Poeten geben ihre Texte zum Besten

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 Die Poetin Josephine von Blueten Staub lässt das Publikum an ihren Gedanken teilhaben.
Die Poetin Josephine von Blueten Staub lässt das Publikum an ihren Gedanken teilhaben. (Foto: Celina Fels)
Celina Fels

Poetry Slam: So nennt man Veranstaltungen, bei denen Wortkünstler selbstgeschriebene Texte auf der Bühne zum Besten geben und dabei gegeneiander antreten. Die „Wort’s ab“-Poetry-Lesebühne in Biberach bietet den Poeten die Möglichkeit, mehr aus ihrem Repertoire zu präsentieren, da sie nicht in Wettbewerb zueinander stehen. So können nicht nur verschiedene Genres bedient werden, es bleibt auch mehr Zeit, um die Autoren näher kennenzulernen. In einer entspannten Atmosphäre und bei einem Glas Wein unterhielten sich die Teilnehmer am Donnerstagabend im Museum Biberach mit dem Moderator und Veranstalter Tobias Meinhold vom Kulturreservoir.

Bei der neunten und letzten Lesebühne vor den Baden-Württembergischen Meisterschaften, die vom 9. bis 11. Mai in Biberach stattfinden, waren drei besonders moderne Dichter zu Gast: Nik Salsflausen, Josephine von Blueten Staub und Phillip Seiler.

Nik Salsflausen slammt seit vielen Jahren. Er konnte sich bereits bei den deutschsprachigen Meisterschaften beweisen und war 2014 sogar baden-württembergischer Meister. Auch in diesem Jahr nimmt er wieder an den Meisterschaften teil. Er sei Mitglied der Lesebühne „Mängeleksemplare“ in Esslingen, deren Konzept es sei, das vorzuführen, was man selbst nicht gut könne, so der studierte Lehrer. Er spiele dort zum Beispiel Gitarre. Am Donnerstagabend brachte er das ausverkaufte Foyer mit seinen Texten zum Lachen. Sei es sein schwäbischer Text „Ich will ein Haus bauen“ oder aber seine Gedanken zum Halloween „Immer noch besser als Stiere opfern“ – Nik Salsflausen versteht es das Publikum zu begeistern. Eltern gibt er den Ratschlag, Kinder bei ihrem Traum Astronauten, Rockstars oder Profisportler zu werden, zu unterstützen. Denn: „Deutschlehrer oder Insolvenzberater wird man von ganz allein.“

„Und jetzt macht einen Zehn-Punkte-Applaus für Josephine von Blueten Staub“, während Tobias Meinhold die nächste Poetin ankündigt, ruft das Publikum ihren Nachnamen im Chor. Josephine ist Autorin und Bühnenpoetin. Sie moderiert und organisiert Veranstaltungen und Workshops rund um Poetry Slams. „Ich höre mich selber einfach gerne vorlesen“, sagt die Leipzigern selbstironisch. Ihr liege besonders das direkte Feedback der Leute am Herzen: „Man spürt gleich, ob die Leute es fühlen oder eben nicht.“ Am Donnerstag gelang es ihr, ein angenehm beklemmendes Gefühl in der Magengrube ihrer Zuhörer zu erzeugen. Ihr Text „Nur eine Varaible“ zeigte auf, wie sie als Geschichtenmacherin das Bild, dass die Zuhörer von einem ihrer Charaktere haben und die damit verbundenen Empfindungen, radikal verändern kann.

Phillip Seiler alias Phriedrich Chiller schreibt und produziert eigene Songs und verfasst Texte. Ursprünglich wäre er Rapper und Songwriter gewesen, das habe ihn zum Schreiben und damit zum Poetry Slam gebracht, sagt der Mannheimer. Rapelemente zeigen sich auch in seinen Texten, die zum Teil in englischer Sprache verfasst sind. Weiterhin gebe er Workshops zum Thema Poetry Slam. Zwei seiner Schülerinnen seien für die baden-württembergischen Meisterschaften in der Kategorie U20 nominiert. Gleich zum Einstieg kommt ein Mitmachgedicht, bei dem das Publikum sich die passenden Reime überlegen soll. Außerdem auch ein neuer Text mit dem Titel „Ich hab da so ein Gefühl“. Es handelt davon, dass sich letztendlich alle doch nur nach einem Zuhause sehnen: „Ein Gesicht in das wir blicken können, um uns selbst zu erkennen.“. In unseren Smarthphones und Tablets werden wir das wohl nicht finden können, schließt Seiler.

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