Mit den Ulmer Schachteln auf der Donau

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Otmar Weigele (links) und Kurt Diemer mit einem Exemplar der „Biberacher Blätter“, die die Gesellschaft herausgibt. (Foto: vogel)

Seit 1712 zogen die Donauschwaben in das durch die Türkenkriege entvölkerte Ungarn. Die „Gesellschaft für Heimatpflege“ widmet sich in ihrem Symposium am Samstag im Ummendorfer Schloss diesem Thema, erweitert durch die Integration der Heimatvertriebenen nach dem zweiten Weltkrieg. SZ-Mitarbeiter Günter Vogel sprach darüber mit dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Dr. Otmar Weigele, und dem Historiker und früheren Kreisarchivar Dr. Kurt Diemer.

Herr Dr. Weigele, Herr Dr. Diemer, wie kam es zu dieser Thematik?

Sie ist im doppelten Sinne aktuell. Vor genau 300 Jahren zogen katholische Oberschwaben auf Einladung des Großgrundbesitzers Graf Károlyi , dessen Äcker nach langen kriegerischen Auseinandersetzungen brach lagen, mit den „Ulmer Schachteln“ auf der Donau nach Süden. Sie waren Wirtschaftsflüchtlinge, wurden im Bereich Großkarol, heute in Nordwest-Rumänien, untergebracht, nannten sich nach dem Ort des Friedensschlusses „Sathmarer Schwaben“. Die ungarische Hofkanzlei gab ihre Einwilligung unter der Bedingung, dass es Katholiken waren. Nicht alle gingen aus freien Stücken. So drängte Biberach Tagelöhner „besonders bei der stattlichen Gelegenheit in Ungarn“ zur Auswanderung. Und es gab 200 Jahre später viele Remigranten, die nach dem zweiten Weltkrieg vor der Unterdrückung durch die sowjetischen Behörden zurück nach in die alte Heimat flohen.

Vor mehr als 60 Jahren kamen die Heimatvertriebenen zu uns, wurden anfangs in einem Lager am Ort der heutigen Bereitschaftspolizei untergebracht. Bis heute sind die weltweiten Migrationsströme ein Hauptthema der aktuellen Politik.

Wie entstanden die Themen der vier Vorträge?

Unsere Themenstellungen haben immer einen lokalen Bezug. Über die Gesamtinhalte sprachen wir mit Prof. Schindling aus Tübingen und entwickelten die Einzelthemen der vier Vorträge.

Wer spricht worüber?

Prof. Dr. Anton Schindling leitet an der Universität Tübingen das „Institut für Donauschwäbische Geschichte“. Er spricht über die damalige politische Situation im Heiligen Römischen Reich und der Habsburger Monarchie.

Prof. Dr. Marta Fata lehrt ebenfalls in Tübingen; sie hat sich wissenschaftlich mit der Kolonistenanwerbung in Süddeutschland beschäftigt. Einer der aktivsten Werber war dabei der Biberacher Senator Franz Felbinger.

Dr. Marie-Kristin Hauke leitet das Ulmer Stadtarchiv, hat viel über die Auswanderung der Donauschwaben veröffentlicht, spricht darüber in Ummendorf. Prof. Dr. Thomas Grosser von der Universität Mannheim referiert über Aufnahme und Integration der Heimatvertriebenen.

Werden die Vorträge in den „Heimatkundlichen Blättern“ der Gesellschaft veröffentlicht?

Selbstverständlich; sie sind für die nächste Ausgabe im Juni 2013 vorgesehen.

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