Noch reicht die Zahl der Lehrer aus

Lesedauer: 8 Min
Der Pflichtunterricht ist in Biberach gesichert
Die Sommerferien sind vorbei, am Montag beginnt die Schule wieder. Die Schulen stehen dabei vor einem Problem: In ganz Baden-Württemberg sind derzeit 700 Stellen unbesetzt. Das sind mehr als noch im vergangenen Jahr. Das Staatliche Schulamt Biberach konnte gerade die notwendigen Lehrerstellen besetzen – das haben die Verantwortlichen heute bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben.
Redaktionsleiter

Mit einer „ausreichenden Versorgung“ an Lehrern gehen die Schulen im Bereich des Staatlichen Schulamts Biberach ab Montag in das neue Schuljahr. So verkündete es der kommissarische Amtsleiter Achim Schwarz bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Derzeit liege die Lehrerversorgung in den Gemeinschafts- , Grund, Haupt-, Wekreal- und Realschulen sowie an den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und privaten Schulen im Kreis Biberach, dem Alb-Donau-Kreis und dem Stadtkreis Ulm bei 102 Prozent. Das wird sich vermutlich aber schon bald wieder ändern.

102 Prozent klingt zunächst nach üppiger Vollversorgung für die rund 1600 Klassen im Schulamtsbezirk. „Darin ist aber auch unsere Reserve für Krankheitsvertretungen enthalten“, sagt Schwarz. Diese werde hoffentlich einige Monate ausreichen, sofern keine heftige Grippewelle kommen.

Die Reserve werde aber im Lauf des Schuljahres aufgebraucht. „Wir werden Engpässe bekommen, weil es wieder viele Mutterschutzfälle geben wird“, ist sich Schwarz sicher. Bereits im vergangenen Schuljahr sei man von einer Steigerung ausgegangen, die dann nochmals um zehn Prozent übertroffen worden sei. „Diese natürlich schöne Entwicklung, sorgt in der Lehrerversorgung jedoch für heute nicht noch absehbare Engpässe.“

Realschulen sind gut versorgt

Im Bereich der Grund-, Haupt-, und Werkrealschulen konnten nicht alle Lehrerstellen besetzt werden, „aber die Versorgung steht“, so Schwarz. Keine Probleme gibt es derzeit an den Realschulen, am schwierigsten ist die Lehrerversorgung an den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ; ehemals Förderschulen). Hier gebe es nur sehr wenig geeignete Bewerber. „An den SBBZ sind wir aber flexibler in der Unterrichtsgestaltung und der Klassenzusammensetzung“, sagt Fachschulrätin Katja Kleiner.

Damit es im Lauf des neuen Schuljahrs nicht zu so starken Engpässen in der Unterrichtsversorgung komme, wie im vergangenen Schuljahr, habe man diesmal bereits im Vorfeld die enge Abstimmung mit den einzelnen Schulleitungen gesucht, so Schwarz. So gibt es die Möglichkeit, dass Lehrer kurzfristig ihre Deputate aufstocken, außerdem werden Lehrer ohne vollständig abgeschlossene Ausbildung verstärkt in Vorbereitungsklassen eingesetzt, um wissenschaftliche Lehrkräfte, die bislang in diesen Klassen unterrichten, im Pflichtunterricht einsetzen zu können.

„Wir werden unsere Reserve an Lehrern im Lauf des neuen Schuljahres aufbrauchen“, sagt Andreas Schwarz, kommissarischer Leiter d
„Wir werden unsere Reserve an Lehrern im Lauf des neuen Schuljahres aufbrauchen“, sagt Andreas Schwarz, kommissarischer Leiter des Staatlichen Schulamts Biberach. (Foto: Gerd Mägerle)

Um Vakanzen zu überbrücken gibt es außerdem bereits pensionierte Lehrkräfte, die bereit sind, kurzfristig einzuspringen. „Das hilft uns richtig viel, und dafür sind wir dankbar“, sagt Schwarz. Rund 100 befristete Verträge hat das Schulamt abgeschlossen, um Engpässe abfangen zu können. „Wir hoffen es werden noch ein paar mehr.“

Höhepunkt der Pensionierungswelle vielleicht überschritten

132 Lehrkräfte sind im Schulamtsbezirk in diesem Jahr in Ruhestand gegangen, 176 waren es 2017, im Jahr davor 166. „Vielleicht haben wir den Höhepunkt der Pensionierungswelle inzwischen überschritten“, so Schwarz.

Die Hoffnung des Schulamts ruht im Übrigen auch auf den 146 Frauen und 30 Männern, die am Freitag im Biberacher Landratsamt ihren Diensteid als neue Lehrkräfte abgelegt haben und nun in den Schulen in den Kreisen Biberach (81), Alb-Donau (67) und Ulm (28) zum Einsatz kommen. „Ich hoffe, dass sich die jungen Kollegen ihre Freude an der Arbeit mit Kindern möglichst lange bewahren“, sagt Schwarz.

Unpopuläre Maßnahmen?

Sollte die Lehrerversorgung über das Schuljahr hinweg nicht ausreichen, müsse man auch zu Maßnahmen greifen, die Eltern als unpopulär empfinden, so der kommissarische Amtsleiter. Dazu könne gehören, dass Klassen zusammengelegt werden müssen oder zusammenbleiben, obwohl die Schülerzahl, bei der die Klasse geteilt werden kann, leicht überschritten ist. Dieser sogenannte Klassenteiler liegt in Grundschulen bei 29 Schülern, bei Real- und Werkrealschulen bei 30 Schülern und bei Gemeinschaftsschulen bei 28 Schülern. „Es handelt sich dabei immer um eine Kann-Regelung“, so die für Personal zuständige Schulrätin Ulrike Rauschenberger.

Die Schulleitungen seien über diese Möglichkeiten unterrichtet. „Ich gehe davon aus, dass das auch an die Eltern kommuniziert worden ist“, sagt Rauschenberger. Er gehe aber davon aus, dass es solche Maßnahmen im neuen Schuljahr nicht brauche, sagt Schwarz.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen