Museum widmet sich Kunst der NS-Zeit

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Dr. Uwe Degreif mit dem Werk „Albbauer“ von Hermann Tiebert aus dem Jahr 1941. „Es ist eines der Werke, die in typischer Weise (Foto: Gerd Mägerle)
Schwäbische Zeitung
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Unter dem Titel „Ein schwieriges Erbe 1933-1945“ zeigt das Museum Biberach vom 8. März bis 22. Juni Kunstwerke aus der Zeit des Nationalsozialismus, die einen Bezug zur Region haben. Der stellvertretende Museumsleiter Dr. Uwe Degreif ist momentan dabei, die Ausstellung zusammenzustellen, „die schwierig ist und die sicher auch Diskussionen auslöst“.

Nach der Schau zur „Schwäbischen Eisenbahn“ ist das, was ab kommendem Monat im Sonderausstellungsraum des Museums zu sehen ist, alles andere als leichte Kost. Im Rahmen eines großen Kunstprojekts der Gesellschaft Oberschwaben (siehe Kasten), dass die Kunst in der Region im 20. Jahrhundert als Leitthema hat, widmet sich das Museum Biberach der Zeit zwischen 1933 bis 1945. Weitere sechs Museen und Galerien sind beteiligt.

Degreif selbst hatte das Kunstprojekt vor rund drei Jahren angeregt. Dass sich gerade Biberach dabei um die NS-Zeit kümmert, ist für ihn aus zwei Gründen logisch. „Wir haben, im Vergleich zu manch anderer Einrichtung, ständig Personal vor Ort, das sich mit diesem Thema auskennt“, sagt er, „außerdem haben wir uns mit der NS-Zeit bereits ausführlich befasst.“ Er verweist unter anderem auf die viel beachtete Ausstellung „Nationalsozialismus in Biberach“ im Jahre 2006. Schon in diesem Zusammenhang hat sich Degreif mit der regionalen Kunst in der NS-Zeit auseinandergesetzt.

„Kunst in der Zeit des Dritten Reichs ist nicht automatisch NS-Kunst“, macht Degreif auf eine der wichtigsten Botschaften aufmerksam, die die Ausstellung vermitteln soll. Weswegen die Ausstellungsmacher auch davon abkamen, im Ausstellungstitel ideologisierende Begriffe wie „artgerechte“ oder „entartete Kunst“ zu verwenden, sondern sich auf das zu beschränken, was es ist – „ein schwieriges Erbe“. „Nicht jeder Künstler hat in dieser Zeit Werke im Sinne der NS-Ideologie produziert, einige aber schon“, sagt Degreif. Die Ausstellung will zeigen, wie sich die Werke jeweils unterscheiden lassen.

Kunst- und Kulturwissenschaftler Degreif hat auf der Suche nach den rund 80 Exponaten unter anderem nachgeforscht, welche Künstler aus der Region bei den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ der Nazis in München ausgestellt wurden. Er stieß dabei beispielsweise auf die Werke von Hermann Tiebert aus Isny, der mit seinen heimatbetonten, dörflichen Porträts der deutschen Landbevölkerung, auf der Linie der NS-Ideologie malte. „Er war der einzige Maler aus der Region, der bei den Nazis auf nationale Beachtung stieß“, sagt Degreif, „Hitler, Goebbels und Bormann kauften Werke von ihm.“ Nach Münchner Vorbild gab es auch in Oberschwaben Ausstellungen mit „artgerechter“ Kunst, beispielsweise 1939 in Biberach.

Dem gegenüber stellt die jetzige Ausstellung Werke, die in der NS-Zeit als „entartet“ gebrandmarkt wurden, so die düster gehaltenen Bilder des Wurzachers Sepp Mahler. Vertreten sind auch Bilder aus dieser Zeit, die das Museum Biberach in seiner Sammlung hat, beispielsweise Werke, die Soldaten aus Biberach und Ravensburg während ihrer Kriegseinsätze malten. „Von diesen gehen wir nicht davon aus, dass sie ideologisch motiviert sind“, sagt Degreif.

Speziell für die Arbeit mit Schülern zeigt das Museum anhand einer Porträtreihe vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, welche Faktoren ab 1933 dazu führten, dass Kunstwerke als „entartet“ bezeichnet wurden.

Um die Ausstellung zu verstehen, empfiehlt Degreif die Teilnahme an einer der vielen Führungen, die es immer donnerstags, sonn- und feiertags geben wird. Außerdem erscheint ein Begleitkatalog, der einen Überblick über das Kunstgeschehen in Oberschwaben während der NS-Zeit gibt.

Die Biberacher Ausstellung ist Teil des Kunstprojekts „Kunst Oberschwaben 20. Jahrhundert“ der Gesellschaft Oberschwaben. Unterteilt nach Epochen und künstlerischen Gattungen beteiligen sich neben Biberach sechs weitere Museen und Galerien in Ochsenhausen, Meßkirch, Bad Saulgau, Schloss Achberg, Burgrieden-Rot (Villa Rot) und Schloss Mochental daran. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.kunst-oberschwaben.de

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