Neugierige Blicke erwünscht: Das erwartet die Besucher beim Tag des offenen Denkmals

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Sie haben viel Zeit in die Organisation des Programms gesteckt: Cäcilie Sommer (von links), Bettina Steiner und Ingeborg Voss.
Sie haben viel Zeit in die Organisation des Programms gesteckt: Cäcilie Sommer (von links), Bettina Steiner und Ingeborg Voss. (Foto: Daniel Häfele)

Täglich laufen oder fahren die Menschen an vielen altehrwürdigen Gebäuden in Biberach vorbei. Doch was verbirgt sich hinter den teils mächtigen Mauern? Wer wohnte einst darin? Und was macht das Gebäude überhaupt so besonders? Antworten auf Fragen wie diese gibt es am Sonntag, 9. September, zwischen 11 und 16 Uhr beim Tag des offenen Denkmals.

Bei jedem Tritt knarzt es unüberhörbar, vorsichtig geht es die steile Treppen hinauf. Cäcilie Sommer vom Stadtforum Biberach bewegt eine Tür, um die barocken Verschnörkelungen besser zeigen zu können. Dabei fällt etwas Putz von der Wand. „Das passiert öfters“, sagt sie und klopft ihre Hände ab. Es geht weitere Stufen hinauf, bis in der dritten Etage der Zielort erreicht ist.

„Das hier ist entzückend“, sagt Sommer und zeigt auf das weiß sowie pink gestrichene Geländer. Die Baluster sind aus Holz ausgesägt – und nicht gedrechselt. „Barock des kleinen Mannes“, kommentiert Cäcilie Sommer. Noch beeindruckender ist aber das, was sich ein paar Schritte weiter bietet: ein lichtdurchfluteter Raum. Die Fenster geben den Blick auf den Holzmarkt frei, im Hintergrund ragt der Weiße Turm zwischen viel Grün dem blauen Himmel entgegen. Doch weder Ausblick noch Geländer machen dieses rotfarbene Haus in der Altstadt so einzigartig. Es sind vielmehr die Hölzer im Gemäuer. Einige Balken stammen aus den Jahren 1316 bis 1318, womit das Gebäude Schulstraße 26 – zumindest in Teilen – das älteste noch existierende Wohnhaus Biberachs ist.

Betreten ist nicht immer möglich

Dieses Gebäude ist eines von sieben Denkmälern, in welche Interessierte am Sonntag einen Blick werfen dürfen. Bundesweit findet der Tag des offenen Denkmals unter dem Titel „Entdecken, was uns verbindet“ statt, in Biberach ist die Aktion eine Initiative des Arbeitskreises Kultur im Stadtmarketing. „Bei der Auswahl der Denkmäler müssen wir immer schauen, ob ein Betreten überhaupt möglich ist“, erläutert Ingeborg Voss, bei der Verwaltung für Tourismus und Stadtmarketing verantwortlich, die größte Schwierigkeit beim Zusammenstellen des Programms.


Blick auf die Schulstraße.
Blick auf die Schulstraße. (Foto: Fouad Vollmer Werbeagentur)

Daran beteiligt sich auch wieder das Stadtforum mit einer Aktion.- Diesmal dreht sich alles um den Gießübel. „Einen Gießübel gab es in verschiedenen Städten. Es war ein Mauererkerturm, in welchen leichte Mädchen und Kleinkriminelle eingesperrt wurden“, sagt Cäcilie Sommer. Die Insassen mussten dort mehrere Tage bei Brot und Wasser ausharren und wurden zur Läuterung mit Wasser übergossen.

Den ursprünglichen Erkerturm gibt es nicht mehr, denn während des Dreißigjährigen Kriegs schossen ihn die Schweden zusammen. „Es wurde dann ein Sommerhaus-Aufbau errichtet. Er ist bewohnt“, berichtet Sommer. Deshalb könne dieser nicht geöffnet werden, dafür wird es aber aus dem Fenster Turmgeschichten zu hören geben. Ergänzt wird der Tag auf dem Platz beim Steigerlager um die Ausstellung „Fachwerk trifft auf Beton“, Führungen durchs Quartier, Livemusik und Aktionen für Kinder.

Künstlerisch entfalten

Apropos Nachwuchs: Wie Ingeborg Voss sagt, ist der Tag des offenen Denkmals für die ganze Familie geeignet. So gibt es im Museum Biberach eine Führung für Kinder und Erwachsene durch das originale Atelier des Malers Jakob Bräckle (1897 bis 1987). Dabei können sich die Besucher auch künstlerisch Austoben. Auch das Familienzentrum macht mit. Früher Wohnhaus, später „Arbeitshaus“, was einem Zuchthaus entsprach – heute werden in der Schulstraße 17 Verbindungen zwischen Familien und ihren Kinder geknüpft.

Das Trauzimmer im Klösterle.
Das Trauzimmer im Klösterle. (Foto: Stadtverwaltung)

„Es gibt Kinderspiele, Kaffee und Kuchen sowie Führungen durch das Haus. Auch der Second-Hand-Laden hat geöffnet“, sagt Bettina Steiner vom Tourismus und Stadtmarketing. Dort könnten sich Interessierte auch die Zeit vertreiben, sollten sie beim Einlass ins rote Haus länger warten müssen. Denn nicht bei allen Denkmälern können unbegrenzt viele Besucher hinein. Bei allen Aktionen gilt aber: der Eintritt ist kostenfrei und neugierige Blicke sind ausdrücklich erwünscht.

Der Tag im Überblick:

Haus Schulstraße 26 (11 bis 16 Uhr): Es werden Führungen um 11, 12, 14 und 15.30 Uhr angeboten. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Stadtpfarrkirche St. Martin (11 bis 16 Uhr): Pfarrer Ulrich Heinzelmann führt um 15.30 Uhr durch die Kirche. Treffpunkt ist am Hauptportal.

Kleeblatthaus (Marktplatz 22): Führungen um 11, 13 und 15 Uhr durch Adrian Kutter. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Menschen pro Führung begrenzt. Ticketausgabe 30 Minuten vor Führungsbeginn.

Trauzimmer im Klösterle (Hindenburgstraße 29; 11 bis 16 Uhr): IN dem Stadionschen Hof befindet sich heute das Trauzimmer, eine früherer Kapelle mit gotischem Gewölbe und Deckenbemalung.

Familienzentrum (Schulstraße 17; 11 bis 16 Uhr): Besichtigung des Hauses, im Garten Kaffee und Kuchen sowie Aktionen für Kinder.

Museum Biberach (Museumstraße 6; 11 bis 18 Uhr). Führungen um 11 und 15 Uhr „Atelier Jakob Bräckle“ durch Stefanie Loos mit künstlerischem Teil.

Wieland-Museum (Saudengasse 10/1; 11 bis 18 Uhr): Eine Führung mit Elisabeth Rach gibt es um 14 Uhr. Gunther Dahinten liest um 16 Uhr „Die Geschichte des Prinzen Biribinker“. Von 14 Uhr bis 17 Uhr wird Kaffee und Kuchen im Wieland-Park angeboten. Es gibt auch ein Wieland-Geocache.

Hugo-Häring-Haus (Mettenberger Weg 17, 14.30 bis 16.30 Uhr): Führung mit Hochbauamtsleiter Siegfried Kopf-Jasinski um 15 Uhr. Kaffee und Kuchen im Garten.

Rund um den Gießübel (Gießübelgasse, Glockengasse, Zeughausgasse; 11 bis 16 Uhr): Historische Verlautbarung aus dem Gießübelturm um 13 und 15 Uhr. Führung durch das Quartier ab 13.15 und 15.15 Uhr. Führung durch die Häuser Zeughausgasse 2 und 4 um 14 und 16 Uhr.

Stadtführung „Hinter Gittern – die Wasserwege im Städtle“: Treffpunkt ist um 11 Uhr an der Infotafel bei der Stadthalle. Die Führung mit Tamara Prinz dauert zwei Stunden und gibt einen Überblick, wie die Abhängigkeit vom Wasser das Stadtbild geprägt hat.

Stadtführung „Die Pfleghöfe von Biberach“: Treffpunkt ist um 12 Uhr am Eseldenkmal auf dem Marktplatz. Die Führung mit Ina Billwiller dauert eineinhalb Stunden. Dabei erfahren Teilnehmer vieles rund um die klösterlichen Pfleghöfen in der Reichsstadt.

Stadtführung „Verliebt, verlobt, verheiratet – Hochzeitsbräuche in Biberach“: Teilnehmer treffen sich um 14 Uhr am Esel-Denkmal auf dem Marktplatz. Biljana Wieland erläutert in eineinhalb Stunden, welche in Vergessenheit geratene Bräuche, Weisheiten und Ratschläge es rund um den Hochtzeitstag gab.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.biberach-tourismus.de

Tipp: Schnell und unkompliziert erreichen Besucher die verschiedenen Stationen mit dem Fahrrad.

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