Kriegsgräber sollten Mahnung zum Frieden genug sein

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 Karin Walter sprach bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Biberach.
Karin Walter sprach bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Biberach. (Foto: Josef Aßfalg)

In der Gedenkstunde zum Volkstrauertag hat Jörg Riedlbauer, Kulturdezernent der Stadt Biberach, über die Friedensarchitektur im vergangenen Jahrhundert gesprochen und darüber, was daraus geworden ist. Bei der Feier in der Aussegnungshalle des Stadtfriedhofs brachten Schüler des Wieland-Gymnasiums (WG) mit Schulleiter Ralph Lange ihre Gedanken ein.

1919 wurde der Volkstrauertag als Gedenktag für die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Heute ist er ein Tag der Trauer und des Erinnerns an die vielen Millionen Opfer von Gewalt und Krieg und ein Mahntag zu Versöhnung und Frieden.

Karin Walter, Vorsitzende des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, erinnerte an verschiedene Dekaden des 20. Jahrhunderts: So ist das Frauenwahlrecht 1919 eingeführt worden und im gleichen Jahr wurde der Friedensvertrag in Versailles geschlossen. Der Zweite Weltkrieg begann vor 80 Jahren und am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Und schließlich der Mauerfall vor 30 Jahren. „Jährlich gehen beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge rund 35 000 Anfragen über den Verbleib von Teilnehmern der beiden Weltkriege ein“, sagte Karin Walter. Schulleiter Lange trug mit WG-Schülern Gedanken zum Volkstrauertag über Krieg, Hass, Hetze und Ausgrenzung vor.

Kriegsgräberstätten auf der ganzen Welt mahnten zum Weltfrieden, befand Jörg Riedlbauer in seiner Gedenkrede. 17 Millionen Tote des Ersten und 55 Millionen des Zweiten Weltkriegs sollten hierfür Mahnung genug sein. „Doch wo stehen wir heute?“, fragte Riedlbauer. Vom Weltfrieden sei die aktuelle Weltpolitik weit entfernt, siehe beispielsweise Syrien und den Nordirak.

Deutsche Soldaten gefallen

Vor zehn Jahren sei der erste deutsche Soldat seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Feuergefecht mit den Taliban im nördlichen afghanischen Kundus ums Leben gekommen. Der 21-jährige Soldat Sergej Motz war bis Ende 2010 als Zeitsoldat bei der Bundeswehr verpflichtet und in Donaueschingen beim Jägerbataillon der deutsch-französischen Brigade stationiert. Die Brigade galt als markantes Friedensobjekt von Präsident Mitterand und Bundeskanzler Kohl, das 1988 beschlossen wurde.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sei seit 100 Jahren ein Mahner für den Frieden, resümierte Riedlbauer und zitierte den europäischen Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker: „Wer an Europa zweifelt oder verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen.“ Er verneigte sich vor den aufgestellten Kränzen und zitierte den Dichter Günter Eich: „Bleibt bei uns, ihr Toten, helft uns vor neuer Schuld.“

Gebete von Pastoralreferent und Klinikseelsorger Johannes Walter rundeten die Gedenkstunde ab. Musikalische Klänge der Stadtkapelle Biberach unter dem Dirigat von Andreas Winter und dem Männergesangverein Frohsinn mit Simon Föhr gaben der Feier einen würdigen Rahmen.

Die Reservistenkameradschaft Biberach und die Freiwillige Feuerwehr Biberach legten am Namensquader vor der Aussegnungshalle einen Kranz nieder. Nach der Totenehrung intonierte die Stadtkapelle das Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“ und bei der Nationalhymne stimmten die Besucher ein.

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