auf dem Fest sei in den vergangenen Jahren nicht leichter geworden, berichtet Mutschler. Er dankt schon jetzt den haupt- und ehrenamtlichen Kollegen sowie den Ärzten: „Mit ihrem Einsatz machen sie das Fest erst möglich.“

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