Rücktritt als Weltmeister

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Geht künftig nicht mehr als Profi ins Wasser: Der Biberacher Markus Deibler hat überraschend seine Schwimm-Karriere beendet.
Geht künftig nicht mehr als Profi ins Wasser: Der Biberacher Markus Deibler hat überraschend seine Schwimm-Karriere beendet. (Foto: Tim Brakemeier/dpa)
Felix Gaber

Der Biberacher Weltklasseschwimmer Markus Deibler hat am Dienstag überraschend offiziell seinen Rücktritt vom Leistungssport erklärt und will sich künftig verstärkt seiner Eisdiele in Hamburg widmen. In seiner Heimat erntet der 24-Jährige, der kürzlich mit Weltrekord Kurzbahn-Weltmeister wurde, allenthalben Respekt und Verständnis für seine Entscheidung.

Vier Mal wurde Markus Deibler Kurzbahn-Europameister, hinzu kommen mehrere Titel bei deutschen Meisterschaften und zwei Teilnahmen bei Olympischen Spielen. 50,66 Sekunden: Mit dieser Bestzeit über die nicht olympischen 100 Meter Lagen, erzielt bei der Kurzbahn-WM in Doha vor nicht einmal zwei Wochen, beendet Markus Deibler als Weltmeister seine Schwimm-Karriere.

„Es ist super schade, dass er jetzt aufhört. Aber es ist seine Entscheidung“, sagt Mutter Karen Deibler. „Ich kann es auf der einen Seite verstehen, weil das Leben als Leistungssportler sehr anstrengend ist, emotional wie körperlich. Auf der anderen Seite ist es super schade. Ich hätte ihn einfach gern noch in Rio bei den Olympischen Spielen gesehen.“ Wirklich überrascht sei sie nicht. „Er hat sich schon länger über einen Rücktritt Gedanken gemacht, seit Herbst diesen Jahres. Ich dachte aber, dass er es sich noch einmal überlegt nach dem Weltrekord und dem Weltmeistertitel“, so die langjährige Schwimmabteilungsleiterin der TG, die ihren Sohn Markus im Anfängerschwimmkurs in Birkendorf trainierte.

Danach waren andere für das Training der beiden Deibler-Brüder Markus und Steffen, die seit einigen Jahren in Hamburg wohnen, zuständig. Vor allem seit 1995/1996 der im Jahr 2008 verstorbene Gerold Seifert, der beide zu den Olympischen Spielen nach Peking brachte, und zeitweise auch ihr Vater. „Ich finde es sehr schade, dass Markus aufhört, aber ich respektiere es“, sagt Jürgen Deibler. „Der Leistungssport ist eine große Einschränkung im Leben. Er hatte in der Vergangenheit immer wieder gesundheitliche Rückschläge wegzustecken. Dass er jetzt auf dem Höhepunkt aufhören will, ist absolut zu verstehen.“

Hans-Peter Beer, der Vorstandsvorsitzende der TG Biberach, erfuhr am Montagmorgen von der Entscheidung von Markus Deibler. „Da haben wir länger telefoniert und er erzählte mir, dass er zurücktreten will“, sagt Beer. Er kennt Markus und Steffen Deibler seit ungefähr 15 Jahren. „Wir haben uns übers Schwimmen kennengelernt“, so der 56-Jährige, der damals in der TG für den Bereich Leistungssport zuständig war. „Seither haben wir regen Kontakt, auch nachdem beide nach Hamburg gezogen sind. Wir kennen uns privat sehr gut, auch die Eltern.“ Überrascht ist Beer nicht vom Schritt Markus Deiblers gewesen, da er wusste, dass dieser den Gedanken schon länger gehegt habe. „Ich habe allerdings gehofft, dass er sich überlegt, nach dem Weltrekord und WM-Titel weiterzumachen.“ Beer findet es schade, dass der 24-Jährige zurückgetreten ist („Eigentlich war ja Rio noch das Ziel“). Er hat aber auch Achtung vor Markus Deiblers Schritt. „Er wird seinen Weg im Geschäftsleben machen mit seiner Eisdiele und seinen anderen geschäftlichen Aktivitäten“, so Hans-Peter Beer.

„Die Nachricht hat mich gestern erreicht. Mich hat der Rücktritt von Markus Deibler sehr überrascht, vor allem nach seinem Weltmeistertitel mit Weltrekord vor Kurzem“, sagt Günther Wall, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse (KSK) Biberach, seit rund anderthalb Jahren einer der Hauptsponsoren der Deibler-Brüder, am Dienstag. „Sein Schritt verdient höchsten Respekt. Wir wären gern den Weg nach Rio mit ihm weitergegangen.“ Während das Sponsoring von Markus Deibler endet, wird die KSK laut dem Vorstandsvorsitzenden Steffen Deibler wie bisher als Sponsor unterstützen. „Wir wünschen Markus Deibler alles Gute für die Zukunft und seinem Bruder Steffen weiter viel Erfolg auf dem Weg nach Rio“, so Wall.

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