Lösung für Klärschlamm-Entsorgung

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 Professorin Ulrike Zettl und Professor Gotthold Balensiefen leiten die Forschungsgruppe.
Professorin Ulrike Zettl und Professor Gotthold Balensiefen leiten die Forschungsgruppe. (Foto: HBC/Stefan Sättele)
Schwäbische Zeitung

Wohin mit dem Klärschlamm? In zehn Jahren darf der Schlamm aus mittleren und großen Kläranlagen nicht mehr als Dünger auf die Felder gebracht werden. Auch wird es nicht mehr erlaubt sein, ihn einfach zu verbrennen. Denn das im Schlamm enthaltene Phosphor muss ab 2029 aufwendig aus dem Schlamm zurückgewonnen werden, damit er als Rohstoff in Landwirtschaft und Industrie verwendet werden kann. So will es die 2017 geänderte Klärschlammverordnung.

Mit der Frage, was mit dem Klärschlamm in der Region ab 2029 passieren soll, beschäftigt sich das Forschungsprojekt „P-RückSÜD“ der Hochschule Biberach (HBC). Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ziel des Projektes ist es herauszufinden, wie eine zukunftsfähige Klärschlamm-Entsorgung zu vertretbaren Kosten aussehen kann. Das teilt Anette Schober-Knitz, Pressesprecherin der HBC mit. Leiter des Projekts sind Ulrike Zettl und Gotthold Balensiefen, Professoren der Fakultät Bauingenieurwesen und Projektmanagement der HBC.

Laut Mitteilung haben Fachleute von 14 Kläranlagen und Behörden aus den Regionen Donau-Iller, Allgäu, Hochrhein-Bodensee und Bodensee mit Experten der Hochschule Biberach gesprochen und Lösungsmöglichkeiten gesucht. Gerade mit der Rückgewinnung des Phosphor tun sich die Kläranlagen schwer. Technisch sei dies eine anspruchsvolle Aufgabe, für die es bislang noch keine gesicherten Verfahren mit mehrjähriger großtechnischer Erfahrung gebe, erläutert Zettl. „Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass nur wenige Kläranlagenbetreiber den ab 2029 geltenden gesetzlichen Anforderungen nachkommen können“, sagt die Professorin der HBC. In den kommenden Wochen setzen die Wissenschaftler an der HBC ihre Arbeit an dem Projekt fort und erarbeiten im Austausch mit Behörden und Kläranlagen mehrere Szenarien, wie die Klärschlamm-Entsorgung in der Region zukünftig aussehen kann.

Schon heute sei die Entsorgung von Klärschlamm ein Problem, heißt es vonseiten der HBC. Rund 40 Prozent der Klärschlämme aus Baden-Württemberg werden außerhalb des Landes verbrannt. Doch strengere Grenzwerte führen dazu, dass in anderen Bundesländern immer weniger Schlamm auf den Feldern landet und immer mehr verbrannt wird. „Damit drängen immense Klärschlammmengen auf den Verbrennungsmarkt und es ist offensichtlich, dass die vorhandenen Verbrennungskapazitäten bei weitem nicht ausreichend sind“, schildert Zettl die Situation. Eine Folge davon seien steigende Entsorgungskosten.

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