Segelflieger fürchten um ihre Existenz

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Sind stolz auf ihren Flugplatz Thomas Eiskant (links) und Vorstand Harald Maier
Sind stolz auf ihren Flugplatz Thomas Eiskant (links) und Vorstand Harald Maier (Foto: Jasmin Amend)
Jasmin Amend

Die Abteilung Segelflug des Luftsportvereins Biberach sorgt sich um explodierende Kosten. Grund ist der enger werdende Platz im Gewerbegebiet „Flugplatz“.

Wenn in zwei bis drei Jahren ein weiteres großes Unternehmen am Flugplatz baut, kann der normale Flugbetrieb zwar weiterlaufen, der Abstand für sogenannte Seilwindenstarts wird aber zu klein. Diese Startmethode ist mit Abstand die günstigste. Die Kosten für Segelflieger werden also drastisch steigen. Vorsitzender Hans-Peter Schmid und Schriftführer Thomas Eiskant befürchten, dass sich junge Biberacher den Sport dann nicht mehr leisten können.

Jahresbeitrag steigt um Vielfaches

200 Meter Abstand zur bebauten Fläche, das schreibt das Regierungspräsidium für Seilwindenstarts vor. Bei dieser Startvariante wird das Segelflugzeug von einem Lkw mit einem Seil gezogen, damit es an Fahrt gewinnt und abheben kann. Würde das Seil reißen, könnte es Menschen verletzen oder etwa Fahrzeuge beschädigen. Eine Alternative wäre der sogenannte Flugzeugschlepp, auch F-Start genannt. Dabei schleppt ein Motorflugzeug das Segelflugzeug nach oben und koppelt es in der Luft ab. Diese Methode kostet beinahe das Sechsfache. Damit würde der Jahresbeitrag der Mitglieder steigen.

Eiskant rechnet das am Beispiel eines Flugschülers zum Schülertarif vor: Für 60 Starts im Jahr zu je fünf Euro zahlt der Schüler 300 Euro. Ein Start mit F-Schlepp hingegen kostet laut Eiskant 28 Euro, macht Kosten von 1680 Euro im Jahr alleine für die Starts. Hinzu kommt ein Jahresbeitrag von 260 Euro. „Ein Jugendlicher kann sich das kaum leisten“, sagt Eiskant.

Er und Schmid machen sich deshalb große Sorgen um den Nachwuchs: „Unsere Vereinssparte ist damit vom Aussterben bedroht.“ Von den etwa 40 aktiven Mitgliedern seien derzeit 16 Jugendliche und sechs Flugschüler.

Bisher hat die Stadt dem Verein im Pachtvertrag zugesichert, dass der Mindestabstand eingehalten werden kann. Der Pachtvertrag läuft aber nächstes Jahr aus. „Dann werden die Karten neu gemischt“, sagt Eiskant. Wann der Flugbetrieb der Segelflieger eingeschränkt wird, steht noch nicht fest. „Wir werden den zweiten Abschnitt des Gewerbegebiets jetzt planerisch angehen“, sagt Siegfried Brugger, Leiter des Bauverwaltungsamts Biberach. Der Aufstellungsbeschluss solle noch in diesem Jahr gefasst werden.

Eiskant und Schmid können die Entscheidung nachvollziehen: „Die Stadt verdient an den Unternehmen so viel Geld, dass sie kaum auf uns Rücksicht nehmen kann“, sagen die Beiden. Die Stadt hat jedoch angekündigt, die Segelsportler für ihre Mehrkosten zu entschädigen. Wie hoch die Zahlung ausfallen wird, ist jedoch offen. Brugger sieht zunächst den Verein in der Pflicht: „Sie müssen sich jetzt Gedanken machen, wie sie sich die Unterstützung der Stadt konkret vorstellen“, sagt Brugger.

Eiskant und Schmid wünschen sich dennoch, dass sie den Windenstart doch noch irgendwie erhalten können. Deshalb hoffen sie auf einen eingeschränkten Seilwinde-Betrieb, „zum Beispiel bei einer bestimmten Windrichtung oder nur unter der Woche, wenn es wenig Verkehr gibt“, sagt Schmid: „Wir überlegen, ob wir über ein Gutachten etwas erreichen können.“

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