Private bauen Studenten-Apartments in Biberach

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Einige Mieter des neuen privaten Studentenwohnhauses "Student 23" in der Riedlinger Straße 23 und Mitglieder der Familie Winter, (Foto: Christoph Schneider)

Die Biberacher Hochschule wandelt sich. Während früher viele Studenten aus der Region kamen und pendelten, ziehen nun neue Studiengänge junge Menschen aus ganz Deutschland an. Die wollen möglichst in der Nähe der Hochschule wohnen. Aber Studentenbuden sind knapp an der Riß und das Studentenwohnhaus an der Kapuzinerstraße hat gerade mal 63 Zimmer. Das ruft private Investoren auf den Plan. Sie bauen komfortable Apartments für die Studierenden.

Erst kürzlich hat der Biberacher Bauunternehmer Wolfgang Winter mit einer Hand voll Investoren aus der Region „Student 23“ fertiggestellt. Das private Wohnheim an der Riedlinger Straße 23 beherbergt zehn möblierte Einzimmerapartments und eine Dreier-WG. Winter sagt: „Wir hatten viele Anfragen und hätten jedes der Zimmer dreifach vermieten können.“ Sein Sohn Marco Winter ist im Familienunternehmen für die Verwaltung und Vermietung zuständig und hatte die Idee, ein privates „Wohnheim“ zu bauen. Er sagt: „Ich habe in München studiert und dort auch in einem gehobenen Wohnheim gelebt. Bekannte von der Biberacher Hochschule haben mich auf die angespannte Wohnsituation angesprochen. Die Nachfrage ist groß.“

Eine der Mieterinnen in „Student 23“ ist Jana Klein (24). Sie studiert im sechsten Semester BWL Bau und Immobilien und stammt aus Kirchheim unter Teck – Pendeln ist keine Option für sie. Sie sagt: „Das Wohnungsangebot in Biberach ist ziemlich mau. Ich bin froh, dieses Apartment gefunden zu haben.“

Der Bedarf an „jungem Wohnen“ sei in Biberach überdurchschnittlich hoch, sagt Thorsten Beer. Der 43-jährige Wirtschaftsingenieur ist einer der drei Gesellschafter und Geschäftsführer der Aalener i-Live-Gruppe. Die will wenige hundert Meter von der FH entfernt an der Karl-Müller-Straße 106 gehobene möblierte Apartments für Studierende und Lehrende bauen. Bevor sie den Bauantrag stellten, haben die Aalener rund 400 Biberacher Studierende zu ihrer Wohn- und Studiensituation sowie ihren Wohnwünschen befragt. Beer sagt: „Fast zwei Drittel der Befragten waren im vergangenen Jahr aktiv auf Wohnungssuche. 81,2 Prozent gaben an, Probleme bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung zu haben.“ Außerdem erwarten die Aalener, dass die Zahl der Studierenden in den kommenden Jahren dank neuer Studiengänge und doppelte Abiturjahrgänge stark steigen wird. Der Standort an der Karl-Müller-Straße sei perfekt, findet Beer. Im Juli soll der Bau des „Campus Biberach“ beginnen und spätestens zum Semesterbeginn 2015 die ersten Studierenden einziehen. Rund 370 Euro Miete wird ein Standardapartment kosten. Die Vermietung erfolgt online über www.campus-biberach.de.

Wie sich der „Campus Biberach“ entwickelt, verfolgt Dirk Rettweiler genau. Er ist Bereichsleiter Wohnen beim Ulmer Studentenwerk, das auch für Biberach zuständig ist. „Zum Sommersemester haben wir eine deutlich stärkere Nachfrage nach Wohnheimplätzen“, sagt er. Er schließt nicht aus, dass auch das Studentenwerk mittelfristig mehr Plätze schaffen wird. Vor Herbst dieses Jahres sei man aber noch mit einem anderen Großprojekt – 300 studentische Wohneinheiten am Ulmer Eselsberg – beschäftigt. Er verweist auf ein momentan wenig genutztes Angebot: Wer eine Studentenbude zu vermieten hat, kann sie ihm unter Telefon 0731/5023846 melden. Studierende rufen die Angebote unter www.studentenwerk-ulm.de ab.

Ein grundsätzliches Ja zum geplanten Studentenwohnheim an der Karl-Müller-Straße hat auch der Bauausschuss des Biberacher Gemeinderats abgegeben. Die Größe des fünfstöckigen Gebäudes sowie die Parkplatz-Problematik in diesem Bereich sorgten allerdings für Diskussionen.

Grundsätzlich waren die Vertreter der Ratsfraktionen davon überzeugt, dass Biberach preisgünstigen Wohnraum für Studenten braucht und begrüßten das Vorhaben. Auf dem brach liegenden Gelände an der Karl-Müller-Straße, direkt an einer Hangkante, lasse sich das gut umsetzen, weil sich das Gelände für hochwertigen Wohnungsbau nur sehr bedingt eignet.

Verständnis zeigten die Stadträte für die schriftlichen Einwände eines unmittelbaren Anliegers, dem das Studentenwohnheim zu groß ist. Einige regten an, vor einer Entscheidung ein Lattengerüst auf dem Grundstück aufzubauen, um ein Gefühl für die Gebäudehöhe zu bekommen. Josef Weber (Grüne) forderte, der Bauherr solle das Wohnheim um ein Stockwerk reduzieren.

„Wir können kein Geschoss wegschneiden, sonst springt der Investor ab“, sagte Baubürgermeister Christian Kuhlmann. Dieser sei der Stadt mit der Planung ohnehin schon entgegengekommen. Und um zu wissen, dass das Gebäude im Verhältnis zu seinem Umfeld sehr groß sei, brauche es kein Lattengerüst. Der Bau sei aber deswegen vertretbar, weil er sich in den dahinterliegenden, höheren Hang „hineinschiebe“, so Kuhlmann. Dass das Nachbargebäude durch den Neubau mehr Schatten bekommen werde, sei absehbar. „Es gibt aber kein Recht auf Besonnung“, sagte der Baubürgermeister, alle rechtlich relevanten Abstände seien eingehalten.

Einig war sich der Bauausschuss darin, dass sich das ohnehin im Umfeld der Hochschule herrschende Parkplatzproblem auch nicht dadurch löst, dass der Investor die für das Wohnheim notwendige Zahl an Stellplätzen plus zehn öffentliche Stellplätze schafft. Hier sei auch das Land gefordert. Kritisch gesehen wird der geplante Abriss der Dollinger-Sporthalle. Diese geht, wie das Realschulgebäude, nach dem Umzug der Schule in den Besitz des Landes über. An ihrer Stelle will das Land Parkplätze erstellen. Eine eigentlich funktionierende Sporthalle abzureißen, schmerzt mehrere Stadträte

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