Kurzweilige Einblicke ins Sängerdasein

Lesedauer: 6 Min
 Tina Zeller (v. l.), Hubert Schmid, Markus Raab stellten den Opernalltag nach.
Tina Zeller (v. l.), Hubert Schmid, Markus Raab stellten den Opernalltag nach. (Foto: Gerhard Trüg)
Gerhard Trüg

Einen Gesangsabend der ganz anderen Art haben die Zuhörer im kleinen Saal der Stadthalle erlebt. Hubert Schmid und Markus Raab widmeten sich – berühmte Arien vortragend – dem Alltag des Opernsängers.

Die Zuhörer saßen an runden Vierertischchen und konnten sich mit allerlei Getränken selbst versorgen. So entstand eine gemütliche Kaffeehausatmosphäre und man war gespannt, was die Opernsänger Hubert Schmid und Markus Raab, als „Hubert und Raab“, zusammen mit der Pianistin Tina Zeller und der Regie von Corinna Palm auf die Bühne bringen würden. „Alle Register werden gezogen, um dem Geheimnis des Sängerdaseins auf die Schliche zu kommen“, stand in der Programmbeschreibung. „Das wahre Gesicht des Opernalltags“ sollte enthüllt werden.

Die Handschrift der Regisseurin war gleich zu Beginn zu erkennen, als die Pianistin als Putzfrau mit Besen und Arbeitsklamotten erst einmal die Bühne kehrte und die Klaviatur des Flügels hörbar entstaubte. Der Bassist Raab, mit Anzug, rotem Hemd und roten Schuhen betrat die Bühne und philosophierte darüber, wie kalt, egoistisch und kulturlos die Welt geworden ist, war er doch zum Vorsingen für eine Stelle in der Oper erschienen.

Erfolgloses Vorsingen

Dieses erfolglose Vorsingen der beiden Sänger war der rote Faden durch den ganzen Abend und mit der Bemerkung „heute hat eine Kälte Einzug gehalten“, sang er „The Cold Song“ von Henry Purcell aus der Oper „King Arthur. Leider gab es kein Programmheft, dem man die Titel der Lieder und damit den Kontext, in dem sie zum Bühnengeschehen stehen, entnehmen konnte.

Der Tenor Hubert Schmid betritt betrübt die Bühne und beklagt, dass niemand auf der Beerdigung sein „Ave Maria“ hören wollte und so sang er das bekannte Lied von Franz Schubert mit sehr schöner heller Tenorstimme eben hier. Als Brandschutzbeauftragter der Stadt Biberach betrat Raab nun die Bühne und nörgelte an der Brennbarkeit des schönen roten Kleides herum, mit dem die Pianistin nun – adäquat gekleidet – in der Folge auftrat. Beide Sänger stimmten das Duett „Let’s Call The Whole Thing Off“ von George Gershwin aus dem Film „Shall We Dance“ an.

Als kleines Intermezzo spielte Tina Zeller sehr gekonnt eine virtuose Etüde von Frederic Chopin, später noch von Erik Satie die „Gnossienne N.1“.

Raab schwärmt davon, wie er früher an großen Opernhäuser wichtige Rollen gesungen hat und trägt in der Folge mit schöner sonorer Bassstimme die „Mantelarie“ aus „La Boheme“ von Puccini vor. Auch Hubert Schmid schwärmt von seinen Auftritten vor Zigtausenden von Menschen in der Arena von Verona und singt „Ach die Weiber“ aus der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar.

Nach der Pause geht es Schlag auf Schlag weiter. Schmid sinniert als Bühnenarbeiter über das Auf und Ab im Leben und singt „Morgen“ (und morgen wird die Sonne wieder scheinen) von Richard Strauss, sehr schön mit den Arpeggien von der Pianistin begleitet.

Mit Wiener Schmäh agiert Raab als Operndirigent und singt die Arie des „Osmin“ aus der „Entführung“ von Mozart. Später macht er in dieser Rolle die Pianistin an und singt das bitterböse „Bidla Buh“ von Georg Kreisler. Auch „Mackie Messer“ aus der „Dreigroschenoper“ kommt zu Gehör, das beide mit viel Theatralik im Duett singen. Hubert trägt mit schöner Tenorstimme „Dein ist mein ganzes Herz“ aus „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehar vor.

Viel Applaus belohnte die Musiker und die Regisseurin für den kurzweiligen Abend und am Ende gab es mit der Zugabe „Mutter“ von Rammstein noch ein neues Stück.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen