Mobiler Kulturpavillon: Weshalb dieses Start-up Marktchancen nach dem Lockdown erwartet

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Bei der Ulmer Kulturnacht stand der Qube im vergangenen Jahr vor dem Ulmer Münster.
Bei der Ulmer Kulturnacht stand der Qube im vergangenen Jahr vor dem Ulmer Münster. (Foto: Luca Linder/Qube)
Schwäbische Zeitung

Qube, das sind eine mobile Bühne, die schnell auf- und abgebaut ist und eine App, mit der Städte ihr Kulturprogramm ganz einfach organisieren können. Corona hat den Marktstart des Start-ups durcheinandergebracht. Doch die Macher, ein fünfköpfiges Team aus Studierenden der Hochschule Biberach, der Technischen Hochschule und der Universität Ulm und der Dualen Hochschule Mannheim, sind optimistisch. Nach dem harten Lockdown werde es umso wichtiger werden, Gelegenheiten für kleinere Kulturangebote im Freien zu schaffen, ist das Team überzeugt.

Raum für Kultur, der in kürzester Zeit überall in der Stadt entstehen kann: Das möchte das Team des Startups mit Qube anbieten. Ihre mobile Bühne passt in einen Kleinbus und lässt sich in weniger als einer Stunde aufbauen. Diese Flexibilität soll es Städten ermöglichen, unkompliziert Möglichkeiten für Kulturangebote zu schaffen. „Musik, Kleinkunst und Theater, Vorträge oder Kurse könnten hier stattfinden“, erklärt Gründerin Lea Hofmann. „Unser Prototyp war auch schon im Einsatz: Bei der Ulmer Kulturnacht haben wir den Qube zum Beispiel direkt vor dem Münster aufgestellt und dort Konzerte und einen Poetry-Slam veranstaltet.“

Mit dem Qube möchten sich die Erfinderinnen und Erfinder besonders an Städte und Kultureinrichtungen wenden. Damit diese den Pop-up-Pavillon auch über längere Zeit ohne Mehraufwand bespielen können, entwickeln sie dazu eine App, mit der Bürgerinnen und Bürger die Bühne für eigene Angebote mieten und einen schnellen Überblick über bereits geplante Angebote bekommen können. Städte könnten den Qube mieten oder kaufen und über die App die Nutzung organisieren. „Die App wird dann der Vermittler zwischen der Stadt und den Nutzerinnen und Nutzern“, sagt Hofmann. Sie studiert Architektur an der Hochschule Biberach und sieht den Qube als Bereicherung für das Stadtbild: „Unser Traum ist es, dass der Qube-Pavillon längerfristig steht und ein Teil der Kulturlandschaft von Städten wird.“

Dass Veranstaltungen in Zukunft wieder ein Teil dieser Kulturlandschaft sein werden, davon ist das Team überzeugt. Gründer Luca Linder, ebenfalls Architekturstudent an der Hochschule Biberach, meint: „Ich denke, dass die Leute nach den harten Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus geradezu nach Kultur hungern werden. Es wird dann noch wichtiger werden, Gelegenheiten für kleinere Kulturangebote im Freien zu schaffen, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Und das ist ja genau das, was wir ermöglichen.“

Die Bühne ist zwar für kürzere Aktionen konzipiert, sie ist aber widerstandsfähig genug, um auch mehrere Tage oder Wochen im Freien zu überstehen. Luca Linder erklärt: „Das Konstrukt besteht fast komplett aus Naturmaterialien: Ein Gestell aus widerstandsfähigem, mehrfach verleimtem Lärchenholz und Zeltstoff aus wasserdichter Baumwolle. Der Qube ist außerdem so konstruiert, dass er für verschiedene Nutzungen verwendet werden kann. Man kann zum Beispiel mehrere Qubes aneinanderstellen, um eine größere Bühne zu haben.“

Die Materialien bezieht das Team lokal, wenn die Produktion anläuft, soll das bei Schreinereien aus der Region geschehen. Langfristig denkt das Team auch darüber nach, die Bühne mit einer autarken Stromversorgung auszustatten, zum Beispiel über Solarpaneele, die Strom für Licht- und Musikanlagen liefern könnten. Das sei aber erst später vorgesehen, sagen sie. Zuerst soll das bereits konstruierte Modell weiterentwickelt werden. „Wir sind bereit für Aufträge,“ so Luca Linder.

Covid-19 hat die Planung für den Markstart zwar etwas durcheinandergebracht, das Team ist aber optimistisch: „Eigentlich wollten wir gerade verstärkt Städte kontaktieren und den Qube bewerben. Dort liegt der Fokus aber derzeit nicht unbedingt auf Kulturveranstaltungen, sodass wir das Thema Marketing erst einmal verschieben mussten. Dafür bleibt nun mehr Zeit für die Produktentwicklung.“

So hat das Team jetzt Zeit, sein Produkt weiterzuentwickeln und fortlaufend zu verbessern. Leichtere Materialien, dünnere Bauteile und ein Stecksystem sollen den Aufbau noch schneller und einfacher machen. Für die Zukunft nach dem harten Lockdown überlegen die Studierenden außerdem, wie das Design angepasst werden kann, um bei Veranstaltungen zum Abstandhalten anzuregen.

Entstanden ist die Idee innerhalb des interdisziplinären und hochschulübergreifenden Lehrformats Gründergarage des Projekts „Accelerate!Süd“ der Hochschule Biberach, der Technischen Hochschule Ulm und der Universität Ulm, bei der studentische Teams ein Semester lang Startup-Ideen ausarbeiten.

„Jeder kann gründen, der bereit ist, so lange an seinem Konzept zu arbeiten, bis es in den wesentlichen Facetten stimmig ist,“ erklärt Dr. Cornelia Gretz, Leiterin der Gründerinitiative Biberach. „Das Qube-Team hat mit seiner Begeisterung und seinem unglaublichen Durchhaltevermögen bewiesen, dass es einen wertvollen gesellschaftspolitischen Beitrag zu leisten im Stande ist.“ Begleitet wurde das Studierendenteam während der Gründergarage von den Start-up-Coaches Boris Kilvinger (THU) und Benedikt Bill (Uni Ulm). Marcel Moser von der Gründerinitiative der Hochschule Biberach und die InnoSüd-Gründungsmentorin Dr. Birgit Stelzer an der Universität Ulm beraten und betreuen das Team nun weiter.

Inspiration für die Idee des Qubes als mobilen Ort der Kultur war das Motto „Stadtklima“, unter dem die Gründergarage im vergangenen Semester stattfand. Lea Hofmann, Luca Linder und Florian Ruf entwickelten hierzu die gemeinsame Vision, den öffentlichen Raum der Städte kulturell anzureichern und zu beleben.

Mittlerweile wächst das Team Qube: Um die App-Entwicklung kümmern sich Florian Ruf, der Computational Science and Engineering an der Universität Ulm und der Technischen Hochschule Ulm studiert, und Yannik Hubrich, der an der Hochschule Mannheim Data Science studiert und bei der Firma gridscale in Köln arbeitet. Dino Kazazic, ebenfalls Architekturstudent an der Hochschule Biberach, unterstützt das Team mit Wissen aus seinem vorhergehenden Studium im Bereich Projektmanagement.

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