Rausg’schmeckt: Biberacherin trifft in Mailand unerwartet Jugendfreundin wieder

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An den Wochenende steht fast immer ein Kurzurlaub für Heidi Sörgel, ihren Mann Giuseppe und Sohn Oscar auf dem Programm. Die Ma
An den Wochenende steht fast immer ein Kurzurlaub für Heidi Sörgel, ihren Mann Giuseppe und Sohn Oscar auf dem Programm. Die Mailänder machen das so. (Foto: Privat)

Mailand, das weltweite Zentrum für Mode und Design, ist seit 13 Jahren die Heimat der Biberacherin Heidi Sörgel. Die 40-Jährige hat sich in der italienischen Metropole ein neues Leben aufgebaut – und traf dort ihre Jugendfreundin Sara wieder. Der Zufall führte die beiden Frauen, die sich einst beim Asti-Austausch Mitte der 1990er-Jahre kennengelernt hatten, erneut zusammen.

„Ich wollte schon immer gern im Ausland arbeiten“, erzählt Heidi Sörgel. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Biberach und einem Studium an der Dualen Hochschule Ravensburg ging es zehn Monate lang nach China. Doch dann kehrte sie erst einmal nach Deutschland zurück. Dreieinhalb Jahre verbrachte sie in Düsseldorf, der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens. „Ich habe mir dann die Europakarte angeschaut und mit meinem Arbeitgeber eine Stelle im Ausland gesucht“, sagt Sörgel, die bei einer Großhandels-Kette beschäftigt ist. „Ich empfinde es als große Bereicherung, in einen anderen Land leben zu dürfen.“

Keine anonyme Großstadt

Mit ihrem Mann Giuseppe und dem gemeinsamen Sohn Oscar ist Sörgel am Stadtrand von Mailand zu Hause. „Wir sind hier gut angebunden und in etwa 20 Minuten im Zentrum“, schildert die Auswanderin. Tagsüber arbeiten, abends etwas mit Freunden unternehmen – so sieht der Alltag der kleinen Familie aus. Mailand zählt 1,3 Millionen Einwohner, als anonyme Großstadt empfindet Sörgel diese aber nicht. „In den Stadtteilen, in welchen man wohnt, kennt man sich untereinander sehr gut. Das ist fast wie in einer Kleinstadt wie Biberach“, sagt sie.

Wiedersehen nach 22 Jahren: Heidi Sörgel (rechts) mit ihrer Austauschpartnerin Sara im selben Garten wie damals.
Heidi Sörgel (rechts) mit ihrer Austauschpartnerin Sara im Garten in Asti Mitte der 1990er-Jahre. (Foto: Privat)

Besonders gefällt ihr das breite kulturelle Angebot an Konzerten und Restaurants: „Die Lebensqualität hier ist sehr hoch.“ Und natürlich gehört es gerade in Mailand dazu, hin und wieder nach aktueller Mode zu stöbern. Vor gar nicht allzu langer Zeit war Heidi Sörgel in der Innenstadt unterwegs, als sie plötzlich von einer Frau mit den Worten „Du bist doch die Heidi?!“ angesprochen wurde. „Es war meine Austauschpartnerin Sara aus Asti“, schildert Sörgel das überraschende Wiedersehen.

„Sie hat mich zwischen den Tausenden Menschen in der Fußgängerzone wiedererkannt.“

Beide hatten sich nach dem Austauschprogramm der beiden Partnerstädte aus den Augen verloren. Jetzt, nach 22 Jahren, haben sie wieder regelmäßig Kontakt. Besuche haben inzwischen stattgefunden: „Dabei haben wir auch ein Foto im Garten ihrer Eltern aufgenommen – so wie damals in unserer Jugend. Was für ein schöner Moment.“ Das Verhältnis sei noch engerer wie damals.

Biberach weiter verbunden

Mailand und Asti liegen knapp zwei Autostunden voneinander entfernt, was für Heidi Sörgel keine allzu große Strecke ist. Denn gemeinsam mit Mann und Sohn ist sie an den Wochenenden regelmäßig auf Achse. „Die Mailänder fahren eigentlich fast jedes Wochenende ins Grüne, in die Berge oder ans Meer“, erzählt Heidi Sörgel. Als die „Schwäbische Zeitung“ mit ihr telefonierte, war sie gerade auf dem Weg an den Comer See. An die Ausfahrten habe sie sich als Biberacherin aber erst einmal gewöhnen müssen: „In Deutschland habe ich Wochenend-Trips vielleicht drei-, viermal im Jahr gemacht.“ Der Lebensrhythmus in Mailand sei eben ein anderer.


Heidi Sörgel (rechts) mit ihrer Austauschpartnerin Sara im gleichen Garten wie Mitte der 1990er-Jahre.
Heidi Sörgel (rechts) mit ihrer Austauschpartnerin Sara im gleichen Garten wie Mitte der 1990er-Jahre. (Foto: Privat)

Ziel ihrer Kurzurlaube ist etwa alle zwei Monate Biberach. „Ich bin öfters in Biberach als zu meiner Zeit in Düsseldorf“, scherzt die Mutter. Ihrer alten Heimat fühlt sie sich immer noch verbunden, auch weil dort Geschwister, Vater und Bekannte leben. Da sie heuer einen runden Geburtstag feierte, lief sie beim Jahrgängerumzug während des Schützenfests mit. „So etwas gibt es in Mailand natürlich nicht“, sagt sie. Neben ihren Freunden und dem Besuch auf dem Wochenmarkt vermisst sie auch das ein oder andere Lebensmittel: „Vollkornbrot und Traubensaft nehme ich immer reichlich mit nach Italien. Im Tausch gibt es von mir Olivenöl.“

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