Sechs Vorbilder für ehrenamtliches Wirken

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Die Geehrten beim Biberacher Bürgertag 2018 mit Oberbürgermeister Norbert Zeidler (r.): Franz Schlegel (v. l.), Waldemar Huck, K
Die Geehrten beim Biberacher Bürgertag 2018 mit Oberbürgermeister Norbert Zeidler (r.): Franz Schlegel (v. l.), Waldemar Huck, Karl-Jürgen Strotmann, Herbert Schilling, Gustav Eisinger und Barbara von Römer. (Foto: Gerd Mägerle)
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Unter großen Beifall sind beim Biberacher Bürgertag am Montag in der Stadthalle sechs Menschen aus Biberach für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden. Aus den Händen von Oberbürgermeister Norbert Zeidler erhielt Herbert Schilling die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg. Die Bürgerurkunde der Stadt Biberach wurde an Gustav Eisinger, Waldemar Huck, Barbara von Römer, Franz Schlegel sowie an Karl-Jürgen Strotmann verliehen.

Herbert Schilling (Landesehrennadel): „Schilling – dieser Name steht in Biberach quasi gleichbedeutend mit dem DRK“, sagte Zeidler in seiner Laudatio. Seit 1973 ist Herbert Schilling aktives Mitglied des DRK-Kreisverbands und des Ortsvereins Biberach. Von 1977 bis 2005 war er Bereitschaftsleiter, von 1995 bis 2018 stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender. In dieser Zeit war Schilling nicht nur Erste-Hilfe-Ausbilder für viele Menschen, sondern auch Helfer bei Blutspendeaktionen und Förderer der DRK-Jugendarbeit. Darüber hinaus hat er unzählige kleine und große DRK-Einsätze koordiniert – vom Flugzeugabsturz in Birkendorf 1983 bis zum Hochwasser 2016. Mit seinem Engagement für das DRK hat er im Lauf der Jahre seine gesamte Familie angesteckt. „Ich glaube, in Ihrem Fall darf man mit Recht sagen, dass neben dem unglaublichen Einsatz von Herrn Schilling heute auch ein Familienprojekt mit der Landesehrennadel gewürdigt wird“, so Zeidler.

Gustav Eisinger (Bürgerurkunde): Er ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Vorsitzender der 1966 gegründeten Werbegemeinschaft Biberach und engagiere sich dort in besonderem Maße für den Erhalt einer attraktiven Innenstadt, lobte Zeidler. In Eisingers Amtszeit habe sich die Mitgliederzahl der Werbegemeinschaft auf rund 120 Einzelhändler verdoppelt. Mit ihm seien immer wieder neue publikumswirksame Aktionen geschaffen worden. Zeidler nannte als Beispiele die langen Einkaufsnächte, den Biberacher Musikfrühling und auch den Christkindles-Markt. Darüber hinaus engagiert sich Eisinger auch im sozialen Bereich, zum Beispiel bei der Aktion „5000 Brote“ der Evangelischen Landeskirche. Auch die Ausbildung junger Menschen liege Eisinger am Herzen, sagte Zeidler. In jungen Jahren habe er zusammen mit Gleichgesinnten außerdem ein altes Haus am Weberberg in Eigenleistung saniert. „Zum damaligen Zeitpunkt war dies eine Pioniertat“, so Zeidler.

Waldemar Huck (Bürgerurkunde): Er wurde 1947 in den Nachkriegswirren in Sibirien geboren und zog mit seinen Eltern weiter nach Kasachstan. Obwohl er es dort bis zum Direktor einer Technischen Berufsschule in Bolshaya Bukon brachte, folgte er 1998 mit der Familie seinen Eltern und seinem Bruder nach Deutschland. Hier war er Jugendberufslehrer an der Karl-Arnold Schule und kümmerte sich um junge Aussiedler in den Berufsvorbereitungsklassen. „In seinem privaten Umfeld und d bei seiner Arbeit mit ausländischen Kindern erlebte er immer wieder, dass man auch bei uns an Mauern und Vorbehalte abbauen musste“, so Zeidler. „Vielleicht hat er aus diesem Grund Integration zu seinem Thema gemacht.“ Bereits 1998 trat er in die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland ein und ist seit neun Jahren deren Vorsitzender „und für die Integrationsarbeit in Biberach ein wichtiger Brückenpfeiler“, so Zeidler. Die Förderung sportlicher Angebote, zu Beispiel des russischen Feldspiels Gorodki, aber auch des Frauenchors der Landsmannschaft liegen ihm sehr am Herzen. Überdies ist Waldemar Huck auch in der Tischtennisabteilung der TG Biberach als Übungsleiter aktiv.

Barbara von Römer (Bürgerurkunde): Von 1996 bis 2017 war Barbara von Römer ehrenamtliche Vorsitzende der Familien-Bildungsstätte Biberach der evangelischen Kirche. „Sie hat sich stets dafür eingesetzt, dass die Familienbildungsstätte in evangelischer Trägerschaft für alle Menschen, unabhängig von deren Religion offen ist“, würdigte Zeidler. Das von ihr mit aufgebaute Generationen übergreifende und ganzheitliche Angebot wurde sogar zertifiziert. „Die Familien-Bildungsstätte ist ein Vorzeigebeispiel für vorbildhafte Kooperation zwischen Haupt- und Ehrenamt“, so Zeidler. Dazu zählen auch die Trägerschaft für das Projekt „Wellcome“ für ehrenamtliche Unterstützung von Familien nach der Geburt sowie die Sprachförderung „Kinder aus aller Welt“. Außerdem ist Barbara von Römer Gründungsmitglied von Zonta Oberschwaben, eines Serviceclubs für Frauen.

Franz Schlegel (Bürgerurkunde): Der studierte Musiklehrer beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Wirken des Biberacher Komponisten Justin Heinrich Knecht. „Mit seiner Arbeit hat er dafür gesorgt, Knecht zu einer Zeit, als er in Biberach als bedeutsame Persönlichkeit der Kulturgeschichte kaum mehr bekannt war, wieder ins Bewusstsein zu rücken“, lobte Zeidler. Davon zeugen unter anderem ein dreibändiges Werkverzeichnis, eine Biografie sowie unzählige weitere Veröffentlichungen über Knecht. Auch das erste Knecht-Symposium hat Franz Schlegel 2016 initiiert und organisiert. Biberach habe durch Schlegel gelernt, dass Knecht deutlich mehr als „Rund um mich her“ ist, so Zeidler. Neben seinem Engagement für Knecht ist Franz Schlegel seit 1965 als Posaunist in der Stadtkapelle aktiv, außerdem Posaunenlehrer an der Bruno-Frey-Musikschule sowie Lektor in der katholischen Kirchengemeinde St. Martin.

Karl-Jürgen Strotmann (Bürgerurkunde): Geboren in Dortmund, lebt Karl-Jürgen Strotmann seit 1972 in Rißegg. Seit seiner Jugend ziehen ihn das Wandern, die Natur und der Naturschutz in ihren Bann. Als zertifizierter Natur- und Landschaftsführer war er mehr als zehn Jahre lang Tourenwart beim Deutschen Alpenverein. Seit 2005 ist er im Schwäbischen Albverein Biberach, von 2009 bis 2017 war er dessen Vorsitzender. Dort hat er Wanderwochen, mehr als 100 sogenannte Treffpunkt-Bahnhof-Wanderungen und diverse Senioren-, Halbtagses- und Tageswanderungen organisiert und geleitet. Hinzu kommt die Pflege von rund 180 Kilometern Wanderwege im Jahr. „Ich danke Ihnen herzlich für Ihr intensives Engagement für unsere Natur und unsere Heimat“, sagte Zeidler zu Strotmann.

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