Schlossherr wider Willen

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Redaktionsleiter

Eigentlich wollte er nur in einen landwirtschaftlichen Betrieb einsteigen – inzwischen hat Dr. Gottfried Schäfer aus Biberach in mehr als vier Jahrzehnten das barocke Schloss Bimbach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken) saniert. Dafür hat der frühere Leiter des Biberacher Tierzuchtamts jetzt in München die bayerische Denkmalschutzmedaille aus den Händen der bayerischen Kunstministerin Marion Kiechle erhalten.

„Das Schloss habe ich eigentlich gar nicht gewollt, mir ging es nur um die Landwirtschaft“, sagt der heute 83-jährige Schäfer. Er selbst stammt aus einer Landwirtsfamilie, der Großvater verwaltete einen Hof bei Ingolstadt. Als dieser Anfang der 70er-Jahre starb und der Hof verkauft wurde, suchte Schäfer seinerseits mehrere Jahre nach einem landwirtschaftlichen Anwesen. Fündig wurde er 1976 in Bimbach bei Kitzingen. Das Schloss, damals in einem eher desolaten Zustand, betrachtete er lediglich als eine Art Beigabe. „Wir hatten eigentlich vor, dort ein neues Haus mit Blick auf den See zu bauen“, so Schäfer.

„Wie eine Laufmasche“

Die Notwendigkeit, das Schloss zu sanieren, wurde Schäfer und seiner Frau bewusst, als sie bei einem Besuch in Bimbach mal nicht in einer Pension, sondern auf einem notdürftigen Nachtlager im Schloss übernachteten. „Da stellten wir fest, dass es durchs Dach regnet“, erzählt Schäfer. In dem Gedanken, einfach ein paar Dachplatten neu zu stecken, kletterte er aufs Dach und stellte fest, dass dort mehr als nur eine Platte schief saß. „Das war wie die Laufmasche in einer Strumpfhose. Es wurde immer mehr.“

Es war der Auftakt einer Sanierungsgeschichte, in die das Ehepaar Schäfer und seine drei Kinder jede Menge Zeit und Geld steckten. Wann immer es der Hauptjob als Amtsleiter zuließ, fuhren die Schäfers in den Ferien nach Unterfranken und werkelten an ihrem Schloss – teils in Eigenleistung wie bei den 70 Fenstern und alten Türen, die die Familie selbst aufarbeitete, teils mit professioneller Unterstützung von Handwerkern.

Denkmalamt unterstützt

Mitte der 80er-Jahre wurde auch das bayerische Denkmalamt auf die Sanierungsarbeiten der oberschwäbischen Familie aufmerksam und bot seine Unterstützung an. „Die sind uns sehr entgegengekommen, wir haben auch Zuschüsse erhalten“, so Schäfer. Bei den Arbeiten kamen unter anderem handbemalte Tapeten aus dem 17. Jahrhundert zum Vorschein. Auch vieles andere ist im Original erhalten geblieben – wohl auch, weil es der Schlossherrschaft in den vergangenen Jahrhunderten am Geld fehlte, zu modernisieren.

Auch Gottfried Schäfer geht es nicht darum, das Schloss zu verändern. „Wir wollen das erhalten, was da ist“, sagt er. Allein diese Arbeit ist mehr als eine Lebensaufgabe für die ganze Familie – inzwischen koordiniert Tochter Ute, ehemals Redakteurin bei der „Schwäbischen Zeitung Biberach“ die Sanierungsarbeiten. Momentan ist die Schlosskapelle dran.

Weinkeller reaktiviert

Aber auch die Landwirtschaft – Gottfried Schäfers eigentliches Ziel in Bimbach – ist in all den Jahren nicht aus dem Blickfeld geraten. Zusammen mit einem Pächter hat er eine Betriebsgemeinschaft gegründet, die sich vorwiegend dem Getreideanbau widmet. Inzwischen betreibt er auch ein bisschen Weinbau und hat so auch die alten Weinkeller des Schlosses wieder zum Leben erweckt.

Etwa die Hälfte des Schlosses wird inzwischen von seinem Pächter genutzt, die andere bewohnt Familie Schäfer, wenn sie Zeit in Bimbach verbringt. Auch für kulturelle Veranstaltungen und Tagungen öffnen die Schäfers das Schloss, Taufen und Hochzeiten finden dort statt. Mehrere Tausend Gäste haben es seit 1987 besucht, berichtet die lokale Presse in Kitzingen.

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