Mit Tod und Trauer umgehen

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 Aphrodite, die Clownin mit den leisen Tönen, spricht in der Sinn-Welt über Trauer und trifft das Publikum mitten ins Herz.
Aphrodite, die Clownin mit den leisen Tönen, spricht in der Sinn-Welt über Trauer und trifft das Publikum mitten ins Herz. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Tod, Sterben, Trauer – ziemlich unerfreuliche Genossen. Wer mag sich schon mit ihnen beschäftigen, wenn sie einem nicht gerade auf die Pelle rücken? Die Selbsthilfegruppe KonTiki für verwaiste Eltern in Biberach stellt sie anlässlich ihres einjährigen Bestehens in den Mittelpunkt und zeigt neue Wege, mit Tod und Trauer umzugehen. Zu Gast in der Sinn-Welt war Aphrodite, eine Clownin.

Im vergangenen Jahr wurde die Selbsthilfegruppe KonTiki in Biberach für betroffene Eltern gegründet. In einer solchen Gruppen können Eltern Solidarität spüren, die ihnen hilft, sich selber wieder zu finden. Sie entdecken, dass die Art, wie sie Trauer empfinden und ausdrücken, ganz normal ist. Im gemeinsamen Gedankenaustausch werden Entwicklungen angestoßen, die den Weg aus der Krise ebnen helfen – auch wenn dies oft lange Zeit braucht.

Mit Hilflosigkeit, Wut und der Frage nach dem Warum sei ein Abschied verbunden, weiß Sonja Schädler von KonTiki. Die vielen Stadien und Aspekte der Trauer konnten die Gäste der Veranstaltung mit Aphrodite, der Clownin der leisen Töne, durchleben. Eine rote Clownsnase, aber keine clownesken Übersteigerungen. Sehr authentisch, ehrlich und schlicht ist die Clownin aus Bonn in ihrem Stück „Für immer und immer und immer“. Mit ihren Tränen kämpfen mussten einige im Saal als Aphrodite, mit trauriger, aber nicht weinerlicher Stimme immer wieder sagte: „Du bist einfach gegangen. Einfach so, ohne mich zu fragen. Und dann kommst du einfach nicht wieder. Du bist einfach weg. Für immer.“ Schmerz, Vorwürfe, Verzweiflung, „Keine Umarmung mehr, keine Nähe mehr, nicht mehr an die Hand genommen werden. Wo steckst du bloß?“ Die Mutter ist tot, und die Tochter, die sich sagt: „Ich bin ja schon groß, bin erwachsen“, zittert und bibbert, rollt sich zusammen wie ein Kleinkind. Beruhigungstee und Kniebeugen bringen nichts, aber schließlich findet Aphrodite doch Trost. Etwas Leichtigkeit hatte sie auch für ihre Zuschauer mitgebracht: Seifenblasen. „Das ist Leichtigkeit“, sagte sie.

Passender als jene berührenden Töne, die Thomas Lämmle mit seinem Saxofon entlockte, hätte die musikalische Begleitung des Abends nicht sein können. Auch Lisa Weber spielte im Anschluss auf ihrem E-Piano einfühlsame Literatur. Sie gab dem Gedankenaustausch somit einen passenden Rahmen.

Nach Aphrodites „Für immer und immer und immer“ fiel es den Menschen im Publikum erstaunlich leicht, von ihrer Trauer, von ihren Gefühlen zu sprechen. Abschiedsschmerz und Trauer können lange dauern. „Glücklich könne sich derjenige schätzen, der Familie und Freunde hat. Denn von den Außenstehenden frage nach einem Jahr niemand mehr: Wie geht es dir?“, sagte ein Gast. Es wird den meisten Menschen, die selbst kein derartiges Verlusterlebnis hatten, nicht möglich sein, trauernde Eltern wirklich zu verstehen. Die verwaisten Eltern spüren dies oft schmerzlich und fühlen sich dann – trotz gut gemeinter Unterstützung – ab einem bestimmten Punkt wieder unverstanden und allein.

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