Maultaschen-Idee überzeugt Jury

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Schwäbische Zeitung

Einmal Gründerluft schnuppern und an der eigenen Geschäftsidee feilen – diese Möglichkeit hatten Studierende in dem Seminar „Founder’s Garage“ (Gründergarage). Das neue Lehrformat wird seit diesem Semester an der Universität Ulm, der Technischen Hochschule Ulm und der Hochschule Biberach (HBC) im Zuge des Projekts „Accelerate!SÜD“ angeboten. Über ein Semester hinweg erarbeiteten die Studierenden Konzepte zu selbstgewählten Geschäftsideen, die sie kürzlich auch einer Fachjury in der IHK Ulm präsentierten.

Teil des Prozesses der „Founder’s Garage“ sind mehrere Workshop-Camps, in denen sich methodischer Input und kreative Arbeit abwechseln. „Die Camps haben eine spielerische Arbeitsatmosphäre“, beschreibt Student Robin Renoth (Universität Ulm) die Stimmung. Seinem Kommilitonen Michael Ghattas gefällt besonders die „Freiheit, eigene Ideen umsetzen zu können“. Darüber hinaus wurden die interdisziplinären Teams während des Semesters von Mentoren und Experten aus den unterschiedlichsten Unternehmens- und Schwerpunktbereichen unterstützt.

Durch die weitgehend selbstständige Arbeit erlernen die Studierenden, selbst als Unternehmer zu denken und zu handeln. „Die Teams eroberten ihre realen Problemstellungen fast im Sturm und münzten diese mit großem Engagement in Lösungen um“, berichtet Cornelia Gretz (HBC), Gastprofessorin für Entrepreneurship und Federführerin des Projektes. Sie fasste zudem zusammen, dass die Studierenden nicht nur Gründungskompetenzen erlernen, sondern auch weitere Fähigkeiten wie den Umgang mit Ungewissheit sowie neuen Technologien und Daten, aber ebenso die eigene Teamfähigkeit. Diese Besonderheit hebt auch die Vizepräsidentin für Lehre der Universität Ulm, Olga Pollatos, hervor und betont die Bedeutung solcher Kompetenzen für das spätere Berufsleben.

Bei der Abschlussveranstaltung des Seminars haben die acht Teams ihre Ideen in einem fünfminütigen Vortrag präsentiert. Bei den Themen lagen die Schwerpunkte auf den Bereichen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Soziales. Nach der Präsentation der Idee und des dazu ausgearbeiteten Geschäftsmodells stellten sich die Teams den Fragen der Jury, bestehend aus Jan Stefan Roell (Präsident der IHK Ulm), Dominik Hepp (HKK Bionics), Dagmar Häufele (Volksbank Ulm-Biberach), Manuel Mohr (Chancenkapital Biberach) und Christoph Oestreicher (Marktchance).

Am Ende konnte das Team rund um die „Fresh Täsch“ die Jury überzeugen. Das Ziel des Teams – bestehend aus Robin Renoth, Michel Ghattas, Maximilian Ludwig und Niclas Schneider – ist die Reduktion der Lebensmittelverschwendung. Dies bedeutet, dass qualitativ einwandfreies, regionales Gemüse, das nur optisch nicht der Norm entspricht und üblicherweise entsorgt oder in der Futtermittelindustrie Anwendung finden würde, zu Maultaschen verarbeitet und mittels eines Food-Trucks in Ulm und Umgebung vertrieben werden soll.

Platz zwei konnte sich das Team von „Orphanage Home“ (Waisenhaus) sichern. Hierzu zählen Chisom Chioma Grace Kobbe-Nwabufo, Dominik Gutmann, Pascal Herrmann, Lukas Kühnbach und Christian Jonathan Vogt. Orphanage ist eine Stiftung, die in Nigeria ein Waisenhaus für 20 Kinder bauen will, um ihnen Essen, Bildung, Sicherheit und eine Tagesbetreuung zu sichern. Neuartig an diesem Konzept ist, dass ein weiteres Haus mit Apartments errichtet werden soll, um die laufenden Kosten des Waisenhauses durch die Mieteinnahmen zu decken. Somit kann der Erhalt des Waisenhauses auch ohne regelmäßige Spenden gesichert werden.

Gleich zwei Teams konnten schließlich den dritten Platz für sich sichern: „Senio“ (Marlene Zeitler, Jana Reismann, Aneesh Mohan, David Pfeil und Jonathan Kuntz) sowie „CuCo. Finden. Verstehen. Bestehen.“ (Anna Schimansky, Pia Ortlieb, Bernhard Belstler, Korbinian Hitthaler, Syed Habibullah und Henri Reich). Während „Senio“ das Ziel hat, Senioren über eine digitale Plattform zu verknüpfen, ihr Repertoire an Freizeitaktivitäten zu erweitern und somit die Lebensqualität zu steigern, will „CuCo“ eine digitale Plattform schaffen, die darauf abzielt, hochqualitative Lernvideos zusammenzubringen, um den Studierenden den Rechercheaufwand während der Lernphase zu ersparen.

Nach den finalen Pitches stellen die studentischen Teams Ihre Geschäftsmodelle nun auch in Form eines Businessplanes dar. Nach dessen finaler Abgabe endet das Lehrprojekt, mit den Gründungen kann es danach weitergehen. Alle vier Siegerteams erhielten Gutscheine für einen Ausstellungsstand auf dem Start-up Summit BW 2020 am 23. und 24. Juli in Stuttgart.

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