Schwäbische Zeitung

Da werden Kindheitserinnerungen wach: Vermutlich zigtausendmal hat der Autor in seinen jungen Jahren die Rotbrücke in Bronnen überquert, um vor allem zum Sportplatz oder zum Badevergnügen im Fluss zu gelangen. Jetzt gibt es die Brücke nicht mehr: Das mehr als 100 Jahre alte Bauwerk ist mittlerweile abgerissen und wird durch eine neue, zugegeben zeitgemäßere Flussüberquerung ersetzt.

„Die Brücke wurde mit ihrem stolzen Alter, der Belastungsbeschränkung von 30 Tonnen und einer Fahrbahnbreite von nur 4,20 Metern den heutigen verkehrlichen Anforderungen nicht mehr gerecht“, teilt Tanja Weber, Leiterin des Straßenamts im Landkreis Biberach, mit. Ein Begegnungsverkehr war nicht möglich, außerdem war wegen der scharfen Kurve, in der die Kreisstraße 7519 auf die Brücke geleitet wurde, die Sicht stark eingeschränkt und die Verkehrssituation somit sehr gefährlich. Es gab keinen Radweg, und auch der schmale Gehsteig war nicht mehr als eine Notlösung. Ein Wunder fast, dass es in all den Jahren mit zunehmendem Verkehrsaufkommen keine schwereren Unfälle gegeben hat.

Sanierung nicht wirtschaftlich

Darüber hinaus hat natürlich auch der Zahn der Zeit an dem Bauwerk genagt. „Bei der Brückenhauptprüfung wurden Risse im Trägerbalken der Tragkonstruktion sowie eine schadhafte Brückenabdichtung festgestellt“, erklärt Tanja Weber. Weil eine Sanierung auch langfristig nicht wirtschaftlich gewesen wäre, habe sich der Landkreis für einen Neubau entschieden, der viele deutliche Verbesserungen mit sich bringe.

Da ist zum Einen die neue Fahrbahnbreite von 6,50 Metern, die es locker erlaubt, dass der Verkehr wieder in beide Richtungen gleichzeitig fließen kann. Auch die Kurve wird leicht entschärft, allerdings nur in dem Maße, dass „ihre geschwindigkeitsdämpfende Wirkung erhalten bleibt“, stellt Tanja Weber klar. Man möchte schließlich keine gefährliche Rennstrecke schaffen. Zusätzlich wird auf der südlichen Fahrbahnseite ein kombinierter Geh- und Radweg angelegt, sodass Fußgänger und Radler künftig sicher über die Brücke gelangen.

Auch dem Hochwasserschutz wird Rechnung getragen: Weil die neue, rund 30 Meter lange Brücke als Rahmenbauwerk in Stahlbetonweise ausgeführt wird, kann auf den Mittelpfeiler in der Rot nun verzichtet werden. Dadurch kann bei Hochwasser kein Treibgut mehr hängen bleiben und durch den vergrößerten Querschnitt das Wasser ohnehin besser abfließen, erklärt Bauleiter Michael Benkendorf.

Nachdem die Firma Schmid aus Marktoberdorf bereits Anfang Februar die vorbereitenden Arbeiten, wie etwa Leitungsverlegungen, gestartet hatte, begannen Mitte März die eigentlichen Baumaßnahmen. Von der alten Brücke ist längst nichts mehr zu sehen. Mittlerweile sind die insgesamt acht, jeweils 90 Zentimeter starken Großbohrpfähle, auf die die neue Brücke gegründet wird, elf Meter tief im Boden versenkt. Derzeit werden die Widerlager, auf die voraussichtlich Mitte Mai die vier riesigen Fertigtragteile montiert werden, hergestellt.

„Wir sind gut im Zeitplan“, sagt Michael Benkendorf. Wenn das Wetter mitspielt, könnte die neue Brücke Mitte August fertig gestellt werden. „Wir nutzen die Vollsperrung der Kreisstraße 7519, um gleichzeitig deren Belag von der Brücke bis zur Landesstraße zwischen Burgrieden und Achstetten zu erneuern“, ergänzt Tanja Weber. Für die Verkehrsteilnehmer ist die etwa sechsmonatige Umleitung über Achstetten nicht schön. Auch Fußgänger, die etwa zum Sportplatz wollen, haben keine Möglichkeit, in Bronnen über den Fluss zu kommen. „Aber es gab bislang kaum Klagen“, sagt Michael Benkendorf. „Wir sind sehr zufrieden mit der Akzeptanz in der Bevölkerung.“

670 000 Euro Kosten

Die Gesamtkosten des Brückenbaus belaufen sich nach Auskunft des Straßenamts auf rund 670 000 Euro. Hinzu kommen etwa 50 000 Euro für den neuen Fahrbahnbelag. „Für die Brücke erhalten wir einen Landeszuschuss in Höhe von 270 000 Euro“, sagt Tanja Weber. Die Voraussetzungen für die Förderungen seien erfüllt, weil der Neubau eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse bringe und das Verkehrsaufkommen auf der K 7519 überdurchschnittlich hoch sei. Letzteres habe eine vom Landkreis vorgenommene Verkehrszählung ergeben.

Vor 50 Jahren hätte es nur wenige Autos zu zählen gegeben. Dafür etliche Traktoren, Radfahrer, Spaziergänger – und Kinder auf dem Weg zum Sportplatz oder Badespaß in der Rot.

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