Segelflieger umwerben potenziellen Nachwuchs

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Einmal Probesitzen im Segelflugzeug: Fluglehrer Philipp Kramer erklärt Mia Eble die Faszination des Luftsports.
Einmal Probesitzen im Segelflugzeug: Fluglehrer Philipp Kramer erklärt Mia Eble die Faszination des Luftsports. (Foto: SZ- Daniel Häfele)

„Probier’s doch mal“ – mit diesem Slogan haben die Mitglieder des Segelflug Luftsportvereins Biberach potenzielle Nachwuchspiloten auf den Marktplatz gelockt. Dafür brachten sie ihr neuestes Modell mit: das doppelsitzige Segelflugzeug vom Typ Duo Discus XI. Um den 410 Kilogramm schweren Flieger tummelte sich am Freitag aber nicht nur die jüngere Generation, auch bei den Älteren kam die Aktion gut an.

Fluglehrer Philipp Kramer sitzt sich auf den vorderen Bereich des Segelflugzeugs. Das Höhenleitwerk hinten hebt sich, der vordere Bereich senkt sich. Die elfjährige Mia Eble aus Biberach kann so bequem ins Cockpit klettern. Beim Segelflug Luftsportverein Biberach wollen die Mitglieder dem Nachwuchs den Einstieg so einfach wie möglich machen. Das zeigt sich nicht nur auf dem Marktplatz, sondern auch im neuen Ausbildungskonzept des Vereins.

Mindestalter ist 14 Jahre

Wer sich noch nicht sicher ist, ob die Leidenschaft Segelfliegen in ihm steckt, der kann künftig ein Schnupperzertifikat machen. „Das beinhaltet zehn Starts mit unseren Fluglehrern“, erklärt Vereinsvorsitzender Hanspeter Schmid. 14 Jahre alt müssen interessierte Jugendliche mindestens dafür sein.

Bei dem Schnupperzertifikat bekommen die Jugendlichen unter anderem einen Einblick darin, wie man sich auf dem Flugplatz richtig verhält, das Segelflugzeug startklar macht und die Geschwindigkeit in der Luft hält. „Die Geschwindigkeit halten – das hört sich einfacher an als es tatsächlich ist“, sagt Fluglehrer Philipp Kramer. „Dafür braucht man viel Gefühl in den Händen.“ Allein fliegen dürfen Schupperzertifikat-Teilnehmer natürlich nicht, im hinteren Sitz nimmt immer ein Fluglehrer Platz. Der Nachwuchs sitzt im vorderen Bereich an der Winde. „Bei den ersten Starts müssen Interessierte erst einmal mit den vielen Eindrücken klar kommen“, erklärt Kramer. Er ist bereits seit dem Jahr 1976 im Verein aktiv – und hält diesem weiterhin die Treue, auch wenn er inzwischen in Tettnang lebt.

Dass der Verein mit dem Schnupperzertifikat die junge Generation umwirbt, hat laut dem Fluglehrer folgenden Grund: „Sie brauchen eine Vorstellung davon, was es heißt, bei einem Luftsportverein tätig zu sein.“ Fliegen sei das eine, Helfen bei der Organisation des Flugbetriebs das andere. Des Weiteren kämpft der Verein – wie viele andere auch – gegen Smartphone und andere digitale Freizeitbeschäftigungen der heutigen Jugend an. „Sich draußen in der Natur bewegen – das ist bei den jungen Menschen nicht mehr so angesagt wie früher“, sagt Schmid.

Dabei ist „das Segelfliegen ein cooles Hobby“, wie der 20-jährige Sebastian Griener erzählt. Vor allem bei seinen Freunden mache er damit ziemlich Eindruck. Das Fliegergen wurde ihm quasi in die Wiege gelegt, sein Vater war schon dieser Leidenschaft verfallen. Griener machte beim Luftsportverein Biberach sein Luftfahrschein. Doch nur der Aussicht wegen in die Höhe steigen – das ist dem 20-Jährigen zu wenig. Erst kürzlich ging er bei den deutschen Junioren Meisterschaften an den Start. Bei dem Wettbewerb ging es darum, eine vorgegebenen Strecke möglichst schnell abzufliegen. „Das macht schon Spaß, sich mit 75 anderen Segelfliegern zu messen.“

Nur wenige Frauen im Verein

Ob die elfjährige Mia Eble einen ähnlichen Weg wie Sebastain Griener einschlagen wird? Das erste Mal an der Winde sitzen, hat ihr zumindest gefallen: „Das ist cool. Ich könnte mir das vorstellen.“ Sollte die junge Biberacherin tatsächlich eines Tages beim Luftsportverein Biberach Mitglied werden, könnte sie auch dazu beitragen, dass die Quote der Frauen steigt. Denn auf dem Marktplatz sind ausschließlich männliche Vereinsmitglieder, was ein durchaus realistisches Vereinsbild vermittelt. Philipp Kramer sagt: „Frauen sind bei uns in der deutlichen Unterzahl. Segelfliegen ist eine Männerdomäne.“

Wer den Aktionstag auf dem Biberacher Marktplatz verpasst hat, hat am 11. September noch einmal die Gelegenheit, den Verein und seine Mitglieder näher kennen zu lernen. Dann findet das Flugplatzfest statt. Weitere Informationen zum Verein gibt es unter www.segelflug-bc.de.

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