Mitmachaktionen sollen bei Berufswahl helfen

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Luca Mader

Selbst große Unternehmen haben es immer schwerer, neue Auszubildende zu finden. Um trotz der Überalterung in Deutschland weiter zu bestehen, warben große Biberachs Firmen an den Berufsinfotagen mit diversen Attraktionen. Netze BW, Handtmann, Liebherr und Boehringer Ingelheim präsentierten dabei ihre Besonderheiten und versuchten, die Jugendlichen von einer Ausbildung oder dem Beginn eines dualen Studiums bei ihnen zu überzeugen.

Der Verteilnetzbetreiber Netze BW zeigte in seiner Biberacher Lehrwerkstatt, was er zu bieten hat. „Dieser Tag ist mittlerweile enorm wichtig für uns“, sagt der Ausbildungsleiter Gerhard Heinrich. In zwei verschiedenen Kranwagen konnten sich die Besucher hoch in den Himmel über Biberach fahren lassen. Kletterbegeisterte kamen ebenfalls auf ihre Kosten. Mit Steigeisen und Gurtzeug bewaffnet, konnten Wagemutige die Erfahrung machen, wie es ist, einen hölzernen Strommasten zu erklimmen. Zu einem besonderen Highlight gerieten die Fahrten mit einem Tesla Model S. Die elektrisch betriebene Sportlimousine beschleunigt von null auf 100 km/h in vier Sekunden und stand für Mitfahrten bereit. Die Interessierten erhielten Einblicke in die Lehrwerkstatt, in der die Lehrlinge ihr Können an andere junge Leute weitergaben. So brachte der Auszubildende Julian Müller dem 17-jährigen Lars Wallisen erste Schritte im Feilen bei.

Um die Jugendlichen von einem der neun Ausbildungsberufe oder einem dualen Studium bei Liebherr zu überzeugen, setzte die Firma vor allem auf technische Mittel. „Die Veranstaltung ist natürlich auch dazu da, um für uns zu werben“, sagte der Ausbildungsleiter Daniel Götz. Mithilfe von Virtual-Reality-Brillen stand der Blick in ein Liebherr-Ausbildungszentrum offen, in dem Auszubildende bei der Arbeit an CNC-Fräsmaschinen und anderen Geräten beobachtet werden konnten. Durch die VR-Brillen war es ebenso möglich, die Erfahrung zu machen, wie es ist, zu schweißen oder in schwindelerrengender Höhe einen Kran zu bedienen. Für kreative Köpfe stand ein Escape-Room bereit, in dem diverse Rätsel gelöst werden mussten, um zu entkommen. An verschiedenen Stationen in der Lehrwerkstatt durften die Besucher selbst anpacken. „Ich versuche hier einen Beruf zu finden, der mich interessiert“, sagt der Schüler Fabian Siller, während er zusammen mit dem Lehrling Manuel Rapp an einer Platine arbeitete.

Die Unternehmensgruppe Handtmann warb an ihrem Biberacher Standort unter anderem mit einer Betriebsbesichtigung. Interessierte konnten handwerklich an vielen Ständen selbst tätig werden. So konnte beispielsweise ein Jojo und ein LED-Blinkwürfel selbst gefertigt werden. Auszubildende und Studierende informierten in dem Ausbildungszentrum über elf verschiedene Ausbildungsberufe und duale Studiengänge. „Die Veranstaltung gibt es vor allem deswegen, um jungen Leuten einen Einblick zu geben, was wir hier machen“, erklärt der Ausbildungsleiter Patrick Schirmer. So informierten die auszubildenden Industriekauffrauen Karina Neuer und Daniela Föhr den Schüler Kevin Winghart zusammen mit seiner Mutter Evelyn. Ihr Sohn wollte Informationen über die diversen Berufe mitnehmen. „Ich denke die Veranstaltung ist vor allem dazu da, um zu sehen. in welche Richtung es mal gehen soll“, meinte die Auszubildende Karina Neuer.

Tags darauf öffnete Boehringer Ingelheim seine Pforten Rund 880 Besucher nutzten die Möglichkeit. „Wir wollen hier eine umfassende Berufsinformation gewährleisten“, sagt Petra Romer-Aschenbrenner, zuständig für das Ausbildungsmarketing, und verweist auf den „Marktplatz der Ausbildungsberufe und Studiengänge“. Hier wurden die Besucher über die verschiedenen Ausbildungsberufe und über die acht dualen Studiengänge informiert. In einem Berufekino wurde außerdem über die vielen Berufsmöglichkeiten zusammenfassend informiert. Die Öffnung des Ausbildungszentrums, ermöglichte es einen Blick in die diversen Bereiche des Pharmaunternehmens zu werfen. Handwerklich Begabte kamen zudem bei der Herstellung eines Flaschenöffners und anderen Aktivitäten auf ihre Kosten. Gerhard Blank und sein Sohn Johannes wurden von Noah Bidlingmaier über ein duales Studium informiert. „Ich will einen Einblick in die verschiedenen Berufe bekommen“, meinte Johannes Blank.

Hintergrund

In Deutschland gibt es immer mehr ältere und immer weniger junge Leute, also auch immer weniger potenzielle Auszubildende. „Es ist schon schwieriger geworden, gute Leute zu finden“, so der Ausbildungsleiter der Netze BW, Gerhard Heinrich. Gegen den Trend schafft der Netzbetreiber aber immer mehr neue Stellen. „Die Energiewende und die E-Mobilität sind ein Epochenprojekt für uns“, so Heinrich. Für dieses Jahr seien alle Ausbildungsplätze besetzt. Außerdem wird die Lehrwerkstatt in Biberach gerade durch ein zusätzliches Gebäude erweitert. Auch bei Liebherr sei ein leichter Bewerberrückgang von ungefähr zehn Prozent zu verzeichnen, sagte der Ausbildungsleiter Daniel Götz. Trotzdem beginnen im September 62 junge Leute ihre Ausbildung bei Liebherr in Biberach, so viele wie noch nie. Bei Handtmann seien die Bewerberzahlen seit Jahren auf dem gleichen Level. „Wir haben auch dieses Jahr eine ausreichende Anzahl an Bewerbern und sind zufrieden“, sagt Ausbildungsleiter Patrick Schirmer. Bei Boehringer Ingelheim wird ebenfalls ein Stellenaufbau betrieben. „Die Firmen ringen um gute Leute, trotzdem haben wir immer noch eine sehr gute Position im Rennen“, kommentiert Petra Romer-Aschenbrenner den leichten Rückgang der Bewerbungszahlen. (luma)

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