Nicole Bold zeigt lyrische Malerei

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 Kuratorin Barbara Renftle (links) und Nicole Bold stehen vor Bolds Bild „Die Notwendigkeit verregneter Sommer“.
Kuratorin Barbara Renftle (links) und Nicole Bold stehen vor Bolds Bild „Die Notwendigkeit verregneter Sommer“. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Die Ausstellung ist bis 28. Juni in der Galerie der Stiftung pro arte am Ulmer Tor zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag von 13 bis 17 sowie nach Vereinbarung unter Telefon 07351/5703316

„Fäden des Lichts“ überschreibt Nicole Bold, die vom vom Bodensee stammt und jetzt in Mittelbiberach lebt und arbeitet, die Bilder, die sie in der Galerie pro Arte in Biberach ausstellt. Die Bodenseelandschaft als eine Quelle malerischer Ausdruckskraft, zu der Assoziationen beim Betrachten ihrer Bilder hinführen, hat sie mit vielfaltigen bildlichen Erfahrungen in Asien, Afrika, Amerika erweitert.

Die Einführungsrede bei der Vernissage hielt Barbara Renftle, die Kuratorin der Stiftung S BC – pro arte. Sie eröffnet ihre Laudatio mit dem Mörike-Gedicht „Er ist’s: Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.“ Und sie schlägt den Bogen zu den wunderbar frühlingshaften Farbkreationen auf vielen der Bilder. Sie nennt die Themenkomplexe der gezeigten Werke wie Licht, Spiegelungen, Schatten, Wasser, Pflanzen, Gräser, Gezweig.

Renftle schreibt dazu: „In malerischen Überlagerungen und pastosen Schichtungen verzaubert die Malerei von Nicole Bold den Betrachter mit hell durchlichteten oder mystisch dunkelnden, intuitiven Stimmungen. Angelehnt an Impressionen von Naturerscheinungen entstehen suggestive florale Räume von großer Sogkraft und Poesie, frei von jeder realen Verortung, selbstgenügsam, träumerisch und geheimnisvoll.“ Und sie erläutert weiter: „Im Spiegel der Natur feiert sich ihre Malerei als magische Bannfläche der Schönheit in ihrer Unangreifbarkeit und Flüchtigkeit. Ornamentales und verschwimmende malerische Farbzonen verbinden sich osmotisch zu einer übernatürlichen schwebenden Tiefenräumlichkeit, die sich aus den mannigfaltigen Schichtungen sich durchdringender und sich durchleuchtender Farben, einem intuitiven Strömen von Farbenergien und Farbtiefen ergibt.“

Assoziationen zu Monet

Barbara Renftle spricht von Assoziationen zu Monet, zu dessen „Wasserlilien“, fährt fort: „Die Künstlerin erfindet die Natur mit Mitteln der Malerei neu, und sie vernetzt Gefühl und Poesie, Ruhe und Erregung.“ Und die Kuratorin erweitert die Malerei zur Dichtung, zitiert eines der vielen Frühlingsgedichte von Goethe, schließlich Eichendorff: „Über blaue Berge fröhlich kam der bunte Schein geflossen.“

Wenn sich der Betrachter in die Bilder versenkt, bilden sich bei der Fülle ästhetische Motive und Farbarchitekturen fast zwangsläufig Emotionen und Assoziationen. Bolds Bilder strahlen lyrische, auch romantische Stimmungen aus. Die stilistische Feingliedrigkeit lässt in Bildern mit fantasievollen Titeln wie „zerschnittenes Klirren“, „nicht eine Wolke war am Himmel zu sehen“, „wir hätten Wasser mitnehmen sollen“ an japanische Landschaften mit ihrer feindetaillierten manchmal auch bizarr-extensiven Darstellungen voller subjektiver Spannung denken.

Nicole Bold lässt dünne Farbstreifen über die Motive rinnen, erzeugt damit eine subjektive Zauberhaftigkeit. Die Werke sind auf ihre Weise fast schwerelos, künden erdhaft wie auch schwebend abgehoben von einer anderen, lyrisch-ästhetischen Welt. Erweitert man seine Sinne von den Augen auf die Ohren, hört man Puccinis große lyrische Bögen. Die Faszination boldscher Gestaltungskunst lässt beim Rundgang durch die Ausstellung niemals los.

Die Ausstellung ist bis 28. Juni in der Galerie der Stiftung pro arte am Ulmer Tor zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag von 13 bis 17 sowie nach Vereinbarung unter Telefon 07351/5703316

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