Mehr als nur Wirtshausgaudi

Lesedauer: 5 Min
Die Virtuosen servierten eine vielseitige Mischung aus Volksmusik und klassischen Klängen.
Die Virtuosen servierten eine vielseitige Mischung aus Volksmusik und klassischen Klängen. (Foto: Josef Aßfalg)
Schwäbische Zeitung
Josef Aßfalg

Die Stammtischbrüder von „Knedel & Kraut“, alias Toni Bartl, Daniel Neuner und Juri Lex, haben am Samstagabend in der Gigelberghalle Sprüche geklopft, sodass ihre mitgebrachte Stammtischbude buchstäblich wackelte. Neben Geige, Bariton und diatonischen Orgeln zählten auch skurrile Instrumente zum Arsenal des Trios.

Eines vorweg: Wer geglaubt hatte, die Wirtshausgaudi werde musikalisch mit Marsch, Walzer, Polka und Ländler mit Schuhplattler umrahmt, irrte gewaltig. Die drei Virtuosen servierten eine vielseitige Mischung aus Volksmusik und klassischen Klängen und waren echte Könner auf verschiedenen, auch skurrilen, Instrumenten. Die drei unterschiedlichen Charaktere ergänzten sich perfekt. Nach dem Einmarsch mit dem Bayrischen Defiliermarsch stellten sich die Akteure gegenseitig vor. Juri Lex sei Lehrer, „vormittags hat er recht und am Nachmittag frei“, sagte Toni Bartl spitzbübisch. Darauf folgte das Lied vom „Armen Dorfschulmeisterlein“. Zur Namensgebung von Daniel Neuner sagte Bartl: Daniel sei ein echter Bayer, „aber wieso trägt er einen solchen Vornamen“, fragte er. Nun, es sei damals so passiert: Daniels Eltern hätten den 2340 Meter hohen „Daniel“, den höchsten Gipfel der Ammergauer Berge, erklommen. Als sie wieder unten waren, seien sie schon zu dritt gewesen, „dann hat man den Bub eben Daniel getauft“. „Gott sei Dank sind meine Eltern auf den ‚Daniel‘ gestiegen“, befand Daniel Neuner, „denn in der Nähe ist noch der Berg ‚Esel‘“. Damit hatte er die Lacher der Besucher schnell auf seiner Seite.

Sie seien die einzige Stubenmusik weltweit, die ihre Stubn mitbringt, erzählte Bartl. „Das ist unsere Stubn, da sind wir dahoam.“ Dabei erinnerte er an Zeiten, wo es viel gemütlicher war. „Früher traf man sich im Wirtshaus“ und heute treffe man sich bei Facebook. Das Trio zeigte sein außergewöhnliches Können an verschiedenen skurrilen Instrumenten. Bartl, der 1996 Weltmeister auf der Diatonischen Harmonika wurde, entlockte einer Luftpumpe unglaubliche Töne und führte eine Elektrogitarre auf einer Spatenschaufel vor. Juri Lex hatte einen Spazierstock als Querflöte umgebaut und tat sich mit virtuosen Klängen auf der Geige und mit perfektem Spiel auf dem Bariton hervor. Der „beleibte“ Neuner, dem der Schalk nur so aus den Augen blitzt, wurde zum Publikumsliebling des Abends. Er wunderte sich bei einem Arztbesuch über die Diagnose, dass er Wasser in den Beinen habe. „Des kann nur übers Zähneputzen hineingekommen sein“. Mit dem Lied „Hans bleib do“ bereiste er verschiedene Länder wie USA, Russland, Spanien, die Türkei und Italien. Dabei sang er in verschiedenen Sprachen grandios zur Freude der rund 230 Besucher. Bei „The Typewriter“ von Leroy Anderson trat er als Solist an der Schreibmaschine in einem atemberaubenden Tempo auf. Ob Spazierstock, Sägeblatt, Luftpumpe oder Heugabel, das Trio konnte mit allen möglichen Instrumenten Musik machen und wanderte so von Lambada zur ungarischen Czárdás, vermischt mit bayrischer Wirtshausmusik.

„Viel Spaß und Gaudi, ohne unter die ‚Gürtellinie‘ zu gehen“, lobte eine Besucherin. Und: „Ich habe es nicht bereut“, war von verschiedenen Gästen wiederholt zu hören.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen