Sie überzeugen Touristen von der Schönheit Biberachs

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 Ingeborg Voss (links) hat gemeinsam Jörg Riedlbauer die Stadtführerinnen Brigitte Bruschke (Zweite von links) und Rosemarie Sch
Ingeborg Voss (links) hat gemeinsam Jörg Riedlbauer die Stadtführerinnen Brigitte Bruschke (Zweite von links) und Rosemarie Schwarz verabschiedet. (Foto: Simon Ruf)
Simon Ruf

Gespenster, Totenschädel und eine „Simulantenkirche“ – als Stadtführerin in Biberach erlebt man so einiges. Brigitte Bruschke und Rosemarie Schwarz haben 40 Jahre lang Fremde und Einheimische durch die Stadt geführt und dabei so manches erlebt. Nun wurden sie von Kulturdezernent Jörg Riedlbauer und Ingeborg Voss, der Leiterin des Stadtmarketings, im Foyer des Museums Biberach in den Ruhestand verabschiedet.

Angefangen hatte es vor vier Jahrzehnten ganz klein: „Wir hatten damals ein Seminar an der Volkshochschule mit zehn Teilnehmern“, erzählt Brigitte Bruschke. Am Ende waren es noch vier Frauen und zwei Männer, die das Auswahlverfahren bestanden. An diese Anfangszeit erinnerte auch Kulturdezernent Riedlbauer. „1979 begannen Sie mit sieben Samstagen im Jahr. Schon damals gelang es Ihnen, Geschichten hinter der Geschichte lebendig werden zu lassen“, lobte er die beiden. Schwarz und Bruschke hätten es verstanden, das alte Biberach vor den Augen der Besuchergruppen sichtbar werden zu lassen.

Themenführungen erarbeitet

Auch eine weitere Entwicklung hängt wesentlich mit den beiden Stadtführerinnen zusammen: die Ergänzung des Angebots um Themen- , Kostüm- und Schauspielführungen seit 2004. Während Brigitte Bruschke die Stadtführung „Biberacher Barock“ entwickelte, erarbeitete Rosemarie Schwarz viele Themenführungen, wie zum Beispiel „Starke Frauen“ oder „Wieland für Einsteiger“. Zudem bildeten beide 2014 eine neue Generation von Stadtführern aus. „Aus sieben Führungen mit einigen hundert Teilnehmern sind knapp 700 Führungen mit rund 12000 Teilnehmern im Jahr geworden. Dies ist auch Ihr Werk“, lobte Riedlbauer.

Auch Ingeborg Voss lobte die Arbeit der Stadtführerinnen: „Die Stadtführung ist unser Premiumprodukt.“ Brigitte Bruschke und Rosemarie Schwarz hätten es immer verstanden, Wissen mit Unterhaltung und Humor zu verbinden. Die Arbeit als Stadtführerinnen sei sehr arbeitsintensiv gewesen, erzählen beide. Man habe viel vorab recherchieren müssen und auch der Kontakt zu den geführten Gruppen sei aufwendig gewesen. Aber auch die Teilnehmer mit ihren unterschiedlichen Sprachen und Kulturen seien immer eine Herausforderung gewesen. „Wichtig war immer, die Leute so schnell wie möglich zum Lachen zu bringen.“ Besonders schwer sei es bei Jugendlichen die Aufmerksamkeit zu gewinnen, meint Rosemarie Schwarz.

Hierbei half auch schon mal der Zufall, meint sie und nennt ein Beispiel: Sie führte eine Gruppe Jugendlicher über den Kirchplatz, der ein ehemaliger Friedhof ist. Zum Zeitpunkt der Führung fanden dort Bauarbeiten statt. „Einer der Bauarbeiter fand beim Graben einen Schädel, den er hochhielt“, erinnert sich die Stadtführerin. Die Jugendlichen seien sehr erschrocken gewesen und danach habe sie die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gruppe sicher gehabt.

In 40 Jahren Tätigkeit haben die beiden Frauen viele unterhaltsame Dinge erlebt. Als Rosemarie Schwarz einer Gruppe von Drittklässlerinnen den Weißen Turm auf dem Gigelberg zeigte, glaubte eines der Mädchen, ein Gespenst gesehen zu haben. Laut kreischend seien daraufhin alle 38 Schülerinnen die Wendeltreppe hinuntergerannt.

Geschichte nähergebracht

Auch Brigitte Bruschke hat eine lustige Geschichte zu erzählen. „Ich habe einmal einer Schulklasse die Martinskirche gezeigt und ihnen erklärt, was eine Simultankirche ist“, erläutert sie. Einige Tage später habe sie einen Anruf der Klassenlehrerin erhalten. Die Kinder hätten einen Aufsatz über ihren Besuch in Biberach schreiben müssen. „Ein Schüler hat geschrieben, sie seien in Biberach ,in der Simulantenkirche’ gewesen“, erzählt sie und lacht.

Unzählige weitere Geschichten haben die beiden „großen Damen“ (Voss) auf Lager. Es wird klar, wie sie es über all die Jahre geschafft haben, den verschiedensten Menschen die Geschichte Biberachs mit einem Augenzwinkern näherzubringen. „Viele Teilnehmer sagen nach den Führungen: ,Ich hätte nie gedacht, dass Biberach so schön ist’“, sagt Brigitte Bruschke. Das sei das schönste Lob für ihre Arbeit, sind sich die beiden einig.

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