Rausg’schmeckt: Biberacher Komponist reist um die halbe Welt

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 Professor Thorsten Wollmann hat große Teile Asiens bereist. Hier in ist er in Hongkong.
Professor Thorsten Wollmann hat große Teile Asiens bereist. Hier in ist er in Hongkong. (Foto: Thorsten Wollmann)
Simon Ruf

Ob Amerika, Neuseeland, Südostasien oder Afrika – Professor Thorsten Wollmann hat als Musiker und Komponist schon fast die ganze Welt bereist. Aufgewachsen ist der Weltenbummler in Biberach, wo er seine musikalische Laufbahn begonnen hatte. Nach mehr als 20 Jahren in Thailand kehrt er nun nach Deutschland zurück.

„Ich bin ein waschechter Biberacher“, sagt Thorsten Wollmann, der als Kind im Talfeld und später in Stafflangen wohnte. Am Pestalozzi-Gymnasium (PG) besuchte er den Musikzug. Dabei wurde sein musikalisches Talent schnell offensichtlich. Dieses konnte er auch an der Jugendmusikschule zeigen, wo er zunächst Trompete und dann auch Klavier spielen lernte.

Gleichzeitig spielte er in vielen Ensembles und Orchestern in Biberach, wie zum Beispiel im Schützentheaterorchester, Salonorchester und auch in der Rockband Stilbruch. „Das rege Musikleben in Biberach hat mir in meiner Entwicklung geholfen“, stellt der heute 53-Jährige fest. Bereits vor seinem Abitur 1985 begann er eigene Stücke zu komponieren. Später studierte er an der Musikhochschule in Köln Jazztrompete und Jazzkomposition, worin er 1995 mit dem Magister abschloss.

Parallel zu seinem Studium spielte Thorsten Wollmann in mehreren Orchestern, wie dem baden-württembergischen Landesjugendjazzorchester. Mit diesem ging er auf Tournee nach Westafrika und Südostasien. Da besuchte er das erste Mal Thailand und lernte dort seine heutige Frau kennen. Auch deshalb musste er nicht lange überlegen, als er nach dem Studium ein Jobangebot in Nordthailand bekam. Zwei Jahre sollte er als Dozent an der Universität Chiang Mai lehren. „Es ist unglaublich schwer, von der Komposition leben zu können“, sagt der 53-Jährige. Er ergriff die Chance. Nach der Geburt seiner Tochter Alissa Janine lebte die junge Familie in Lampang, etwa 90 Kilometer südöstlich von Chiang Mai.

Klima ist eine Herausforderung

Besonders schön am Leben in Thailand sei die Natur, sagt Wollmann. Zudem habe es einen Reiz für Mitteleuropäer, in einem immer warmen und sonnigen Land zu leben. „Das tropische Klima kann jedoch auch zur Herausforderung werden“, erklärt er. Damit müsse man anfangs zurecht kommen. Schwieriger sei es ihm jedoch gefallen, die Sprache zu lernen: „ Mein Thai reicht, um mich durchzuschlagen.“ Unterrichtet habe er jedoch nur auf Englisch.

Musikalisch sei Thailand jedoch ein Entwicklungsland. „Es gibt zwar einzelne talentierte Studenten, aber die Ausbildungsmöglichkeiten sind spärlich“, berichtet der Komponist. Dafür seien die Thailänder sehr freundlich und hilfsbereit und man werde als Ausländer sofort integriert. „Das Leben in Thailand ist weniger kompliziert und von mehr Freiheiten geprägt als in Deutschland“, sagt Wollmann. In Deutschland sei alles ein bisschen bürokratischer.

Von 2000 bis 2003 promovierte der Jazzkomponist an der University of Auckland in Neuseeland. Nach seinem Abschluss kehrte er nach Thailand zurück. Dort erlebte er 2004 eine große Katastrophe: den verheerenden Tsunami, der den Süden Thailands traf. „Eigentlich wollten meine Frau und ich an Weihnachten in den Süden fahren, doch zum Glück haben wir unseren Urlaub dort doch noch verschoben“, berichtet Wollmann. In Thailand starben mehr als 8000 Menschen, darunter auch viele Urlauber, an den Folgen der Naturkatastrophe.

Im selben Jahr nahm Thorsten Wollmann auch an einem renommierten Filmmusik-Workshop in New York teil. Filmmusik ist neben klassischer Musik und Jazz eine weitere Leidenschaft des Komponisten. Bereits zu Anfang seiner Karriere als Komponist hatte er für die Computermesse Cebit die Begleitmusik zu einem Film verfasst. 2013 verbrachte er dann ein ganzes Jahr an der University of California in Los Angeles, um noch tiefer in die Filmmusik einzutauchen.

„Früher wollte ich einfach nur weg, von Biberach nach Köln, von Köln nach Thailand“, sagt der 53-Jährige. Doch nachdem er so lange im Ausland war, habe er seine Heimat zu schätzen gelernt. „Deutschland ist wahnsinnig sauber, durchorganisiert und man kann sich jederzeit auf das Wort verlassen“, erläutert Wollmann die Vorzüge. Zudem habe Deutschland ein „fantastisches Musikleben“, das weltweit führend sei. Teil dieses Musiklebens wird der Komponist in naher Zukunft wieder werden, denn er tritt am 8. April eine Professur an der Universität der Künste in Berlin an.

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