Nach 860 Takten ist die „Missa 1962“ vorerst zu Ende

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Und Schluss! Nach genau 860 gestifteten Takten beendet Dirigent Johannes Striegel im Credo die Aufführung der „Missa 1962“ zum J (Foto: Vogel)
Schwäbische Zeitung
Günter Vogel

Am 9. Dezember 1962, also fast auf den Tag genau vor genau 50 Jahren, sind die Biberacher St.-Martins-Chorknaben gegründet worden, damals noch als „Pueri Cantores St. Martin“. Aus Anlass des Jubiläums hatte die Stiftung St.-Martins-Chorknaben Biberach bei dem Laupheimer Komponisten Gregor Simon eine Messe in Auftrag gegeben, die Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei enthalten sollte. Am Sonntag wurde sie in der Stadtpfarrkirche uraufgeführt.

Der Name des Werkes „Missa 1962“ entspricht dem Gründungsjahr des Chores; die Messe sollte auch 1962 Takte enthalten; pro Takt wurde eine Zustiftung durch Bürger von 100 Euro erbeten. Die Chorknaben sangen bei der jetzigen Uraufführung nur diejenigen Teile, für die bislang eine solche Zustiftung eingegangen ist.

Das eröffnende „Kyrie“ der neuen Messe baut sich aus einzelnen Stimmgruppen wie Ruf und Echo auf, entwickelt sich jubeltönig vom Bass zum Sopran, verhaucht im Schlusspiano.

Im stürmisch-drängenden „Gloria“ mit eher kurzen Melodie-Elementen und großer Spreizung zwischen den Bässen und den Sopranen strahlten vor allem die hohen Stimmen.

Das fundiert-erdhafte Credo brach dann nach einigen Takten ab; bis dahin war die Musik durch die Zustiftungen gedeckt – insgesamt 860 der 1962 Takte.

Der katholische Pfarrer Kaspar Baumgärtner und der evangelische Geistliche Ulrich Heinzelmann gingen in einer klug abgestimmten Doppelpredigt wechselweise auf den Chorgesang und seine Wirkung auf den Glauben der Menschen ein. Sie sprachen von zwei Dialekten des Glaubens nach der Reformation. Beide bezogen sich auf das Zweite Vatikanische Konzil, das das Wort Gottes in der Kirche verständlicher machte, das Miteinander vereinfachte. Baumgärtner: „Es ist konkrete Ökumene, dass das Wort Gottes in Biberach zweifach ertönt.“ Und Heinzelmann ergänzte: „Der Glaube ist immer konkret.“ Die Geistlichen schlugen den Bogen des Harmoniebegriffs von der Musik zum Glauben: „Der Klang der Musik ist der Klang des Lebens.“ Und schließlich: „Ein Chor ist ein Bild für die Aufgabe des Glaubens, viele Stimmen zusammenzuführen.“

Heinzelmann zitierte Martin Luther: „Musica ist der besten Künsten eine“, und beide Pfarrer gratulierten dem Chor zu seinem Jubiläum.

Der Stiftungsvorsitzende Edmund Wiest erläuterte im Gespräch, dass auch die weiteren 1102 Takte der „Missa 1962“ noch gestiftet werden können. Eine Zustiftung beträgt mindestens 100 Euro pro Takt. Die Zustifter erhalten neben einer Spendenbescheinigung auch eine Urkunde über den jeweiligen Takt. Alle hoffen, in absehbarer Zeit das ganze Werk aufführen zu können.

Zustiftungen sind über die Geschäftsstelle der Stiftung St. Martins-Chorknaben erbeten:

Alfons-Auer-Haus, Kolpingstraße 43, 88400 Biberach, Tel.: 07351/5809-208; E-Mail: Stiftung-Chorknaben.Biberach@drs.de, Ansprechpartner ist Geschäftsführer Thomas Stöhr.

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