Nachdenkliche Töne beim Poetry-Slam

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Karl Kaspar gewann den ersten New Generation Slam des Jahres 2020.
Karl Kaspar gewann den ersten New Generation Slam des Jahres 2020. (Foto: Aylin Duran)
Aylin Duran

Bereits im vorigen Jahr sind in Biberach zahlreiche Poetry-Slam-Veranstaltungen ausgetragen worden. Jetzt geht es weiter: Der U20-Poetry-Slam heißt mittlerweile New Generation Poetry Slam, und am Samstag haben junge Nachwuchspoeten im „Alten Haus“ selbst verfasste Texte zum Besten gegeben.

Wem gefällt es nicht, sich zu amüsieren? Lachen ist gesund – und das dachte sich wohl auch Karl Kaspar, als er seine Texte geschrieben hat. Am Samstag stand Kaspar im Alten Haus auf der Bühne und alle Blicke waren auf ihn gerichtet, als ihm plötzlich auffiel: Ein Blatt fehlte! Mit dieser schwierigen Situation konnte Kaspar jedoch gut umgehen, denn den Verlust seines Blatts nahm der junge Poet mit Humor. Obwohl die Seite unauffindbar blieb, amüsierten sich die Zuschauer prächtig, und auch ohne vollständig vorgetragenen Text wurde der Nachwuchspoet prompt ins Finale weitergeleitet.

Von Feli Müller-Wiegräfer und Lena Ahlfänger gab es in der Gaststätte nicht nur traurige, sondern vor allem tiefgründige Texte zu hören. Denn ihr junges Alter hielt Müller-Wiegräfer und Ahlfänger nicht davon ab, sich mit schwierigen Themen zu beschäftigen und über Probleme zu sprechen, die gerne totgeschwiegen werden.

Feli Müller-Wiegräfer beschäftigte sich in ihrem Text nicht nur mit dem „Christopher Street Day“, einem Gedenktag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender. Auch den Besuch eines Konzentrationslagers hatte sie in einem ihrer Texte verarbeitet. In einem ehemaligen KZ hat Müller-Wiegräfer winzige Kinderschühchen gesehen – Schuhe von Menschen, die vergast wurden. Da stellte sie sich die Frage, ob die grauenvollen Schandtaten und Verbrechen nicht ausgereicht hätten, um den Menschen ihre Augen zu öffnen. Und die junge Poetin fragte sich: „Warum hat die AfD einen Sitz im Bundestag?“

Lena Ahlfänger scheute ebenfalls nicht davor zurück, in ihrem Text schwierige Themen zu behandeln. Seit 2015 arbeitet sie für die Flüchtlingshilfe. In ihrem bewegenden Text, den sie für einen syrischen Flüchtling schrieb, ging es um den Krieg in seinem Heimatland. Und somit um Zerstörung und Hoffnungslosigkeit. „Man will Freiheit und bekommt Krieg“, sagte Ahlfänger bei ihrem Auftritt.

Texte, die zum Nachdenken anregten, kamen am Samstag gut an, und Feli Müller-Wiegräfer und Lena Ahlfänger wurden von den Zuschauern beide ins Finale geklatscht. Karl Kaspar war jedoch weiterhin mit von der Partie: Mit seinem zweiten Text über Aliens, die ihn nachts mit ihrem Ufo besucht und unverfrorenerweise seine Mathehausaufgaben klauten, konnte Kaspar den ersten New Generation Poetry Slam des Jahres 2020 gewinnen.

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