Nachwuchs-Filmemacher drehen Kurzfilm

Lesedauer: 6 Min

In der Medienwerkstatt in Biberach, die alle nur Medi nennen, finden junge Erwachsene alles, um sich mehr mit Medien auseinanderzusetzen. Besonders für Nachwuchs-Filmemacher ist ausreichend Equipment wie Kameras, Mikrofone, Schnittrechner und eine Tonkabine vorhanden. Diese Filmausrüstung haben die Mitglieder der Medienwerkstatt nun genutzt und ihr neuestes Filmprojekt „Umbrella of Tolerance“ (aus dem Englischen: Regenschirm der Toleranz) auf die Beine gestellt. Ende Februar soll der Film fertig sein.

Einige junge Menschen stehen auf einem Bahngleis, halten Plakate in die Luft. Auf einem steht „No Atomkraft“, auf einem anderen sieht man das Symbol für Radioaktivität. Ein Mann ist auf die Gleise gekettet. Die Gesichter sind vor Wut und Verzweiflung verzerrt. Im Hintergrund hört man einen Mann auf Englisch sprechen. Er sagt, dass man aufstehen solle, um seine Meinung zu sagen und für seine Überzeugung eintreten müsse.

Gegenseitige Rücksichtnahme

Dies ist eine der Szenen des neuen Films „Umbrella of Tolerance“ von Lucca Heinzel, Veronika Hehl und Felix Weber. Im Kontext wird die Szene nur kurz zu sehen sein. Eigentlich geht es um einen jungen Mann, der an einer Haltestelle im Regen auf den Bus wartet. Ein dunkelhäutiger Mann kommt hinzu und bittet darum, mit unter seinen Regenschirm zu dürfen. Doch der andere ignoriert ihn und liest weiter in seinem Comic. Der ältere Mann versucht dem jüngeren zu erklären, dass er mehr auf sein Umfeld Rücksicht nehmen muss und toleranter sein sollte. Entsprechend dazu werden Szenen eingeblendet, die die jeweiligen Thesen stützen sollen.

Bereits vor eineinhalb Jahren haben Lucca Heinzel und Veronika Hehl das Drehbuch geschrieben. Die Idee zum Film ist aus verschiedenen Einzelideen entstanden. „Ich wollte einen Film über Toleranz machen“, sagt die 19-Jährige. Ein anderes Mitglied, Denis Ali-Rezai, hatte die Idee, dass eine geflüchtete Person auf einem Stuhl sitzt und aus ihrem Leben erzählt, währenddessen werden die entsprechenden Szenen eingeblendet. „Es wäre aber sehr schwer gewesen, das filmisch umzusetzen“, sagt Lucca Heinzel, der nach seinem Abitur vielleicht Regie studieren will. Aus beiden Ideen wurde dann eine und am Ende ist „Umbrella of Tolerance“ entstanden.

Dies war aber nur durch die Unterstützung der Baden-Württemberg-Stiftung möglich: Der etwa sechsminütige Kurzfilm wurde im Rahmen des Programms Beo-Wettbewerb Berufliche Schulen 2017/2018 gefördert. „Ohne diese Förderung wäre der Film nicht das, was er jetzt ist“, sagt Felix Weber, der sich beim Projekt vor allem um die Zusammenarbeit mit der Stiftung und die Finanzen kümmert. Durch die finanzielle Unterstützung konnten die Jugendlichen sich besseres Equipment ausleihen und so neue Erfahrungen sammeln. Ein Begleiter der Baden-Württemberg-Stiftung habe außerdem jederzeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

„Abseits“ soll erhalten bleiben

Die Darsteller für „Umbrella of Tolerance“ haben Lucca Heinzel, Veronika Hehl und Felix Weber im Freundeskreis oder innerhalb der Familie gefunden. Als Hauptdarsteller hatte Veronika Hehl den Biberacher Pfarrer Paul Odoeme vorgeschlagen. „Ich habe mich an einen Auftritt im Dramatischen Verein erinnert und wir haben ihn daraufhin gefragt, ob er im Film mitspielen will“, sagt Hehl. Er sei sofort von der Idee begeistert gewesen und habe auch das Thema richtig gut gefunden.

Auch die Filmemacher sind stolz auf ihren Kurzfilm: „Es ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn man von seinem eigenen Film Gänsehaut bekommt“, sagt Felix Weber. Das alles hätten sie nie geschafft, wenn es das „Abseits“ und somit die Räume für die Medienwerkstatt nicht geben würde. „Hier haben wir die ersten Ideen besprochen und am Drehbuch gearbeitet“, sagt der 19-jährige Heinzel. Für die Jugendlichen ist es immer wieder ein Thema, ob die Stadt das Haus der Jugendverbände („Abseits“) in der Ehinger Straße auch weiterhin betreibt. „Wir hoffen wirklich sehr, dass sich die Stadt entscheidet, dass das Gebäude stehen bleibt“, sagt Weber. „Wenn es das Haus nicht mehr gibt, wird der Verein auch nicht weiter bestehen können.“

Wer sich näher über die Medienwerkstatt informieren möchte, kann eine E-Mail an info@medistatt.de schreiben oder unter www.medistatt.de nachsehen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen