Redner beim Friedensfest fordern Stopp für Rüstungsexporte

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vorne links Pfarrer Kaspar Baumgärtner und Paul Russmann im Gespräch (Foto: Bogenrieder-Kramer)
Schwäbische Zeitung
Carmen Bogenrieder-Kramer

Seit zehn Jahren setzt sich das Biberacher Friedensbündnis für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung ein. Beim Friedensfest anlässlich der Gründung vor zehn Jahren referierte der Sprecher der Aktion „Ohne Rüstung leben“, Paul Russmann, im vollbesetzten Gemeindehaus St. Martin. Er beglückwünschte die Biberacher für deren unermüdlichen Friedenseinsatz und sah deren Erfolg an einem Sprichwort auf den Punkt gebracht: „Viele Menschen an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Daneben prangerte er die Rüstungsausgaben der Bundesrepublik Deutschland an und nannte Zahlen für den Kreis Biberach.

„Als weltweit drittgrößter Rüstungsexporteur von Kriegswaffen trägt Deutschland zur Nichtfriedfertigkeit der ganzen Welt bei und zwar in einem unerhörten Ausmaß.“ So kritisierte Russmann in seinem Vortrag und sprach dabei von einer „Scheinheiligkeit“ der Bundesregierung. Seiner Meinung nach sind Rüstungsexporte kontraproduktiv für das Bemühen, Konflikte zu befrieden. Sie stünden im Widerspruch zum christlichen Auftrag, Frieden zu schaffen.

Damit das Dilemma verständlich wird, zoomte er die Zahlen des Bundeshaushalts auf den Kreis Biberach. Von den 33 Milliarden Rüstungs- und Militärausgaben kommen nach seiner Rechnung 2,8 Millionen allein aus dem Steueraufkommen der Bürger Biberachs. Bezogen auf die Steuerzahler des Landkreises Biberach summierten sich bei Rüstungsausgaben von 400 Euro pro Bürger pro Jahr insgesamt 76 Millionen Euro. Und das sei Wahnsinn. Alle zwanzig Sekunden sterbe weltweit ein Kind an den Folgen von Unterernährung und in genau dem gleichen Zeitraum würde weltweit eine Million Dollar für Rüstung ausgegeben.

Russmann forderte ein Ende dieser Politik und einen Abzug der 20 Atomwaffen in Büchel. Er gratulierte dem Friedensbündnis Biberach zur bevorstehenden Ehrung mit dem Ehrenamtspreis des Landkreises Biberach und sagte: „Damit ist angekommen, was ihr geleistet habt.“

Roland Groner und Ralph Lange blickten auf zehn Jahre Friedensbündnis in Biberach zurück und erinnerten an verschiedene Aktionen, etwa die Mahnwachen. „Wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, stellte Lange mit Blick auf die zwischenzeitlich beim Friedensbündnis beteiligten 16 Organisationen, wie etwa der Partnerschaftsverein der Stadt Biberach, Bündnis 90/Die Grünen oder der Eine-Welt-Laden und die 86 Einzelpersonen, fest.

Anni Metz zählt zu den Gründungsmitgliedern im Friedensbündnis und spricht Klartext. Sie wendet sich gegen die militärische Sicherheitspolitik Deutschlands und erklärt: „Die Politik hängt am Gängelband der Wirtschaft. An der Herstellung von Rüstungsgütern und deren Export werden gerade in Deutschland Unsummen verdient. Das muss geändert werden.“ Ihre Überzeugung ist: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“

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