New Yorker komponiert für Biberacher

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Geglückte Uraufführung in Biberach: Johanna Glaser, Kerstin Högerle, Sabina Mark, Karin John zusammen mit dem Komponisten Derek
Geglückte Uraufführung in Biberach: Johanna Glaser, Kerstin Högerle, Sabina Mark, Karin John zusammen mit dem Komponisten Derek Healey. (Foto: Gerhard Trüg)
Schwäbische Zeitung

Es ist immer ein besonderes Ereignis, wenn ein renommierter Komponist ein Musikstück eigens für ein Ensemble komponiert und diesem widmet.

Der Engländer Derek Healey, Komponist und Organist, der heute in New York lebt und lehrt, schrieb die „Sonatina for Four“ für das Biberacher Blockflöten Consort, zu dem Johanna Glaser, Kerstin Högerle, Karin John und Sabina Mark gehören.

Die vier Musikerinnen brachten das Stück am Freitag im Gemeindezentrum St. Martin zur Uraufführung, in Anwesenheit von Derek Healey, der dafür extra aus New York angereist war.

Die ersten Kontakte zu ihm entstanden bei seinem Besuch vor zwei Jahren in Biberach anlässlich der Guernsey-Woche, bei der ebenfalls eine Komposition von ihm auf dem Programm stand.

Dank der Vermittlung der Flötistin Ingrid Sell konnte er dafür gewonnen werden, für das Biberacher Blockflöten Consort ein Quartett zu schreiben, das dann wenige Monate später fertiggestellt war.

Umrahmt wurde dieses Stück von weiteren Originalkompositionen für Blockflöte aus dem 20. und 21. Jahrhundert.

Von Vaughan Williams erklang die „Suite for Pipes“, bei der besonders beim Finale mit seinem punktierten Rhythmus die Begeisterung des Komponisten für englische Volkslieder zum Ausdruck kam.

Von Hans Gal, dem österreichisch-ungarischen Komponisten, der Nazi-Deutschland verlassen musste und nach Edinburgh floh, hörte man ein „Divertimento“, das, diesmal ohne Bass-Blockflöte, im Rondino mit witzigen Trillermotiven gefiel.

Der aus Moskau stammende Rodion Schtschedrin, schrieb 1996 das Stück „Music from Afar“ für zwei Bass-Blockflöten. Dieses sehr modern klingende Stück fordert von den Bass-Flöten sehr tiefe Töne, die teilweise mit einer Art Slap-Technik explosiv artikuliert wurden.

Von Shakespeare inspiriert

Für das nun folgende Hauptwerk, der Uraufführung „Sonatina for Four“, gab der Komponist eine kurze Einführung: Beim ersten Satz „Ariels Realm“ wurde er von der Figur des Ariel aus dem „Sturm“ von Shakespeare inspiriert. Den flüchtigen Charakter der Figur illustrierte er durch Töne mit Flatterzunge, hohen Trillern, kurzen Motiven mit Staccato-Wiederholungen, gepaart mit Reibungen der Einzelstimmen. Der zweite Satz, die „Serenade“, gefällt durch die melodische Sopranflöte, zu der die anderen Instrumente tiefe kontrapunktische Motive beisteuern. Die folgende „Humoresque“ bietet eine flotten Satz im 5/8-Takt, von der der Komponist launig bemerkte, sie sei schwierig und „impossible to play“.

Die vier Flötistinnen bewältigten die Schwierigkeiten aber bravourös und interpretierten alle drei Sätze mit musikalischem Feingefühl.

Beim nun folgenden „Pari Intervallo“ von Arvo Pärt wechselten die Musikerinnen die Instrumente und besetzten das Stück mit Alt-Tenor-Großbass- und Subbassflöte, sodass eine sehr tiefe, dunkle Klangfarbe entstand, die, gepaart mit immer gleichen Intervallen, einen kontemplativen Klangzauber entwickelte.

Multitalent Sören Sieg steuerte mit seiner „Afrikanischen Suite Nr.3“ afrikanische Klänge bei: Gleichbleibende riffartige Rhythmen mit einer darüberliegenden Melodie, dazu ungewöhnlicher Taktarten wie zum Beispiel 7/8-Takt übermittelten ein trancehaftes afrikanisches Feeling, bevor am Schluss mit dem „Indian Summer“ von Matthias Maute jazzige Rhythmen mit Klatschen und Stampfen die klangliche Vielfalt des Abends bereicherten.

Das Biberacher Blockflöten Consort hat an diesem Abend in eindrucksvoller Weise gezeigt, dass, wie bei den Dankesworten gesagt wurde, Blockflöte doch mehr ist als nur ein Kinderliedinstrument.

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