Nicht jeder hält drei Stunden ohne Pause durch

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Das Team von „Unschuldig“ mit Regisseur Nicolai Rohde (2. v. r.) und Festivalintendant Adrian Kutter (3. v. r.) in der Diskussio
Das Team von „Unschuldig“ mit Regisseur Nicolai Rohde (2. v. r.) und Festivalintendant Adrian Kutter (3. v. r.) in der Diskussion mit dem Kinopublikum. (Foto: Georg Kliebhan)

Kein anderer Film bei den Biberacher Filmfestspielen hatte eine so lange Laufzeit wie „Unschuldig“: Drei Stunden lang tauchten die Besucher in das Leben von Alex Schwarz (Felix Klare) ein, der nach sieben Jahren Haft durch Revision für den vermeintlichen Mord an seiner Frau aus dem Gefängnis kommt. Neu ist die Idee für den Film, in dem auch Anna Loos mitwirkt, indes nicht.

Als der Abspann läuft, bricht im Venus-Kinosaal etwas Trubel aus. Während sich einige in Richtung Toiletten bewegen, zieht es andere an die Bar. Dabei sind lediglich die ersten 90 Minuten vorbei – weitere eineinhalb Stunden folgen. Fast nahtlos, einzig Abspann und Rückblick trennen die Teile, schließt sich der zweite Part an. In diesem soll nun (endlich) geklärt werden, wer Schuld am Tod von Alex’ Frau hat. In den 180 Minuten wird der Besucher mehrfach auf die falsche Fährte gelockt. Der Streifen ist eine Mischung aus Krimi und Familiendrama.

Anfang 2019 in der ARD

In der ARD läuft der Film an zwei Abenden. Ein Termin steht noch nicht fest, nur, dass es Anfang 2019 soweit sein soll. 44 Drehtage waren anberaumt, in denen das Team eine besonders emotionale Szene vor sich hergeschoben hatte. „Glücklicherweise war die Szene relativ spät im Drehplan vorgesehen. Bis dahin haben wir uns vertraut“, sagte Sascha Alexander Gersak vor den Filmfestbesuchern. Er spielt den Bruder von Alex. Nach zwei, drei Versuchen sei die Szene im Kasten gewesen, wobei es der erste Versuch auf die Leinwand schaffte. „Ich bin vor dem Monitor gesessen und habe geheult“, gestand Regisseur Nicolai Rohde.

Die Idee zum Film stammt übrigens aus Großbritannien, dem Mutterland der klassischen Krimis. Der Plot basiert auf der Miniserie „Innocent“, die dort im Frühjahr dieses Jahres über die Bildschirme flimmerte. Drehbuchautor Florian Oeller sprach von einer „freien Adaption“ für den deutschen Markt, weil allein schon das Rechtssystem beider Länder unterschiedlich sei.

Zudem spielt die deutsche Fassung nicht auf der Insel, sondern an einem fiktiven Ort an der Ostsee. Eine Zuschauerin erkannte Teile ihrer Heimat Eckernförde wieder. Laut den Filmemachern wurde die Landschaft mit Meer bewusst gewählt, um die Verlorenheit der Charaktere widerzuspiegeln. Nicht verloren waren indes die drei Stunden, die das Publikum in „Unschuldig“ investierte. Ohne Effekte gelingt es dem Film, die Spannung immer weiter aufzubauen.

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