Regio-S-Bahn ist bislang noch ein großer Wunschtraum

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Luftschloss, Wunschtraum oder doch schon in einigen Jahren Realität? Die Pläne einer Regio-S-Bahn wecken in den Kreisgemeinden W (Foto: Shutterstock)
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Mit der S-Bahn von Winterstettenstadt mal schnell zum Kaffee trinken und Bummeln nach Ulm? Im Konzept für eine Regio-S-Bahn, das irgendwann nach 2020 Realität werden soll, sind solche Ideen durchaus vorgesehen. Ob sie allerdings Realität werden, müssen die kommenden Jahre zeigen.

Bereits seit 2009 arbeitet der Regionalverband Donau-Iller an einer grenzübergreifenden Regio-S-Bahn zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Ziel dieses Konzepts sind sechs auf Ulm zulaufende S-Bahn-Linien, unter anderem auf der Südbahn, der Donaubahn und der Illertalbahn. Zu Hauptverkehrszeiten soll im Idealfall ein Halbstundentakt erreicht werden. Die Kosten für das Gesamtprojekt Regio-S-Bahn wurden 2010 mit 73 Millionen Euro kalkuliert, Steigerungen allerdings nicht ausgeschlossen. Der volkswirtschaftliche Nutzen übersteige die Kosten allerdings um den 1,7-fachen Wert, sagte Markus Riethe, Direktor des Regionalverbands im Finanz- und Verwaltungsausschuss des Biberacher Kreistags. „Das ist ein sensationell guter Wert für so ein Projekt.“ Selbst wenn die Baukosten um 50 Prozent anstiegen, wäre die Regio-S-Bahn noch immer wirtschaftlich, sagte Riethe. Untersuchungen gehen von einer 20-prozentigen Steigerung des Zugangebots und 33 Prozent mehr Fahrgästen als heute aus.

Mit den aufgezeigten Möglichkeiten wachsen natürlich auch die Wünsche. So wurde bereits 2010 seitens des Regionalverbands vorgeschlagen, die Illertalbahn, die heute in Buxheim endet, bis Tannheim zu verlängern.

Auf der Südbahn ist eine stündliche Regio-S-Bahn von Ulm bis zu einem neuen Halt in Ummendorf geplant. Außerdem soll auch ein Halt „Biberach Nord“ (Nähe Boehringer Ingelheim) entstehen. In den südlichen Kreisgemeinden, vor allem in Bad Schussenried, gibt es die vehemente Forderung, diese Linie bis nach Aulendorf zu verlängern, um dort den Anschluss Richtung Ravensburg und Bodensee zu haben. „Es wäre ein Hohn, im Abschnitt zwischen Ummendorf und Aulendorf nichts zu machen“, sagte Kreisrat Alexander Eisele (FDP, Bad Schussenried) in der Sitzung. Er bekam Zustimmung von Peter Diesch (CDU, Bad Buchau). Allein schon weil im Bereich Schussenried und Buchau viele touristische Ziele liegen, sei ein Halt hier wichtig. Möglich wären, laut Regionalverband Halte in Schweinhausen, Hochdorf, Unteressendorf und Winterstettenstadt sowie am bestehenden Bahnhof in Bad Schussenried.

„Klar wäre das sinnvoll“, sagte Riethe. Neue Haltepunkte seien aber nur realisierbar, wenn es dafür eine Nachfrage gebe. Das muss der Landkreis jetzt prüfen, wofür Kosten von etwa 30 000 Euro entstehen.

Ebenfalls geprüft werden soll der Bedarf einer Verlängerung der geplanten S-Bahn-Linie 8 von Ulm über Obermarchtal bis nach Riedlingen oder sogar Ertingen. Die Verlängerung bis Riedlingen sei eine mögliche Option, so Riethe, allerdings wäre dafür ein zweigleisiger Streckenausbau zwischen Obermarchtal und Rechtenstein erforderlich.

Ein Schritt, den die Kreisräte Richard Mück (CDU, Unlingen) und Hans Petermann (Freie Wähler, Riedlingen) begrüßen würden. „Die Frage ist allerdings: Wer finanziert das überhaupt“, sagte Petermann. Beinahe jede Region im Land versuche sich im Moment an regionalen S-Bahn-Konzepten. „Da ist ein riesiger Konkurrenzkampf da.“ Seine Fraktion, so Petermann, werde dem Konzept zustimmen, er frage sich aber, ob es sich lohne, das weiter zu verfolgen.

Pessimistisch gab sich auch Eugen Schlachter (ÖGB): Er halte die zukunftsträchtige Planung eines S-Bahn mit Anbindung an die Region Ravensburg für wichtig. „Aber es wäre optimistisch zu glauben, dass ich das noch erlebe. Es ist doch kein Geld da.“ Er sehe im Übrigen auch die mittlerweile für 2018 angekündigte elektrifizierte Südbahn noch nicht. Wolfgang Dahler (CDU, Uttenweiler) hingegen forderte zum Handeln auf: „Natürlich reden wir über ein Zukunftsprojekt. Wichtig ist aber, dass wir jetzt den ersten Schritt machen.“

Um das Projekt Regio-S-Bahn weiter voranzutreiben, soll die Gründung eines Zweckverbands geprüft werden.

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