Kreisräte wenden sich klar gegen Fracking

Lesedauer: 5 Min
Kein Fracking: Der Umweltausschuss des Biberacher Kreistags hat sich gegen die umstrittene Technologie ausgesprochen. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Mit deutlichen Worten hat sich der Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags am Mittwoch gegen das umstrittene Erdgas-Förderverfahren Fracking ausgesprochen. Beantragt wurde, dass der Kreistag in seiner Sitzung am 22. März Fracking explizit ablehnen soll. Als Hauptgrund wurde dabei im Ausschuss vor allem die Gefahr für das Grundwasser durch ins Erdreich eingebrachte Chemikalien genannt.

Der Landkreis ist vom Thema Fracking insofern betroffen, als dass im Landratsamt die untere Wasserbehörde angesiedelt ist, die bei Anträgen zu Fracking ihre Stellungnahme abgeben muss. Vier Mal hat sie das seit 2008 getan.

Die Erste Landesbeamtin Stefanie Bürkle erläuterte im Umweltausschuss, dass das Landratsamt vor allem wegen des Grundwasserschutzes erhebliche Bedenken gegen Fracking hat. Im Unterschied zu möglichen Gasvorkommen in Norddeutschland, bei denen Fracking zum Einsatz kommt, müssten in der hiesigen Region mehrere Grundwasser führende Schichten durchbohrt werden, erläuterte Bürkle. Dies erhöhe die Gefährdung für das Wasser, das in der Region sowohl als Trinkwasser als auch als Thermalwasser zur Anwendung kommt.

Verboten ist Fracking in Wasserschutzgebieten, die etwa 23 Prozent der Landkreisfläche ausmachen. Aber selbst wenn es außerhalb eines Schutzgebiets zu Fracking komme, sei nicht garantiert, dass nicht doch Verunreinigungen ins Wasser kommen, so Bürkle. „Die Informationen der entsprechenden Firmen sind bis dato sehr oberflächlich.“

Es gebe erste sogenannte Aufsuchungserlaubnisse für Fracking in der Region. „Inwieweit es zu Anträgen auf Probebohrungen kommt, wissen wir heute noch nicht“, sagte Stefanie Bürkle. Der Landkreis werde das kritisch verfolgen. Der Schutz des Trinkwassers sei dabei der oberste Grundsatz. Das Vorkommen an Erdgas, das im Gestein gebunden sei, reiche etwa aus, um die Versorgung in der Bundesrepublik für 13 Jahre sicherzustellen, gab Jürgen Nagler, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, Expertenmeinungen wieder.

Kreisräte sind unisono dagegen

Schon allein deswegen setze er den Wert des Wassers wesentlich höher an als kurzfristige Energie, sagte Wolfgang Dahler (CDU). Die USA, wo die Fracking-Technologie bereits weit verbreitet sei, seien auch viel dünner besiedelt als Deutschland. „Bei unseren hochwertigen Grundwasservorkommen kann man das nicht zulassen“, sagte auch Manfred Lämmle (Freie Wähler). Martina Miller (SPD) sprach sich ebenfalls gegen Fracking aus. Der Begrenztheit der Rohstoffe müsse man mit einer nachhaltigen Energieversorgung begegnen – dazu zähle Fracking nicht.

Es gehe nicht nur um das Grundwasser, sondern um die Umwelt insgesamt, sagte Kai Feneberg (CDU). Für ihn wäre unverantwortlich, Fracking gut zu heißen. Die USA seien für ihn in diesem Zusammenhang ohnehin unrelevant: „Das sind die größten Umweltverschmutzer.“ So wie auch Karl Zeller (Freie Wähler) forderte er, noch mehr und größere Wasserschutzgebiete auszuweisen, „allein schon als Vorsichtsmaßnahme“.

Man merke jetzt, dass die Energie-Rohstoffe langsam zur Neige gingen, sagte Norbert Huchler (ÖDP). Es sei traurig, dass man über etwas wie Fracking überhaupt diskutieren müsse: „Grenzenloses Wachstum ist nicht möglich. Jeder muss sich künftig Gedanken über seinen Lebensstil machen.“ Es dürfe auch keine Probebohrungen geben, meinte Josef Weber (ÖGB): „Wehret den Anfängen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen