Regelmäßige Fahrtauglichkeits-Prüfung gefordert

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Jakob Fandrey

Mit 18 den Führerschein machen - bis ins hohe Alter ohne weitere Fahrtauglichkeitsprüfung unterwegs sein. Solange man den Führerschein nicht aufgrund eines Verstoßes im Straßenverkehr abgenommen bekommt, ist dies in Deutschland ohne Weiteres möglich. 

Seit Jahren beobachten Experten den Trend, wonach die beiden Hauptrisikogruppen im Straßenverkehr Fahranfänger bis 24 und unsichere Senioren ab 75 sind. Ein Drittel der im deutschen Straßenverkehr 2016 tödlich verunglückten Personen war älter als 64. 

Für ältere Autofahrer, die sich selbst im täglichen Straßenverkehr nicht mehr sicher fühlen, bietet die Stadt Biberach seit Januar an, den Führerschein freiwillig gegen ein Ticket für den ÖPNV eintauschen zu können. Der Vorstoß hat bei vielen Usern auf der Facebookseite von schwäbische.de Zustimmung erfahren.

Und auch eine nicht repräsentative Umfrage unter unseren Lesern zeigt: die überwiegende Mehrheit spricht sich für regelmäßige Fahrtests aus - allerdings nicht nur bei Senioren, sondern auch bei allen anderen Autofahrern.

Leser sprechen sich für Fahrtauglichkeitstests aus

Nur 18 Prozent der Leser (Stand 07.02.2018 14:30 Uhr) halten von Fahrtauglichkeitstest gar nichts. 39 Prozent der Umfrageteilnehmer stimmten der Aussage zu, Senioren sollten häufiger getestet werden. Doch 43 Prozent wollen diese Tests auf alle Autofahrer ausweiten.

Die Politik hält von entsprechenden Tests dagegen wenig. Als Reaktion auf entsprechende Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Emnid vom Juni 2017 äußerte der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt: „Ob jemand sicher Auto fährt, hängt nicht vom Geburtsdatum ab. Mit mir wird es keine Führerschein-Pflicht-Tests für Senioren geben.“ 

Senioren von Druck befreit

Doch auch Experten sehen die bislang ausbleibenden verpflichtenden Fahrsicherheitschecks für Senioren mit Sorge. „Spätestens ab dem 75. Lebensjahr sollen Untersuchungen verpflichtend sein", sagte ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins.

Die freiwillige Abgabe des Führerscheins am Biberacher Beispiel ist derweil erfolgsversprechend angelaufen. Mehr als 50 Senioren haben ihren Fahrausweis abgegeben, auch ältere Menschen aus der Region hätten sich nach Teilnahmemöglichkeiten erkundigt. Zwar falle vielen älteren Mitbürger der Schritt schwer, sich vom Führerschein zu trennen, bei einigen habe man aber gemerkt, dass sie sich von einem gewissen Druck befreien würden, heißt es von Seiten der Stadt zu den bisherigen Erfahrungen.

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