Mir send die, wo lacha müsset

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Seitenlacher: Ob als Angela Merkel, Papst Benedikt, Arnold Schwarzenegger, Till Schweiger oder wie hier Udo Lindenberg: Comedy-S (Foto: Markus Schutz)
Schwäbische Zeitung

Kann der überhaupt anders? Weiß er eigentlich, dass er im wahren Leben Andreas Müller heißt? Ja, weiß er. Zumindest hatte er sich am Dienstagabend im Rahmen des Kabarettherbsts um punkt 20 Uhr dem Biberacher Publikum in der ausverkauften Stadthalle als solcher vorgestellt. Was dann bis kurz nach 22.30 Uhr folgte, war der bekannt superlustige Husarenritt durch die Welt der Politiker und Promis. Für alle Spitzenpolitiker ist der Mann der 1000 Stimmen das gefährlichste, dauerquasselnde Spaltprodukt seit es Mikrophone gibt.

Neues Programm, neues Betriebssystem, alles internetfähig und alles voll digital freilich. Und natürlich interaktiv, der Müller. Mit Live-Instrumenten und Live-Stream und ständigen Spontanlachern. Multimediales Erlebnis, unterstützt vom erfolgreichen Radiosender SWR3. Da hat man eben andere Voraussetzungen als so mancher Kollege im Comedy-Business ohne großen Sender im Kreuz. Ganz ernst gemeint.

Kreuz? Nein, eher Bauch- und Zwerchfell-Gegend: Da helfen einem gegen das Seitenstechen auch nicht die verteilten Müsli-Tüten des Sponsors Seitenlacher, äh Seitenbacher. Dass Comedy-Star Andreas Müller auch den Geschmack des Biberacher Publikums treffen würde, war von Anfang an klar. Der Dauer-Stimmen-Versteller aus dem Radio gilt als der beste Imitator landauf, landab. Er ist es, ohne Frage. Spätestens seit der WM-Kultserie „Jogis Jungs“ („Mir send die, wo gwinna wället“) ist das so. Doch dazu kommen wir noch!

Zwei neue Kultfiguren in Müllers Stimmen-Repertoire sind seit der Landtagswahl in Baden-Württemberg ohne Wenn und Aber „Minischderpräsident“ Winfried Kretschmann und der „Kleine Nils“, also Wirtschaftsminister Nils Schmid. Und so kamen die Lachsalven aus dem Publikum so sicher wie das Amen in der Kirche. Beim brandaktuellen Thema EEG-Umlage rät Kretschmann ganz langsam („Wenn ich schneller denke als ich sprechen kann, kann ich notfalls noch eingreifen…!“), dass die Bürger im Ländle jetzt „am beschden“ auf ihr Häussle ein 54 Meter hohes Windrad packen sollten. Und dabei müssten sie aufpassen, dass es auf der Photovoltaik-Anlage keinen Schlagschatten gibt. Also: „Stellet se des Windrad am beschden bei Ihrer Biogasanlage na, do got immer bissle en Wind.“ Und schon schaltet Andreas Müller um auf Hochgeschwindigkeitsreden, denn plötzlich steht einer von Kretschmanns Vorgängern auf der Bühne: Günther Oettinger. Und dann kommt, was kommen muss, dann stimmen sie alle, Erwin Teufel, Günther Oettinger, Tanja Gönner und Winfried Kretschmann nacheinander zu Stuttgart 21 ein mit „Auf der schwäbsche Eisenbahne…“, und Müller spannt den politisch-satirischen Bogen auch noch gleich nach Griechenland („besser das Geld in Stuttgart versenkt, als den Griechen geschenkt“) und zur gebeutelten FDP des „Bundesfurzenden“ Philippino Rösler. „Bevor der Bahnhof unterirdisch ist, ist die FDP beerdigt.“

Apropos Griechenland: Der imitierte Tim-Bendzko-Song „Nur noch kurz die Welt retten“ von Angela Merkel ist der Brüller. „Ich muss doch unser Geld retten“, trällert die Kanzlerin„…wenn nicht, dann steht schon gleich der Steinbrück hier…!“

Müller kann sie alle: den Papst, Udo Lindenberg, Wolfgang Schäuble, Dieter Bohlen, Udo Lindenberg, Arnold Schwarzenegger oder natürlich den Klinsi. Endlos scheint die Liste derer, die er aus dem Stand imitieren kann. Klassiker sind Müllers Episoden mit Starkoch Johann Lafer und Rainer Calmund, „Tuten Gag“ oder eben Jogis Jungs. Müllers Erfolgsrezept ist die perfekte Mischung aus seiner Stimmen-Genialität und der Brise neuester politischer Nachrichten. Klar, dass dabei Annette Schavan ein Thema war. Und auch das WM-Qualifikationsspiel der deutschen Elf von Joachim Löw gegen Schweden, zu dem Müller immer mal wieder live rüber schaltete. 3:0 zur Halbzeit, dann 4:1. Und als die umjubelte Show in der Biberacher Stadthalle dann zu Ende war, hatte der Comedy-Star selbst noch Zeit, um die letzten Spielminuten von Jogis Jungs zu sehen. Da dürfte es selbst dem Mann mit den 1000 Stimmen ausnahmsweise mal die Stimme verschlagen haben…

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