Paul Bloy: Kleiner Mann ganz groß

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Motocrosser Paul Bloy ist künftig als „P-Boy 252“ auf den Strecken in Europa unterwegs.
Motocrosser Paul Bloy ist künftig als „P-Boy 252“ auf den Strecken in Europa unterwegs. (Foto: Steve Bauerschmidt)
Schwäbische Zeitung

Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im September in Australien soll der Saisonhöhepunkt für Motocrosser Paul Bloy werden. Allerdings ist nach der jüngsten Änderung der Altersrichtlinien durch den Weltverband der Start von Bloy noch ungewiss.

Davon abgesehen muss die kommende Saison für den Biberacher glücklicher verlaufen als die vergangene. Die Vorzeichen dafür stehen gut: Nach dem Wechsel zum Team Bauerschmidt KTM aus Thüringen fährt er eine neue Maschine. Und wie gut er mit ihr zurechtkommt, hatte er beim ADAC Supercross Junior Cup im Winter gezeigt. Den hatte er nur äußerst knapp durch einen dubiosen Entscheid der Rennleitung als Zweiter beendet. Hinter seinen Erfolgen steckt eine typisch schwäbische Familiengeschichte.

Nach wie vor startet der 15-Jährige für seinen Heimatverein AMC Biberach. Wie schon sein Vater Martin Branz es einst bei kleineren regionalen Motocross-Rennen tat. Als Vater einer alsbald sechsköpfigen Familie sagte er dem Hobby dann aber Ade und stieg erst als Senior wieder auf die Maschine. Seine Söhne Max und Paul infizierte er mit dem „MX-Virus“ in Kiesgruben der oberschwäbischen Heimat. Paul blieb bei der Stange und wurde zu einer der großen deutschen Motocross-Hoffnungen. „Als Vierjähriger ist er erstmals auf einer kleinen Maschine gesessen und über Wiesen gegondelt“, erinnert sich Branz.

Ein Familienunternehmen

Seine Erfolge verdankt Paul Bloy auch der Unterstützung der ganzen Familie Branz-Bloy. Der Vater ist Manager, Organisator, Fahrer, Betreuer und Schrauber, investiert viele Wochenenden ins Talent des Sohns. Mutter Bettina Bloy sagt ruhig: „Ich bin glücklich, wenn meine Kinder glücklich sind.“ Natürlich ist ihr Jüngster viel unterwegs, was das Mutterherz belaste. „Wenn sie bei Rennen dabei ist, hat sie aber innere Schnappatmung“, so ihr Mann und lächelt.

Auch die Geschwister sehen das Engagement positiv. „Ich finde klasse, wie er das macht und sein neuer Rennanzug in Pink gefällt mir“, erzählt Schwester Leni Bloy beim Jobben in einem Biberacher Café. Und Oma Doris fällt die Aufgabe zu, den Rennanzug nach „aufreibenden Einsätzen“ zu flicken und zu nähen. Schwester Nina betreut Instagram und Facebook, Bruder Maxi ist Pauls Buddy bei den Rennen. Sie halten zusammen. Der Heimatstadt Biberach ist die Familie sehr verbunden.

Bloy bekommt Künstlername

Nach außen tritt Paul Bloy künftig als „P-Boy 252“ auf. Als Motocross-Rookie muss man sich eben den Gepflogenheiten der Szene anpassen. „Ein Image aufbauen“, nennt es Martin Branz. So wie es Paul Bloys Vorbild Ken Roczen, sein Trainer Michael Kartenberg (Stendal) tun, oder Teamgefährte Stefan Büttner, einer der Stars der Szene. Und „Pink Panther“, wie ihn der Sprecher des Stuttgarter Supercross bei seinem Sieg gefeiert hatte, hat Paul nicht überzeugt. „P-Boy 252 klingt besser“, findet der 15-Jährige, „weil es ja eine coole Kurzform meines Namens in Verbindung mit meiner Startnummer, die für meinen Geburtstag am 25. Februar steht, ist.“ Unter diesem Namen ist er nun bei Facebook und Instagram zu finden.

Die Saisonziele 2017 hatte Paul Bloy verfehlt. Defekte und ein schwerer Sturz hatten ihn gebremst. Beste Einzelergebnisse waren Platz zwei beim ADAC-MX-Junior-Cup in Gaildorf (Gesamtplatz 12) oder der Titel des Landesmeisters in der Klasse bis 85 Kubikzentimeter. Die starke Hallensaison (Supercross/SX) hat ihn mittlerweile versöhnt. Der Bruch der Speiche nach einem Trainingssturz im Winter ist ausgeheilt. Für die nächsten Monate stünden die Zeichen auf „Grün“, so Martin Branz. „Das neue Team bietet beste Voraussetzungen“, so der kaufmännische Angestellte im Außendienst weiter.

Die deutsche Meisterschaft nimmt „P-Boy 252“ nur bei Rennen in der Region in Angriff. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem ADAC-Junior-Cup und vor allem auf den EM-Läufen in Skandinavien, Holland, der Slowakei, Tschechien und in Deutschland. So muss Paul Bloy vom Schulausflug nach London direkt nach Helsinki fliegen.

Die Renntätigkeit nagt natürlich an der Zeit für die Schule. Die Realschule meistert er tapfer und ist kein schlechter Schüler, so Mutter Bettina und lacht: „Im Zeugnis erkennt man aber deutlich seine Vorliebe für Sport und Kunst.“ Zeichnungen und Bilder an den Wänden im gemütlichen Haus zeugen vom zweiten Talent Paul Bloys. Und wenn dann noch Zeit ist, sieht man ihn beim Kicken (FV Biberach), beim Tennis oder auf der Skate- und BMX-Anlage.

Neues Team, neue Saison und große Ziele – Martin Branz ist verhalten optimistisch: „Das Set-up stimmt.“ Außerdem sei sein Sohn ein besonnener, ehrgeiziger und konzentrierter Fahrer, der wenig Fehler mache und selten übers Limit gehe. Trainer Michael Kartenberg bescheinigt ihm ein enormes Potenzial und sieht ihn auf dem Weg nach ganz oben: „Sein Fahrstil zeigt seine Leidenschaft, mit der er sich auch bei den Fans sofort in den Fokus setzt.“

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