Mitreißender Gesang vom Feinsten

Lesedauer: 4 Min
 Die „Ringmasters“ rissen die Zuhörer bei der A-cappella-Nacht in Biberach mit astreinem vierstimmigen Gesang mit.
Die „Ringmasters“ rissen die Zuhörer bei der A-cappella-Nacht in Biberach mit astreinem vierstimmigen Gesang mit. (Foto: Gerhard Trüg)
Gerhard Trüg

Wer am Samstagabend in der fast ausverkauften Stadthalle das Konzert der drei Gesangsgruppen bei der A-cappella-Nacht erlebt hat, wurde mit Gesangskultur und mehrstimmigem Chorgesang in großartigster Form belohnt. Was die drei Männergruppen „anders“, „Ringmasters“ und „Delta Q“ gezeigt haben, war absolute Spitzenklasse.

Den Beginn machten die fünf jungen Männer der Songgruppe „anders“ aus Freiburg. Sie bieten keine Coverversionen bekannter Songs, sondern schreiben alle Lieder und Arrangements selbst. Ihr Song „Jungs, die singen“ handelt von der gemeinsamen Traumfrau: „Sie muss auf Jungs stehen, die singen“. Dabei entwickeln sie ein wunderbares Geflecht an musikalischen Linien, welche die Hauptmelodie umringen. Mit Akkord-Vokalisen unterlegen sie die Melodie und breiten vielstimmigen Gesamtklang aus. Wie nur ein Sänger den Bass und das Schlagzeug gekonnt imitieren kann, zeigte die Solo-Nummer „Beatbox“.

Eine herrliche Show war das „Fernseh-Medley“, bei dem durch die Programme gezappt wurde und Melodien aus Tatort, Tagesschau, Sandmann, Titanic und plötzlich Seitenbacher-Werbung imitiert wurde.

Dann kamen die Barbershop-Weltmeister von 2012, die „Ringmasters“. Sie stehen ganz in der Tradition der Barbershop-Musik, die um 1900 in den USA entstanden ist und heute immer noch im vierstimmigen Chorgesang gepflegt wird. Die „Ringmasters“ drangen als erste Gruppe in die US-Domäne ein.

Kaum in Worte zu fassen

Was die vier Männer stimmlich auf die Beine stellten, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Gleich beim ersten Lied „Tonight“ aus der West-Side-Story rissen sie das Publikum mit astreinem vierstimmigem Gesang mit. Durch die dichten Septakkorde, die ihrerseits noch verfremdet wurden, wurde die Melodie in ein vielstimmiges Klanggemälde eingebettet. Mit herausragenden Stimmen und Steigerungen bis zum Schluss, mit chromatischen Veränderungen boten sie eine Musik von atemberaubender Präsenz und Schönheit. Weiter ging’s mit „Get Around“ von den Beach Boys mit Falsett-Tenor, gefolgt vom homophonen rhythmisch geprägten „Volkstanzlied aus Georgien“. Wunderbar leise und innig wurde „Blackbird“ von den Beatles gesungen, deren unsterblicher Song „All You Need Is Love“ den Schluss bildete.

Delta Q mit Energie und Humor

Eine abwechslungsreiche energiegeladene Show wurde bei der ursprünglich aus Berlin stammenden Gruppe Delta Q versprochen – und das wure durch viel Bewegung auf der Bühne, humorvolle Ansagen und abwechslungsreichen Gesang absolut eingehalten. Ihr Gesangstil gründete mehr auf den Solo-Gesang mit vokaler Instrumenten-Imitation, so zum Beispiel die rhythmische Hiphop-Nummer „Unsere Nacht“.

Lustig ging es beim „Deutschland-Medley“ zu, bei dem die 16 Bundesländer musikalisch auf die Schippe genommen wurden und das Publikum das bayerische „Jawoll“ dazwischen brüllen durfte. Eine große Nummer war auch „Final Countdown“, die mit der Orgel-Toccata in d- Moll von J.S. Bach begann, und zusammen mit der Hauptmelodie eine wunderschöne Zweistimmigkeit bildete.

Den krönenden Abschluss bildete „Freude, schöner Götterfunken“ von Beethoven, das in kunstvollen rhythmischen und melodischen Variationen, mit viel Bewegung und Ironie parodiert wurde. Stürmischer Schlussapplaus führte alle drei Gruppen noch einmal auf die Bühne.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen