Schnörkellos den Marktplatz gerockt

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Der Sänger und Gitarrist Francis Rossi zeigte sich beim Konzert von Status Quo auf dem Biberacher Marktplatz spielfreudig und su
Der Sänger und Gitarrist Francis Rossi zeigte sich beim Konzert von Status Quo auf dem Biberacher Marktplatz spielfreudig und suchte gestenreich den Kontakt zum Publikum. (Foto: sz-: georg kliebhan)
Schwäbische Zeitung

Musikalisch hat das Biberacher Marktplatz-Open-Air gehalten, was die Namen Status Quo und Spider Murphy Gang versprechen. So schmälerte der Regen die Stimmung der mehr als 3000 Freunde des Rock ’n’ Roll nur ein bisschen.

Die Beschwörung eines imaginären Wettergotts durch Günther Sigl half nichts: „No rain, no rain“, flehte der Frontmann der Spider Murphy Gang. Die Bayern absolvierten ihren einstündigen Auftritt noch im Trockenen, aber während die Bühne für Status Quo hergerichtet wurde, setzte anhaltender Regen ein. Niederschläge haben zuletzt Schlimmeres angerichtet als durchnässte Schuhe und Hosen. Aber unter Regencapes lässt sich eben nicht so gut tanzen und mitklatschen. Schade, zählte dieses von der „Schwäbischen Zeitung“ und Donau 3FM veranstaltete Konzert doch zu den letzten von Status Quo, zumindest mit elektronischen Verstärkern und wenn die Band diesmal ihre Abschiedsankündigung wahrmacht. Frontmann Francis Rossi witzelte noch, sie seien ja Briten und hätten das Wetter mitgebracht. Mancher Oberschwabe verließ den Marktplatz aber vor dem Ende.

Mit ordentlich Schmackes

Wer aushielt, erlebte eine grundsolide Show. Das ist kein lauwarmes Lob, denn genau dafür sind die Urgesteine seit mehr als einem halbem Jahrhundert so populär: schnörkellosen Rock ’n’ Roll ohne allzu viel Schnickschnack. Mit „Caroline“ und ordentlich Schmackes ging’s los. Das Fehlen des Rhythmusgitarristen Rick Parfitt fiel auf, was seine Ausstrahlung angeht. Musikalisch war Freddie Edwards, der Sohn des Bassisten, aber ein würdiger Vertreter: Er griff für die Quo-typischen Riffs kräftig in die Saiten seiner E-Gitarre.

Die Briten präsentierten sich den Fans mal links, mal rechts, jeder mal vorne auf der Bühne, mal im Hintergrund. Francis Rossi, agierte gestenreich, ließ den Finger kreisen beim Coversong „The Wanderer“ mit der Liedzeile „I roam ’round and ’round and ’round and ’round“. Die anderen blieben nicht im Schatten: der Bassist John Edwards mit starker Bühnenpräsenz und vielen Gesangsparts, Andrew Brown sehr vielseitig an Keyboards, Gitarre, Mundharmonika. Der Schlagzeuger Leon Cave saß bei „The Oriental“ buchstäblich im Scheinwerferlicht und bekam für sein Solo bei „In the Army Now“ Szenenapplaus. Bei diesem wohl größten Hit der Gruppe sang das Publikum lauthals mit.

In die knapp mehr als anderthalb Stunden packte die Band, was die Besucher eines Quo-Konzerts erwarten: außer den Klassikern „What You’re Proposin’“, „Whatever You Want“ und „Rockin’ All Over the World“ viele weitere Hits von „Hold You Back“ bis „Roll Over Lay Down“, teils nahtlos aneinandergereiht oder in Medleys zusammengemixt. Als Rossi vor „Gerdundula“ doch mal die dazugehörige Geschichte von Gerd und Ulla aus Bielefeld erzählte, schrie einer aus Publikum: „Basst scho, fang a.“

Das ist bei der Spider Murphy Gang etwas anders, bei den Bayern gehören kesse Ansagen dazu, der augenzwinkernde Auftritt spricht schon aus vielen ihrer Texte. Günther Sigl (69) und Barny Murphy (61) kokettierten mit ihrem Alter, zeigten Hüftschwung und Tänze auf einem Bein, „aber das geht nur einmal am Abend“. Aber wie singen sie so schön: „I ziag’s net aus, die Rock ’n’ Roll Schuah“. Sigl beharrte: „Noch lange nicht.“ Der Sänger zog auch mal das Publikum auf, wollte noch mehr Stimmung herauskitzeln: „Da drüben hab i einen g’sehn, der is’ fast ausg’pflippt – Biberacher Ekstase.“

Zuhörer tanzen mit

Dabei war das Publikum genauso gut gelaunt wie die Band, schließlich waren die etwas gesetzteren Jahrgänge in der Überzahl. Aber gleich bei den ersten Takten des Eröffnungsstücks „Mir san a bayrische Band“ wippten alle mit. Und der Aufforderung, bei „Ich grüße alle und den Rest der Welt“ den Twist zu tanzen, kamen viele gerne nach.

Keine Frage auch, dass schon bei den ersten Klängen des Keyboard-Intros von „Schickeria“ Jubel aufbrandete und aus voller Kehle mitgesungen wurde. Diesen Hit dehnte die Gruppe mit ausführlichen Instrumentalsoli auf zehn Minuten aus. Beim „Skandal im Sperrbezirk“ erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Bei schnell gewährten Zugabe gab’s noch „Herzklopfen“, mit „So a schöner Tag“ endete der Auftritt der Spider Murphy Gang. Das war es tatsächlich, dem Regen im zweiten Teil zum Trotz.

Weitere Bilder gibt’s auf Seite 19 und im Internet unter www.schwaebische.de/dddd

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