Podiumsdiskussion über die Biberacher „68er“

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Das Theater ohne Namen sorgt für eine kurze szenische Einstimmung.
Das Theater ohne Namen sorgt für eine kurze szenische Einstimmung. (Foto: cs)
Schwäbische Zeitung

Im Rahmen des Kulturleitthemas veranstaltet die Volkshochschule Biberach am Freitag, 20. April, um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion. Nach der kurzen szenischen Einstimmung „Der Wahlkampf des Bundeskanzlers Kiesinger 1968“ aus dem Stück „Mythos 68 – Venceremos“ durch Peter Schmids „Theater ohne Namen“ stellen sich ehemalige Aktivisten der Biberacher „Szene“ und ein Vertreter des Jugendparlaments den Fragen des Moderators Jojo Riedel. Der Eintritt kostet acht Euro.

Christa Lauber, Dagmar Rüdenburg, Peter Schmid und Ulrich Weitz waren am 22. April 1968 als Demonstranten auf dem Biberacher Marktplatz, als die Rede des damaligen Bundeskanzlers in einem Tumult endete, über den sogar im „Spiegel“ berichtet wurde. Es standen Landtagswahlen an und Kiesinger unterstützte im CDU-Stammland Oberschwaben seine Partei. Die Biberacher APO jedoch, eine im März um Ekke Leupolz und Martin Heilig gebildete Oppositionsbewegung, begrüßte Kiesinger mit Pfiffen und Plakaten. Der Protest richtete sich gegen Kiesingers Nazivergangenheit und die Notstandsgesetze.

Ein weiterer Höhepunkt war die Herausgabe von fünf Ausgaben einer neu gegründeten Schülerzeitung mit dem Namen „Venceremos“ (spanisch: wir werden siegen), die sich radikal von der traditionellen „Funzel“ distanzierte. Ausgabe Nummer vier im Mai 1969 schockierte damals vor allem durch ihr Titelblatt. „Venceremos“ forderte einschneidende gesellschaftliche Veränderungen und plädierte für freie Sexualität. Der aufsehenerregende Prozess, der die Herausgeber der Schülerzeitung vor das Amtsgericht Biberach brachte, endete schließlich mit einem Freispruch. Ein weiterer Diskussionspunkt des Abends wird der Schulstreik der Abiturklasse 9b des Wieland-Gymnasiums sein, der mit der Suspendierung der Klasse endete.

Was blieb von dieser radikalen Demokratiebewegung und Aufbruchstimmung übrig und wo sehen sich die damaligen Akteure heute? Wofür kämpft die Jugend 2018?

Ab Mitte April werden im Treppenhaus der VHS in einer Installation des Ikebana-Vereins und nach einer Idee von Corinna Dintheer unter anderem Fotos der damaligen Ereignisse ausgestellt. Die Schulklasse 3b der Birkendorf-Grundschule unter der Leitung von Renate Knauß zeigt, wie sie sich das Leben im Jahr 2068 vorstellt und welche Visionen sie hat.

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