Schützentheater: Wie die Liebe einen Prinzen zaubert

Lesedauer: 8 Min
Günter Vogel

Das diesjährige Schützentheater hat im 161. Jahr dieser großen Tradition in der Stadthalle festliche Premiere mit „Die Schöne und das Tier“ gefeiert.

Den französischen Märchen-Klassiker schrieb Jeanne-Marie Leprince de Beaumont im Jahr 1756. Mit dem Stück haben Yvonne von Borstel-Hawor und Hermann Maier das sechste neu geschriebene Märchen ihrer insgesamt 18 Inszenierungen vorgestellt.

Aber es ist gleichzeitig der Abschied der beiden Theaterleiter, die diese Aufgabe zur Freude von vielen Tausend kleinen und großen Besuchern 19 Jahre erfolgreich erfüllt haben.

Farbenfrohes und spannendes Theater

Die beiden Chefs haben auch dieses Mal zum großen Vergnügen des Publikums ein farbenfrohes und spannendes Theater voller Dramatik, auch mit Spaß, mit großer Spiel- und Tanzfreude inszeniert mit allem, wovon das Schützentheater lebt: Spiel, Ballett, Musik, Kostüme, Bühnenbild. Und in zwei Gruppen agieren jeweils mehr als 150 spielbegeisterte und tanzbegeisterte Kinder und Jugendliche, dazu 30 junge Musiker im Orchestergraben. Den Prolog sprechen Manuel Schreiber (Möwe Knut) und Fidelis Wieland (Eule Eusebius). Die beiden begleiten die Handlung durch das ganze Stück, erzählen, kommentieren.

Schützentheater 2019
Schützentheater 2019 (Foto: Günter Vogel)

Das Spiel beginnt damit, dass der Prinz Magnus der Fee Felicitas Rosalia von Rosenfels abschlägt, sie zu heiraten. Sie ist halt einfach nicht sein Typ. Aber die eitle Dame ist sauer, singt ein boshaftes Lied und verzaubert ihn zur Strafe in ein „wildes hässliches Tier“, seinen Hofstaat als skurrile Gestalten gleich mit.

Nur die Liebe einer Frau kann ihn von dem Fluch erlösen. In einer Parallel-Story hat ein Kaufmann Johansson drei Töchter. Der Mann ist verarmt, seine Handelsschiffe sind nicht zurückgekommen. Schließlich kommt doch eines, aber der Fiskus verlangt Steuern und Abgaben, alles weg! Er hatte aber seinen Töchtern Geschenke versprochen. Die Jüngste, die bescheidene „Bella“, die Schöne, wollte aber nur eine Rose.

Verzaubertes Schloss

Im Wald landet der von tanzenden Wölfen verfolgte Kaufmann in einem – natürlich verzauberten – Schloss. Der erfahrene Theaterbesucher erkennt sofort: Es ist das Schloss des Tieres Magnus, vormals von Beruf ein Prinz. Eine Rose steht da, der Vater nimmt sie für Bella. Tier Magnus ist empört, will jemanden für den Diebstahl der Rose töten, entweder Johannson oder eine der Töchter.

Bella geht zum Schloss, erlebt einen freundlichen Tier-Mensch-Charakter, lehnt dessen wiederholte Heiratsanträge mangels Attraktivität verständlicherweise aber ab. Irgendwann entdeckt sie jedoch im richtigen Moment ihre wahren Gefühle, gesteht ihm ihre Liebe, aus dem Tier wird ein schmucker Prinz. Froschkönig lässt grüßen.

Und zum Schluss des Premierenabends erklingt traditionell das Schützenfestlied aus den Kehlen aller Darsteller.
Und zum Schluss des Premierenabends erklingt traditionell das Schützenfestlied aus den Kehlen aller Darsteller. (Foto: Fotos: Günter Vogel)

Alle lieben sich, alle freuen sich, alle tanzen, singen, denn „Rund um sie her ist alles Freude.“ Und die Moral von der Geschicht? „Ist ein Wesen weniger wert, nur weil es hässlich ist? Nein, natürlich nicht!“

Yvonne von Borstel-Hawor und Hermann Maier ist zu ihrem Abschied ein wunderschönes, flottes und abenteuerliches Märchen gelungen mit phantasievollen Tänzen der Choreografinnen Bettina Brack, Isolde Lauber, Gabi Starzinsky und Ingrid Weber wie steppendes Besteck, Matrosen, Wölfe, Röschen, kleine Ührchen, russische Abenteurer, tanzende Gefühle wie Hochmut und Jammer, und natürlich die „Minis“ als bezaubernde weiße Röschen.

Es gibt viele interessante Sprechrollen. Stellvertretend für alle stehen Davide Mola (Tierprinz Magnus), Franziska Kimmich (die Schöne), Antonia Wieland (Fee Rosalia), Francesco Santagostino (Kaufmann Johannson).

Dichte Atmosphäre

Die optischen Zutaten sind stilistisch breit gefächert, so die schönen, pfiffigen und farbigen Kostüme von Petra Weiß und ihrem Nähteam und die rollenadäquaten Frisuren und Masken von Verena Löbel und dem Maskenteam.

Die Bühnenbilder von Hermann Maier schaffen mit großen Rückprojektionen und differenziert abgestufter Beleuchtung dichte Atmosphäre. Andreas Winter hat eine rhythmisch flotte Musik geschrieben, großartig auf die Szenen abgestimmt.

Schützentheater 2019
Schützentheater 2019 (Foto: Günter Vogel)

In der Hafenkneipe hört man den in Meeresnähe immer stimmigen „Drunken Sailor“ und bei den Minis als weiße Röschen klingt der Uralt-Schlager der „Weißen Rosen aus Athen“ von 1961 an. Das alles gespielt von einem bestens aufgelegten und auch walzerseligen Orchester unter Leitung von Andreas Winter, der sich die Dirigate mit Michael Nover und Klaus Pfalzer teilt.

Aber ohne die vielen Helfer im Hintergrund, bei Regieassistenz, Inspizienz, Technik, Bühnenbildbau, Beleuchtung, Garderobieren wären die vielfältigen künstlerischen Leistungen auf der Bühne nicht möglich gewesen.

Der Vorsitzende der Schützendirektion, Rainer Fuchs, würdigte die Leistungen aller Beteiligten und gratulierte zu einer äußerst gelungenen Inszenierung. Fuchs dankt den ausscheidenden Theaterleitern für eine großartige und erfolgreiche 19-jährige künstlerische Arbeit.

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